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Unicef-Bericht : Mehr als eine Million Kinder in Deutschland in Armut

  • Aktualisiert am

Unter der Armutsgrenze: Die Kinder alleinerziehender Eltern sind deutlich häufiger betroffen. Bild: dpa

Auch in Staaten wie Deutschland, wo weitgehend Wohlstand herrscht, fallen viele Heranwachsende durchs Raster. Wer als Kind dauerhaft in Armut lebt, ist später deutlich unzufriedener.

          In Deutschland leben einer Studie zufolge rund 1,1 Millionen Kinder und Jugendliche viele Jahre lang in Armut. Rund 8,6 Prozent aller Heranwachsenden haben demnach „langjährige Armutserfahrungen“ gemacht, heißt es in der am Donnerstag in Berlin vorgestellten Untersuchung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF zur Lage der Kinder in Deutschland 2013. Dafür wurden im Auftrag des Kinderhilfswerkes die Lebensverhältnisse von Betroffenen zwischen 2000 und 2010 untersucht.

          Der Vorsitzende von UNICEF Deutschland, Jürgen Heraeus, betonte, dass die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland im internationalen Vergleich zwar gut sei. Im Vergleich der OECD-Staaten liege Deutschland bei der Kinderarmut unter 29 Ländern im Mittelfeld auf Platz 11. „Durchschnittswerte bergen aber die Gefahr, dass gravierende Probleme nicht gesehen werden“, sagte Heraeus.

          „Die Kinder haben es schwer, Selbstvertrauen zu entwickeln“

          Bei Heranwachsenden, die hierzulande von Armut betroffen sind, sei es besonders problematisch, wenn diese Situation lange anhält. „Diese Kinder haben es schwer, Selbstvertrauen zu entwickeln. Ihre Eltern haben oft resigniert“, betonte Heraeus weiter. Die Kinder zögen sich dann zurück etwa in starken Medienkonsum.

          Dem UNICEF-Bericht mit dem Titel „Reiche, kluge, glückliche Kinder?“ zufolge leben 6,9 Prozent der Heranwachsenden in Deutschland zwischen sieben und elf Jahre lang in einem Haushalt, der mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens auskommen muss. Rund 1,7 Prozent aller Kinder und Jugendlichen wuchsen sogar zwölf bis 17 Jahre unter diesen schwierigen Bedingungen auf.

          Je länger und je öfter Kinder Phasen von relativer Armut durchleben, desto negativer sind die Folgen nicht nur für die materielle Situation. Wer als Kind dauerhaft unterhalb der Armutsgrenze leben muss, ist als Erwachsener deutlich unzufriedenerer mit seinem Leben, heißt es in dem Bericht weiter. Gelernte Hoffnungslosigkeit mache es schwer, Herausforderungen im weiteren Leben zu meistern.

          Vor allem Kinder Alleinerziehender betroffen

          Zu den benachteiligten Kindern zählen UNICEF zufolge häufig vor allem Kinder von alleinerziehenden Eltern. Um oberhalb der Armutsgrenze zu liegen, müsse etwa ein alleinerziehendes Elternteil eines Kindes - je nach Bundesland - ein Haushaltseinkommen von mindestens 1.100 bis 1.300 Euro zur Verfügung haben.

          Der Sozialwissenschaftler Hans Bertram von der Berliner Humboldt-Universität betonte als Autor der Studie: „Die Gesellschaft wandelt sich. Heute gibt es mehr Alleinerziehende“. Die Politik sowie auch die Kirchen sollten sich dieser Herausforderung stärker stellen, fügte Heraeus hinzu.

          Von langjährigen Armutserfahrungen betroffen seien aber auch oft Kinder von arbeitslosen Eltern sowie Kinder mit Gewalterfahrungen, hieß es weiter. Von der neuen Bundesregierung forderte das Kinderhilfswerk deshalb eine „zielgenaue und frühzeitige“ Förderung dieser Kinder. Zudem müssten Bund, Länder und Gemeinden alle Kräfte bündeln, um verfestigte Armutssituationen bei Kindern zu verhindern.

          Konkret müsse die Zahl der Betroffenen in den nächsten Jahren halbiert werden, forderte der Geschäftsführer von UNICEF-Deutschland, Christian Schneider. Zwar gebe es keinen Zweifel am nötigen Ausbau von Kindertagesstätten und Ganztagsschulen. Dennoch müssten „gezielt Ressourcen“ zu Kindern fließen, die besonders benachteiligt sind. Nötig seien spezielle Präventionsprogramme, fügte Bertram hinzu.

          Quelle: EPD-BAS

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