Home
http://www.faz.net/-gum-753vm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Vereinigte Staaten Emilies Vater rührt eine Nation

In Newtown ringen die Menschen nach dem Amoklauf mit 27 Toten um Fassung - oder wachsen in ihrer schwersten Stunde über sich hinaus. Robbie Parker spricht in bewegenden Worten über seine ermordete sechsjährige Tochter und lässt sie zum Sinnbild der Tragödie werden.

© dapd Vergrößern Emilie Parker, getötet am 14. Dezember 2012 in ihrer Grundschule in Newtown, Connecticut

Josephine war schon ein großes Mädchen. Am Dienstag war sie sieben Jahre alt geworden und damit älter als die meisten in ihrer Klasse. Drei Tage später war Josephine tot. Sie wurde wie so viele ihrer Klassenkameraden durch die Schüsse eines Mannes getötet, dessen Tat auch Tage später unerklärlich ist. Zurück bleiben eine Kleinstadt, die nach Antworten sucht und so viele Familien, deren Verlust unbeschreiblich ist.

Mit Josephine starben 19 Kinder. Sie hießen Charlotte, Daniel und Olivia, Ana, Dylan und Madeleine, Catherine, Chase und Jesse, Grace, James und Jack, Emilie, Caroline und Jessica, Avielle, Benjamin und Allison. Der jüngste von ihnen, der kleine Noah, feierte vor drei Wochen seinen sechsten Geburtstag.

Mehr zum Thema

Sinnbild der Tragödie: die sechsjährige Emilie

Zum Sinnbild der Tragödie wurde Emilie. Das Bild des kleinen lächelnden Mädchens mit den blonden Haaren und den strahlend blauen Augen kennt in den Vereinigten Staaten inzwischen fast jeder. Ihr Vater Robbie Parker wandte sich an die Öffentlichkeit, obwohl er von Trauer überwältigt kaum sprechen konnte. „Sie war die Art von Mensch, der in einem Raum die Sonne aufgehen ließ“, sagte der junge Mann mit von Trauer gezeichnetem Gesicht. „Sie ist ein unglaublicher Mensch, und ich bin gesegnet, dass ich ihr Vater sein darf.“

„Es ist eine schreckliche Tragödie, und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen“, so Parker. Die großherzige Geste hätte seine Tochter so gewollt. „Meine Tochter Emilie wäre eine der ersten, die all diesen Opfern ihre Liebe und Unterstützung geben würde.“ Aber Emilie wurde nur sechs Jahre alt.

In einem Vorort der besseren Sorte

Der Täter hatte mit zwei Pistolen und einem Sturmgewehr geschossen. Der Nachbau der Standardwaffe der US-Streitkräfte kostet im Laden etwa 700 Dollar, gekauft hatte ihn die Mutter, genauso wie die beiden Pistolen. Die Frau wurde das erste Opfer ihres Sohnes.

Das Haus, in dem die beiden bis zum Freitag lebten, ist von der Polizei weiträumig abgesperrt. Es ist ein einfaches, aber großes Haus in einer sehr gepflegten Nachbarschaft. Die weißen Holzzäune sehen aus wie aus dem Playmobil-Kasten, die Vorgärten sind tadellos. Straßenlaternen gibt es hier ebenso wenig wie Ampeln, dafür ist einfach zu wenig los. Es ist eben eine Vorstadt - von der besseren Sorte.

„Umarme einen Lehrer“

Die Flaggen vorn an der Straße wehen alle auf halbmast. Eine Stadt trauert: kaum eine Ecke, an der nicht ein paar Blumen und Teddybären liegen oder Kerzen brennen. Gleich mehrere Mahnwachen und Messen sollte es am Abend geben, bei denen gerade auch der Lehrer gedacht werden sollte. Denn die reagierten nach ersten Erkenntnissen mit bewundernswertem Mut.

Direktorin Dawn Hochsprung - Mutter von zwei eigenen und drei Adoptivkindern - versuchte, den Amokläufer zu überwältigen und zahlte mit dem Leben, so wie vier weitere Lehrkräfte und die Schulpsychologin. Die gerade 27 Jahre alte Lehrerin Victoria Soto stellte sich vor die Kleinen - und starb. Andere versteckten sich mit ihren Schülern in der Toilette und versuchten trotz eigener Todesangst, die wimmernden Kinder zu beruhigen.

„Umarme einen Lehrer“, steht auf einem Plakat im Ort. Auf anderen Transparenten ist zu lesen „Gott schütze Euch“ oder „Wir beten für Euch“. Eines hängt direkt an der Hauptstraße. Es sagt ganz schlicht: „Umarmt heute einfach Eure Lieben!“

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Germanwings-Trauerfeier Falsche Cousine erschleicht sich Gratis-Flug

Germanwings hat Angehörigen Gratisflüge zur Trauerfeier angeboten. Eine Frau gab sich als Cousine eines der Opfer aus und flog umsonst nach Frankreich. Jetzt ermittelt die Polizei. Mehr

09.04.2015, 14:40 Uhr | Gesellschaft
Haltern und Llinars del Valles Nach Absturz in Trauer vereint

Beim Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen sind auch 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus Haltern ums Leben gekommen. Sie waren auf dem Rückweg vom Schüleraustausch in Spanien. Die westfälische Gemeinde und Llinars del Valles sind in Trauer vereint. Mehr

27.03.2015, 14:20 Uhr | Gesellschaft
Winnenden Lehrerin erstreitet mehr Ruhegehalt nach Amoklauf

Eine Lehrerin, die bei dem Amoklauf von Winnenden einen schweren Schock erlitt, hat vor Gericht ein höheres Ruhegehalt erstritten. Das Landesamt für Besoldung hatte ihr das zuvor abgesprochen, weil kein qualifizierter Dienstunfall vorgelegen habe. Mehr Von Rüdiger Soldt, Stuttgart

14.04.2015, 18:32 Uhr | Gesellschaft
Flugzeugabsturz Trauer um Schüler und Lehrerinnen aus Haltern in NRW

Der Bürgermeister der nordrhein-westfälischen Stadt Haltern am See, Bodo Klimpel, bestätigte, dass 16 Schülerinnen und Schüler eines Spanischkurses des 10. Jahrgangs sowie zwei Lehrerinnen des Gymnasiums im Flugzeug saßen. Der mit den Tränen ringende Bürgermeister sprach vom schwärzesten Tag in der Geschichte der Stadt. Mehr

27.03.2015, 14:21 Uhr | Gesellschaft
Frankreich Onkel von Josephine wird freigelassen

Die vermisste Josephine, die in Südfrankreich aufgegriffen worden war, ist nach Brandenburg zurückgekehrt. Ihren 47 Jahre alten Onkel, der eine Affäre mit der 14-Jährigen haben soll, wollen die Behörden auf freien Fuß setzen. Mehr

09.04.2015, 20:37 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.12.2012, 14:41 Uhr

Maren Kroymann Die Stimme reift im Alter

Maren Kroymann kommt tiefer und höher mit „noch mehr Power“, Sacha Baron Cohen bekommt Nachwuchs und Helge Schneider wurde früher wegen seiner Haarfarbe ausgegrenzt – der Smalltalk. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden