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Unter Spannung Die Erdkruste reißt an den Platten weiter ein

01.10.2009 ·  Wenn es vor Sumatra bebt, geht das zurück auf die große Tsunami-Katastrophe von Weihnachten 2004. Vereinfacht lässt sich die Lage im Indischen Ozean mit einem Sprung in der Windschutzscheibe eines Autos vergleichen.

Von Horst Rademacher
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Fast fünf Jahre nach der Erdbebenkatastrophe mit 230.000 Todesopfern im Indischen Ozean ist die Erde vor Indonesien noch immer nicht zur Ruhe gekommen. Die Beben, die am Mittwoch und Donnerstag in der Stadt Padang auf Sumatra abermals viele Menschenleben forderten und in großen Teilen des malayisch-indonesischen Archipels zu spüren waren, sind eine direkte Folge des gewaltigen Bebens vom zweiten Weihnachtstag 2004. Es hatte die Magnitude 9,2 und verursachte den schlimmsten Tsunami seit Jahrzehnten.

Das Beben veränderte damals aber auch die tektonische Spannung unter dem gesamten nordöstlichen Indischen Ozean und seinen Anrainerstaaten. Es nahm vor der nordwestlich vor Padang gelegenen kleinen Insel Simeulue seinen Ausgang und ließ innerhalb weniger Minuten die Erdkruste auf einer Länge von gut 1200 Kilometern brechen. In der unmittelbaren Umgebung dieses sich nach Norden erstreckenden Riesenbruchs führte die plötzliche Entladung der in der Erdkruste steckenden Energie zu neuen mechanischen Spannungen.

Scheibe unter mechanischer Spannung

Vereinfacht lässt sich die Lage mit einem Sprung in der Windschutzscheibe eines Autos vergleichen. Wegen ihrer runden Form steht die Scheibe unter mechanischer Spannung, die durch den Wechsel von Sonne und Kälte sowie durch den vom Fahrtwind verursachten Druck noch verstärkt wird. Trifft während der Fahrt ein Stein auf die Scheibe, kann es zu einem Bruch kommen, der dann immer länger wird. Die zum Teil recht starken Erdbeben, die sich in den vergangenen fünf Jahren vor Sumatra ereignet haben, sind mit dem Wachsen des Bruchs in der Scheibe zu vergleichen. Der Unterschied zum Autofenster ist jedoch, dass sich die Brüche in der Erdkruste nicht willkürlich ausdehnen, sondern den Grenzen jener tektonischen Platten folgen, deren Bewegungen die mechanischen Spannungen in der Erdkruste überhaupt erst verursachen.

So lag am Mittwoch der Herd des Bebens im Ozeanboden etwa 45 Kilometer nordwestlich Padangs. Dass es nicht zu einem Tsunami führte, hat mehrere Gründe. Unter anderem lag der Herd in 80 Kilometer Tiefe, so dass die Bewegung der Erdschollen nicht zum Bruch und damit zur ruckartigen Bewegung des Meeresbodens führte. Außerdem war es mit einer Magnitude von 7,6 wohl nicht stark genug, den Meeresboden so zu erschüttern, dass eine Riesenwelle entstand.

Kein geologischer Zusammenhang zwischen beiden Beben

Anders war es dagegen knapp 17 Stunden früher im Südpazifik. Der Herd des Erdbebens im Dreieck der Inselgruppen Samoa, Tonga und Fidschi lag mit 18 Kilometern wesentlich flacher. Außerdem war es mit einer Magnitude von 8,3 mehr als fünfmal so stark wie das Beben vor Padang. Es besteht kein geologischer Zusammenhang zwischen diesen beiden Beben. Die seismischen Wellen des Samoa-Bebens haben den Boden vor Indonesien nur um Mikrometer bewegt, zu wenig, um ein Beben auszulösen.

Wegen ihrer Lage unmittelbar an der Küste und ihrer flachen Topographie galt die Stadt Padang als besonders von Tsunamis gefährdet. Obwohl sie nicht von einer Riesenwelle heimgesucht wurde, waren die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur außergewöhnlich groß. Das liegt daran, dass große Teile Padangs an einer Bucht liegen und dort vielfach auf unverfestigten Sedimenten gebaut wurden. Wird ein solcher Baugrund von den Wellen eines Erdbebens erschüttert, beginnt er wie ein Pudding zu wackeln. Die meisten Gebäude können dieser Art von Erschütterung nicht standhalten.

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Jahrgang 1954, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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