24.10.2006 · In den Vereinigten Staaten dürfen Jungen und Mädchen künftig in getrennten Klassen unterrichtet werden, wenn dadurch besondere Lernziele erreicht werden können. Die Vorteile dieser Praxis sind umstritten. Der Anfang vom Ende der Koedukation?
Amerikanische Jungen und Mädchen dürfen künftig in getrennten Klassen unterrichtet werden, wenn die Geschlechtertrennung dazu dient, besondere Lernziele zu erreichen oder das Bildungsangebot vielseitiger zu gestalten. Diese Neuregelung, die am 24. November in Kraft treten wird, hat das amerikanische Bildungsministerium beschlossen, um Schulen mehr Flexibilität bei der Erfüllung ihres Bildungsauftrags zu geben. Die Regierung Bush gibt Schulen, die auf staatliche Finanzmittel angewiesen sind, damit deutlich erweiterte Möglichkeiten, Jungen und Mädchen getrennt zu unterrichten. Trotz der bislang relativ begrenzten Möglichkeiten, Mädchen- und Jungenklassen zu schaffen, ist das Angebot aber gestiegen. Nach Angaben der Vereinigung „National Association for Single Sex Public Education“, die für getrennten Unterricht wirbt, gibt es in den Vereinigten Staaten 241 staatliche Schulen, die getrennten Unterricht ermöglichen. Im Jahr 1995 seien es nur drei gewesen.
In dem Bestreben, gleiche Bildungschancen zu sichern, hatte der Kongreß in den siebziger Jahren ein Verbot der Geschlechterdiskriminierung in Bildungseinrichtungen verabschiedet, das Koedukation zur Regel machte und die getrennte Unterrichtung nur unter engen Voraussetzungen zuließ. Als Grund für getrennte Klassen wurde das Bestreben anerkannt, Diskriminierungen auszugleichen, denen Mädchen in der Vergangenheit ausgesetzt waren. Außerdem dürfen Jungen und Mädchen nach den bisherigen Regeln im Sportunterricht sowie im Sexualkundeunterricht getrennt werden. Nach Überzeugung des Bildungsministeriums sollen Schulen nun Ausnahmen vom Koedukationsprinzip machen können, da die Forschung erkannt habe, daß reine Jungen- oder reine Mädchenklassen für manche Schüler von Nutzen seien. Künftig kann die Schulleitung zum Beispiel eine Mathematikklasse nur für Mädchen einrichten.
Studien weisen erhebliche Mängel auf
Der Besuch einer solchen Mädchenklasse darf freilich nicht erzwungen werden. Auch muß die Schulleitung als Alternative eine im wesentlichen gleichwertige gemischte Klasse anbieten und prüfen, ob durch die Einführung getrennter Klassen womöglich gegen das Diskriminierungsverbot verstoßen wird. Doch wird nicht in jedem Fall verlangt, daß für jede Mädchenklasse auch eine Jungenklasse eingerichtet wird. Nach den neuen Regeln gelten auch erleichterte Voraussetzungen für die Schaffung reiner Mädchen- oder Jungenschulen. Die Schulbezirke müssen aber sicherstellen, daß gemischte Schulen vorhanden sind, die dem ausgeschlossenen Geschlecht gleichwertige Bildungschancen bieten.
Das Bildungsministerium hatte vor Verabschiedung der Neuregelung zahlreiche Studien zum getrennten Unterricht ausgewertet. In dem Bericht dazu heißt es, es spreche viel für die Annahme, daß getrennte Klassen nützlich sein könnten, was schulische Leistungen und akademische Ziele angehe. Dagegen gebe es nur begrenzte wissenschaftliche Unterstützung für die Überzeugung, daß getrennter Unterricht schädlich sei und Koedukation den Schülern mehr Vorteile bringe. Das Bildungsministerium macht aber auch darauf aufmerksam, daß zahlreiche Studien, auf die sich Gegner und Befürworter getrennten Unterrichts stützen, erhebliche Mängel aufwiesen.
So fand das Ministerium keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Behauptung der Vereinigung „National Association for Single Sex Public Education“, daß getrennter Unterricht von Mädchen und Jungen helfe, Teenagerschwangerschaften zu verhindern. Zahlreiche Bürgerrechts- und Frauenorganisationen hatten sich gegen die Pläne der Regierung gewandt. Die Kritiker befürchten unter anderem, daß damit ein Zweiklassensystem mit ungenügenden Ressourcen für Mädchenschulen und Mädchenklassen geschaffen wird.
Getrennter Unterricht und mehr
Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)
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Unsinn
Julius Franzot (JFranzot)
- 25.10.2006, 15:50 Uhr
aus eigener Erfahrung...
Martin Meiringer (MMeiringer)
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