23.02.2003 · Der 30 Jahre alte Türke hat den heimtückischen Mord an seiner Ehefrau und zwei weiteren Putzfrauen in Telgte von langer Hand mit zwei Komplizen geplant.
„Es tut mir leid.“ Die vier an Sarkasmus kaum zu überbietenden Worte waren die letzten, die drei 30, 34 und 39 Jahre alten Putzfrauen eines Fitness-Studios in der Nacht zum 29. Januar aus dem Mund ihres Mörders vernahmen. Dann drückte der Killer drei Mal ab. Kaltblütig, ohne jeden Skrupel, „von rechts nach links“, wie er den fassungslosen Vernehmungsbeamten nach seiner Festnahme in der Nacht zum Sonntag erklärte. Nach dem Verbrechen auf dem Parkplatz des Studios in Telgte ging der 21-jährige Türke zu Fuß nach Hause.
Tags darauf traf er den Auftraggeber und Drahtzieher, den 30 Jahre alten Ehemann des jüngsten Opfers. „Gut, das wars“, sagte dieser. „Es ist erledigt.“ Für die Polizei ist mit den Geständnissen des Killers, seines Auftraggebers und eines 24 Jahre alten Komplizen ein Verbrechen aufgeklärt, das die ganze Region um den kleinen Wallfahrtsort Telgte im Münsterland wochenlang in Angst versetzt hatte.
Miteinander von Türken und Deutschen gefährdet
„Große Ungewissheit und Unsicherheit ist von den Bürgern genommen“, sagte am Sonntag der Bürgermeister der 20.000-Einwohner-Stadt, Ulrich Roeingh. Dennoch sind die Sorgenfalten von seiner Stirn noch nicht gewichen. Alle drei Täter waren Türken, eine Muslimin das eigentliche Ziel des Mordes. „Ich habe große Angst, dass das friedliche Nebeneinander von Deutschen und den 350 Türken in Telgte in Vorbehalte gegenüber Ausländern kippt“, sagte er. Das Verbrechen stehe in keinerlei Zusammenhang zur Herkunft der Täter.
Münsters Polizeipräsident Hubert Wimber und der Leitende Staatsanwalt, Joachim Wagner, bezeichneten die Skrupellosigkeit des Dreifachmordes als „unfassbar“. Von Anfang hatte das mörderische Trio geplant, alle drei Frauen umzubringen, obwohl alleine die 30 Jahre alte Türkin das eigentliche Ziel war. Falsche Spuren sollten gelegt, Zeugen beseitigt werden. Der 30-jährige hatte zusammen mit seinem 24-jährigen Komplizen vor, in kriminelle Geschäfte einzusteigen. „Prostitution, Autoschieberei - alles womit man Geld machen kann“, sagte Polizeisprecher Alfons Probst.
Motiv: Kriminelle Machenschaften
Dabei war die solide, eng im muslimisch geprägten Familiengeflecht verwurzelte Ehefrau im Wege. Außerdem hatte der Mann seit längerer Zeit eine Liebesziehung zu einer 22-jährigen Polin unterhalten, für die er in Telgte unter falschem Namen eine Wohnung angemietet hatte. „Das Motiv steht in keiner Relation zur Schwere der Tat“, fasste Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer den Eindruck der Ermittler zusammen.
Von Anfang an hatte die Mordkommission beim Polizeipräsidium Münster dem 30-jährigen Auftraggeber seine Rolle als trauernder Familienvater nicht abgenommen. Nach dem Verbrechen spielte er nach Überzeugung der Ermittler den Fassungslosen, um die Polizei von seiner Spur abzubringen. Dennoch blieben die Fahnder ruhig, als er nur drei Tage nach der Tat zur Beerdigung seiner Frau in die Türkei reiste. Er muss sich sicher gefühlt haben, denn kaum zwei Wochen später war er wieder in Telgte zurück. In der Zwischenzeit hatte sich sein 24-jähriger Komplize bereits in Widersprüche verstrickt und die Polizei so auf die Spur des Ehemannes geführt.
Die Frauen brachten Fahnder auf die Spur
„Wir wussten von Anfang an, dass das Motiv bei einer der drei Frauen zu suchen sein musste“, sagt der Chef der Mordkommission, Werner Brökers. Die Familie der Türkin - Mutter einer dreijährigen Tochter und im zweiten Monat von ihrem Ehemann schwanger - kam am ehesten in Frage. Das spätere Opfer sprach kaum deutsch, ging nur in Begleitung von Verwandten aus dem Haus. Wollte man die 30-Jährige erschießen, war das nur am Arbeitsplatz möglich, folgerten Brökers und seine 35 Kollegen von der Mordkommission.
Der 30- Jährige hat nach eigenem Geständnis die Pistole beschafft, von ihm kam auch der Plan. Für die eigentliche Tat hat das Duo den 21-jährigen Landsmann engagiert. „Es war ein Freundschaftsdienst“, gab dieser lapidar zu Protokoll, nachdem ihn Beamte eines Spezialeinsatzkommandos in seiner elterlichen Wohnung überwältigt hatten.