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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vereinigte Staaten Rauchverbot nach Feierabend

 ·  Lieblingseigenschaft ihrer Angestellten? „Nichtraucher“, würden wohl die meisten amerikanischen Arbeitgeber antworten. Mit Nikotintests und Lügendetektoren versuchen sie auch das Rauchen in der Freizeit zu kontrollieren.

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Rauchern in den USA geht es immer stärker an den Kragen. Nachdem glühende Glimmstängel in den meisten Bundesstaaten längst aus allen öffentlichen Einrichtungen und von allen öffentlichen Plätzen verbannt worden sind, droht neues Unheil an einer anderen Front. Immer mehr Unternehmen verbieten ihren Beschäftigten nicht nur das Qualmen am Arbeitsplatz, sondern auch in der Freizeit. Wer es trotzdem tut, verliert den Job. Immer häufiger kommt es auch vor, daß Firmen nur Nichtraucher einstellen.

Mogeln verspricht wenig Erfolg: Mit Pusten wie bei Alkoholkontrollen im Straßenverkehr oder gar Zwangsurintests versuchen US-Bosse, Schummlern auf die Schliche zu kommen. In einer Polizeiabteilung im US-Bundesstaat Florida müssen Bewerber sogar per Lügendetektor nachweisen, daß sie nicht rauchen. Während bei Bürgerrechtsgruppen die Alarmglocken schrillen, verteidigen die Arbeitgeber ihre Unbarmherzigkeit mit den steigenden Krankenversicherungsbeiträgen für ihre Arbeitnehmer. Die Kostenexplosion sei zu einem großen Teil auf nikotinbedingte Erkrankungen zurückzuführen, argumentieren sie. Raucher seien zudem häufig unproduktiver als Nichtraucher. Sie nähmen mehr Krankheitstage in Anspruch und neigten insgesamt stärker zu einem ungesunden Lebenswandel.

Nikotintest verweigert: Angestellter gefeuert

Er könne die wachsenden Aufwendungen für die Krankenversicherungen nicht mehr hinnehmen, zitieren US-Medien Howard Weyers, den Präsidenten des Gesundheitsdienstleisters Weyco Inc. in Michigan. Die Firma machte kürzlich Schlagzeilen, weil sie vier Beschäftigte feuerte, die einen Nikotintest verweigert hatten. Nach Angaben von Weyers muß das Unternehmen jährlich 750 000 Dollar für die Gesundheitsfürsorge der Beschäftigten hinblättern. Vor zwei Jahren entschied sich Weyco zu einem Neueinstellungsstopp für Raucher und gab qualmenden Beschäftigten eine 15-monatige Frist zum Abgewöhnen. Zur Erleichterung des Entzugs wurden Gruppentherapien und bezahlte Akupunkturbehandlungen angeboten. Seit Fristablauf wird in Abständen getestet.

„Wir schreiben niemandem vor, nicht zu rauchen“, zitiert die „Los Angeles Times“ Gary Climes, Weycos Finanzchef. „Aber wer raucht, kann nicht bei uns arbeiten.“ Das ist auch der Kurs von Union Pacific Corp., einem Transportunternehmen mit Hauptsitz in Nebraska. Es hat alle Filialen in sieben US-Staaten angewiesen, keine Raucher mehr einzustellen, nachdem seine Ausgaben für die Krankenversicherungen der Arbeitnehmer in den vergangenen drei Jahren jeweils um 10 Prozent gestiegen waren.

Produktionsverluste betragen jährlich 82 Milliarden Dollar

Aus einer Statistik des US-Zentrums für Krankheitsbekämpfung und Vorbeugung geht hervor, daß sich die Produktionsverluste wegen der Raucher für die US-Unternehmen jährlich auf 82 Milliarden Dollar belaufen. Ungefähr jeder fünfte Amerikaner qualmt. Nach einer Studie bietet mittlerweile ein Drittel der US-Arbeitgeber Rauchstopp- Förderungsprogramme am Arbeitsplatz an, etwa fünf Prozent bevorzugen Nichtraucher bei der Einstellung, und mindestens ein Prozent duldet keine Raucher mehr unter den Beschäftigten - Tendenz steigend.

Kritiker weisen darauf hin, daß es nur begrenzte Studien darüber gebe, wie viel rauchende Beschäftigte die Arbeitgeber wirklich zusätzlich kosteten. Vor allem aber sehen sie einen unerträglichen Eingriff in die Privatsphäre, da es hier um eine Regulierung des Freizeitverhaltens gehe. Aber selbst der sonst stets kampfeslustigen Bürgerrechtsunion ACLU (American Civil Liberties Union) sind nach eigenen Angaben die Hände gebunden. Gerichtlich könnte der Verband gegen die rigorosen Bestimmungen nur dann vorgehen, wenn sie in Bundesstaaten vorkommen, die nicht nur eine Diskriminierung auf Grund des Geschlechts, der Rasse oder Religion gesetzlich verbieten, sondern auch Benachteiligungen auf Grund des Lebensstils. Einen solchen Schutz des Freizeitverhaltens haben aber nur wenige Staaten verankert. „Wie weit wird man es noch treiben?“ sorgt sich Lewis Maltby vom Nationalen Institut für Arbeitsrecht. Immerhin ist es in Texas schon vorgekommen, daß ein Beschäftigter wegen Ehebruchs gefeuert wurde - nach Büroschluß.

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