30.07.2004 · In einer neuen Stellungnahme hat sich der Vatikan zur Frauenfrage geäußert: "Mann und Frau sind von Beginn der Schöpfung an unterschieden und bleiben es in alle Ewigkeit." Das weibliche Priesteramt wird ausgeschlossen.
Die vatikanische Führung hat der Frauenfrage eine neue analytische Stellungnahme gewidmet. Ein Schreiben der "Kongregation für die Glaubenslehre", verfaßt und unterzeichnet von dem deutschen Leiter, Kardinal Ratzinger, und ausdrücklich gebilligt von Papst Johannes Paul II., dessen genauer Wortlaut erst an diesem Samstagmittag zur Veröffentlichung freigegeben wird, wendet sich an alle Bischöfe der katholischen Kirche, versteht sich jedoch selbst als wesentlichen Beitrag zur Diskussion "über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt". Darin wird unter anderem die Unmöglichkeit des Priestertums für Frauen in der römisch-katholischen Kirche wiederholt.
Kardinal Ratzinger schreibt, daß die Kirche von modernen Denkströmungen über Würde, Rechte und Pflichten der Frau "herausgefordert" werde, die mit ihren eigenen Zielen zur Förderung der Frau oft nicht übereinstimmen. Überall werde in der Gesellschaft auf die faktische Unterordnung der Frau aufmerksam gemacht, um Protest hervorzurufen und Änderung erreichen zu können; auf die Mißbräuche männlicher Macht werde mit Machtstreben reagiert, einer Strategie der Rivalität der Geschlechter. Um die Überlegenheit des einen oder anderen Geschlechts zu vermeiden, würden Unterschiede beseitigt.
Unterschiedlich bis in alle Ewigkeit
Die Befreiung von der biologischen Gegebenheit werde dadurch gesucht, daß die geschlechtliche Bestimmung als beliebig dargestellt werde, beeinflußbar durch soziale, kulturelle oder medizinische Faktoren. Dadurch werde, so das Dokument, nicht die Gleichberechtigung der Frau gefördert, sondern eine Ideologie, welche die Familie infragestelle, "zu der naturgemäß Eltern, als Vater und Mutter gehören". Heterosexualität und Homosexualität würden gleichgesetzt und ein neues Modell polymorpher Sexualität begünstigt.
Dagegen legt das Schreiben die "Grundaussagen der biblischen Anthropologie" dar, sowohl in der jüdischen Tradition als auch in der christlichen. Diese Darlegungen nehmen zwei Drittel des gesamten Textes von rund 40 Seiten ein. Sie münden in der Feststellung: "Mann und Frau sind von Beginn der Schöpfung an unterschieden und bleiben es in alle Ewigkeit."
Mehr Frauenrechte als in jeder anderen Weltreligion
Die theologischen Deutungen sind von dem Stolz getragen, daß keine andere Weltreligion der Frau so viel Rechte zuerkannt hat wie die jüdisch-christliche Kultur. Daraus wird die Forderung "gegen jegliche ungerechte geschlechtliche Diskriminierung" abgeleitet, aber auch zur Gegenseitigkeit von Mann und Frau. "Jede Perspektive, die sich als Kampf der Geschlechter ausgeben möchte, ist nur Illusion und Gefahr."
Für die Kirche wird die traditionelle Vorgabe, von Johannes Paul II. und seinen Vorgängern bekräftigt, "daß die Priesterweihe ausschließlich Männern vorbehalten ist". Dies sei keine Diskriminierung, so Kardinal Ratzinger, sondern der Hinweis auf die religiöse Aufgabe der Frau in der Kirche, nämlich, in der Nachfolge der Mutter Jesu Christi "Modell der Weiblichkeit" zu sein.