Home
http://www.faz.net/-gum-78257
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Vatikan Papst Franziskus feiert erstes Osterfest

In seiner Osterbotschaft hat der neue Papst Frieden für die ganze Welt und einen neuen Geist der Versöhnung verlangt. Franziskus feierte mit Hunderttausenden Gläubigen auf dem Petersplatz die Ostermesse und spendet den Segen „Urbi et Orbi“.

© AFP Vergrößern Eine riesige Menschenmenge hat sich auf dem Petersplatz versammelt, um die traditionelle Papst-Segnung „Urbi et Orbi“ zu erhalten

Papst Franziskus hat an Ostern zu mehr Frieden aufgerufen. Er rückte dabei die Konflikte und Krisen im Nahen Osten, in Afrika und auf der koreanischen Halbinsel in den Mittelpunkt. In seiner Osterbotschaft vor 250.000 Menschen mahnte er Israelis und Palästinenser zur Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen. Zugleich forderte er ein Ende der Gewalt im Irak und in Syrien. Franziskus verurteilte Egoismus und Profitgier sowie den Menschhandel; dieser sei die am weitesten verbreitete Form von Sklaverei im 21. Jahrhundert.

Mit seiner Auferstehung sei Jesus nicht in sein früheres irdisches Leben zurückgekehrt, betonte der Papst. Er sei vielmehr „eingetreten in das Leben der Herrlichkeit Gottes“. Damit habe er der Menschheit eine Zukunft der Hoffnung aufgetan. Jesu Auferstehung bedeute, dass die Liebe Gottes stärker sei als das Böse und als der Tod.

Die Kraft der Auferstehung müsse sich in jeder Zeit und im konkreten täglichen Leben verwirklichen, führte der Papst aus. „Wie viele Wüsten muss der Mensch auch heute durchqueren. Vor allem die Wüste in ihm selbst, wenn das Bewusstsein fehlt, Hüter all dessen zu sein, was der Schöpfer uns geschenkt hat und schenkt.“ Die Barmherzigkeit Gottes könne auch das trockenste Land erblühen lassen, so der Papst.

Anders als seine Vorgänger sprach Franziskus bei seinem ersten Osterfest im Vatikan keine Festtagswünsche in verschiedenen Sprachen. Vor dem Segen „Urbi et orbi“ wünschte er allen Anwesenden nochmals auf Italienisch gesegnete Ostern.

papst küsst kind © AP Vergrößern Papst Franziskus küsst ein Baby. Der Menge und sogar den sonst ernsten Personenschützern gefällt das.

Zuvor hatte Papst Franziskus mit tausenden Gläubigen im Petersdom die festliche Liturgie der Osternacht gefeiert. Die stimmungsvolle Zeremonie begann damit, dass das Osterlicht in einer Prozession in den zuvor abgedunkelten Dom gebracht wird und diesen erhellte. Für Jorge Mario Bergoglio war diese Feier zur Auferstehung Christi wie auch alle anderen Messen der Ostertage eine Premiere als Oberhaupt der katholischen Kirche. Im Zuge der Osterwache taufte er vier Erwachsene, aus Italien, den Vereinigten Staaten, Albanien und Russland.

In seiner Predigt forderte Franziskus die Gläubigen in dieser „lichtvollen Osternacht“ auf, die Neuheit anzunehmen, die die Auferstehung Jesu bedeute, und sich im Leben dem Neuen nicht zu verschließen. „Wir sind wie die Apostel aus dem Evangelium: Oft ziehen wir es vor, unsere Sicherheiten beizubehalten“, sagte der Papst. „Wir haben Angst vor den Überraschungen Gottes. Er überrascht uns immer!“ Auch der müde, enttäuschte oder traurige Mensch dürfe aber nie aufgeben, Gotte könne jede Situation ändern.

Die Neuheit Gottes zeige sich im Sieg über die Sünde, das Böse und den Tod, fuhr Franziskus fort. „Die Sorgen des Alltags können uns leicht dazu bringen, uns in uns selbst, in der Traurigkeit, in der Bitterkeit zu verschließen“, räumte er ein. Doch darin liege der Tod. Gott sei aber auferstanden, um das Herz für die Hoffnung auf die Zukunft zu öffnen, um Frieden und Kraft für das Leben zu geben.

