Die Kölner Polizei hat im Zusammenhang mit den drei Mordfällen von Overath am Donnerstag einen Rückschlag hinnehmen müssen. Ein 38 Jahre alter Tatverdächtiger, der am Donnerstag vernommen worden war, mußte am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Der Tatverdacht gegen ihnen konnte nicht erhärtet werden, sagte ein Polizeisprecher. Der Mann war von Sondereinsatzkräften am späten Mittwoch abend in seiner Overather Wohnung festgenommen worden. Bei ihm sollte es sich um jenen Mann handeln, der am Dienstag das Geschäftshaus verlassen hat, in dem kurz zuvor ein Ehepaar und seine Tochter niedergestreckt worden waren.
Ein Hinweis aus der Bevölkerung führte die Polizei zu ihm. Nun sucht die Polizei weiter nach einem Mann mit auffallend schiefen Vorderzähnen, der von einer Zeugin beim Verlassen des Kanzleigebäudes beobachtet wurde. Rund 15 konkrete Hinweise auf Tatverdächtige liegen vor. Darunter sei auch der Hinweis einer Mandantin des ermordeten Anwalts, die ihren in Scheidung lebenden Mann für den Täter hält. Die Beschreibung passe auf ihren Mann, der psychisch erkrankt sein soll.
Nur übliche Rechtsfälle bearbeitet
Unterdessen wurde am Donnerstag weiter an der Identifizierung der drei Toten, des Rechtsanwalts, seiner Frau und deren ältester Tochter, gearbeitet. Die schwierige Identifizierung deutet darauf hin, daß die Personen, die vermutlich aus nächster Nähe erschossen wurden, schlimm zugerichtet sind. Gewißheit soll nun die Auswertung von DNS-Material geben.
Am Tatort dauerte die Arbeit von Spurensicherung und Kriminaltechnik an. Die Ermittler sprechen von einer "unübersichtlichen Spurenlage". So muß noch geklärt werden, wie sich der Täter Zugang zu den Kanzleiräumen verschafft hat. Bislang konnte auch die Tatwaffe noch nicht gefunden werden. Eine abermalige Durchsuchung des Tatortumfelds brachte am Donnerstag keine neuen Erkenntnisse.
Berufskollegen sagen, daß sich der Anwalt mit den üblichen Rechtsfällen befaßt hat, die in einer Kleinstadt anfallen - was wohl kaum eine derartige Brutalität begründet. Die beiden jüngeren Töchter, 13 und 15 Jahre alt, stehen unter Schock und werden von Freunden und Verwandten der Familie betreut.