11.04.2007 · Für konservative Christen in Amerika ist es ein besonderer Tag: Junge Mädchen legen Keuschheitsgelübde ab, bekommen dafür Reinheitsringe geschenkt und Vater gelobt, Mutter treu zu bleiben. Sogenannte Reinheitsbälle werden immer beliebter.
Alle tragen festliche Kleidung, ein Ring wird angesteckt und ein Versprechen abgelegt - die Zeremonie erinnert an eine Hochzeit. Doch die Hauptpersonen der Feier sind nicht Braut und Bräutigam, sondern junge Mädchen und ihre Väter. Bei sogenannten Reinheitsbällen versprechen Mädchen in den Vereinigten Staaten ihren Vätern noch vor der Pubertät, bis zu ihrer Hochzeit auf Sex zu verzichten. Die Familienoberhäupter schwören im Gegenzug, der
Mutter ihrer Kinder treu zu sein. Das Vater-Tochter-Gelübde ist bei konservativen Christen zu einem Trend geworden. Kritiker warnen aber, dass es weder vor ungewollter Schwangerschaft noch vor Geschlechtskrankheiten schützt.
„Wir haben bemerkt, dass es in unserer Kultur für Väter keine Möglichkeit gab, etwas für eine gute Beziehung zu ihren Töchtern zu tun,“ sagt Randy Wilson, dessen Gemeinde Generations of Light in Colorado Springs 1998 den ersten Reinheitsball organisierte. Durch die Zeremonie sollten die Mädchen, die ab einem Alter von neun Jahren teilnehmen, gestärkt werden, bevor sie „mit all den sexuellen Bildern da draußen bombardiert“ würden, sagt der Vater von fünf Töchtern.
„Sie finden, dass es das Größte ist“
Mike Parcha aus Colorado, der an der Universität Mathematik unterrichtet, ging vor kurzem schon mit seiner zweiten Tochter, der elf Jahre alten Lora, zu einem Reinheitsball. „Uns wird klar, dass Reinheit ein Lebensstil und kein Event ist“, sagt Parcha. Und diesen Lebensstil feiere er mit seinen Töchtern. Vor Lora hatte schon seine Älteste, die heute 18 Jahre alte Christy, das Keuschheitsversprechen abgelegt. Auch seine Jüngste, die gerade mal vier Jahre alt ist, warte schon auf ihren Reinheitsball. „Sie sind einfach alle dafür, sie finden, dass es das Größte ist“, freut sich der 43 Jahre alte Parcha, der seine insgesamt sechs Kinder nicht an eine öffentliche Schule schickt, sondern sie zu Hause unterrichten lässt.
Zur Erinnerung an ihren Reinheitsball bekommen viele Mädchen von ihrem Vater einen Reinheitsring oder einen Keuschheitsarmreif angesteckt. Der Vater gelobt bei der Zeremonie aber nicht nur, die Keuschheit seiner Tochter zu schützen. „Der Vater gibt das Versprechen, seine Seele rein zu halten“, erläutert Leslee Unruh, Gründerin der Organisation Abstinence Clearinghouse, die für Keuschheit vor der Ehe wirbt. Neben der Treue zu seiner Frau gehöre dazu auch der Verzicht auf die sündigen Verlockungen der Pornografie.
Erstes Interesse in Europa
Die Idee fand bei den konservativen Christen in den Vereinigten Staaten besonders in den südlichen Bundesstaaten und im mittleren Westen, großen Anklang. Im Jahr 2006 fanden in Amerika etwa 1400 Reinheitsbälle statt, sagt Unruh. Für 2007 wird eine Verdoppelung der Zahl erwartet. Mittlerweile gibt es sogar Wartelisten für die Veranstaltungen, erzählt Wilson. Außerdem hätten Christen aus Großbritannien, Neuseeland und anderen Ländern ihr Interesse angemeldet.
Auch die Regierung von Präsident George W. Bush setzt auf Werbung für Abstinenz in Schulen und verdoppelte den Etat dafür in den vergangenen Jahren auf umgerechnet 155 Millionen Euro. Kritiker warnen jedoch, dass es nicht ausreicht, Kindern und Jugendlichen Keuschheit zu predigen. Über Geschlechtsverkehr und sichere Verhütungsmethoden müsse trotzdem aufgeklärt werden. Das scheint umso dringlicher, als viele junge Frauen sich offenbar nicht mehr an das Versprechen erinnern, dass sie im Grundschulalter in feierlicher Atmosphäre abgelegt haben. So ergab eine gemeinsame Studie der Universitäten von Columbia und Yale aus dem Jahr 2005, dass 88 Prozent ihr Keuschheitsgelübde nicht halten und vor der Ehe sexuelle Kontakte haben.
Leben nach dem Reinheitsgebot
Jennifer Pahlke (JenPahlke)
- 11.04.2007, 18:33 Uhr
Na großartig...
Michael Schultz (Offensichtlich)
- 11.04.2007, 18:55 Uhr
Was soll man sagen...?!
Christian Heiligmann (c.heiligmann)
- 11.04.2007, 18:58 Uhr
Mädchen sein
Marta Rublik (Vitruvia)
- 11.04.2007, 19:09 Uhr
Reinheitsballaballa
Marta Lohse (martalohse)
- 11.04.2007, 22:10 Uhr