Papst spricht © AFP Vergrößern Man wüsste gerne, was der Papst hier so munter den Gläubigen zuruft

Vor der Feier hatte er sich in einer Video-Botschaft zu dem sogenannten Turiner Grabtuch Jesu geäußert, dessen Echtheit umstritten ist. „Mit euch trete auch ich vor das Grabtuch hin“, sagte Franziskus einem italienischen TV-Programm, das das Exponat am Samstag ausstellte. Das entstellte Gesicht auf dem Tuch gleiche „den vielen Gesichtern von Männern und Frauen, verletzt von einem Leben, das ihre Würde missachtet, von Kriegen und Gewalt, welche die Schwächsten trifft.“

Das Turiner Grabtuch, in das nach katholischer Auffassung die Leiche des gekreuzigten Jesus Christus eingewickelt worden war, war am Samstag eine halbe Stunde lang auf dem italienischen Sender Rai Uno zu sehen. Auch im Internet wurde das Tuch per Livestream  gezeigt. Es war erst das zweite Mal, dass das berühmte Grabtuch  live im Fernsehen gezeigt wurde. Die erste Präsentation hatte im November 1973 für Aufsehen gesorgt. Als die Reliquie 2010 in der Kathedrale von Turin ausgestellt wurde, lockte sie zwei Millionen  Besucher an.

Der Papst hatte am Karfreitag eine Liturgie in Gedenken an die Passion Christi begleitet und den traditionellen Kreuzweg mit den 14 Stationen des Leidens und Sterbens Jesu am Kolosseum verfolgt. Dabei spielten Probleme des Nahen Ostens und der Christen in der Region eine besondere Rolle.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Abschluss der Familiensynode Alle Fragen offen

Der Abschlussbericht der Familiensynode im Vatikan entzieht sich einer klaren Haltung in strittigen Fragen: Die Stellung der Kirche gegenüber homosexuellen Partnerschaften und wiederverheirateten Geschiedenen bleibt offen. Mehr Von Jörg Bremer, Rom

19.10.2014, 22:10 Uhr | Politik
Papst Franziskus ruft zu Frieden in Nahost auf

Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hat Palästinenserpräsident Abbas und Israels Staatschef Schimon Peres in den Vatikan eingeladen. Mehr

25.05.2014, 21:08 Uhr | Politik
Familiensynode im Vatikan Zwei Schritte nach vorne und einen zurück

Die Bischofssynode im Vatikan über die künftige Familienseelsorge geht am Sonntag zu Ende. Es gab Streit. Aber auch Fortschritte. Mehr Von Jörg Bremer, Rom

19.10.2014, 08:51 Uhr | Politik
Bischofssynode im Vatikan Noch keine neue Haltung gegenüber Homosexuellen

Papst Franziskus hat seinen 1978 gestorbenen Vorgänger Papst Paul VI. seliggesprochen. Mit der feierlichen Zeremonie auf dem Petersplatz ging die katholische Bischofssynode im Vatikan zu Ende. Zwei Wochen lang hatten 200 Bischöfe zum Thema Familie getagt. Mehr

20.10.2014, 09:33 Uhr | Politik
Familiensynode im Vatikan Doch keine Revolution

Keine gemeinsame Linie beim Umgang mit Homosexuellen, keine Einigung bei der Kommunion für Geschiedene: Am Ende der zweiwöchigen Beratungen bei der Familiensynode bleiben heikle Themen strittig. Die von vielen erwartete Öffnung bleibt aus. Mehr

18.10.2014, 22:18 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.03.2013, 14:04 Uhr

Andy Borg Wider den Jugendwahn

Andy Borg kämpft um seinen „Musikantenstadl“, Robbie Williams verbreitet den Namen seines Sohnes über Twitter und Julia Roberts führt ihre straffen Züge auf Yoga zurück – der Smalltalk. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden