Home
http://www.faz.net/-gup-74nhs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Zugunglück von Hordorf Lokführer zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt

Zehn Menschen kamen Anfang des Jahres bei dem Zugunglück nahe Hordorf in Sachsen-Anhalt ums Leben. Der Lokführer hatte zwei Haltesignale überfahren. Jetzt ist er zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden.

© dpa Vergrößern Nach dem Zugunglück: Die Feuerwehrleute arbeiten an der Unfallstelle

Knapp zwei Jahre nach dem schweren Zugunglück von Hordorf mit zehn Toten ist der Lokführer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Das Landgericht Magdeburg befand den 41 Jahre alten Mann am Mittwoch der fahrlässigen Tötung in 10 Fällen, der fahrlässigen Körperverletzung in 22 Fällen sowie der fahrlässigen Gefährdung des Bahnverkehrs für schuldig.

Die Richter ließen keinen Zweifel daran, dass das Unglück am 29. Januar 2011 auf menschliches Versagen zurückzuführen ist. „Dieser Zusammenstoß hätte von dem Angeklagten bei ständiger Beobachtung der Strecke verhindert werden können“, sagte die Vorsitzende Richterin Claudia Methling in ihrer Urteilsbegründung.

Der Lokführer hatte mit seinem Güterzug auf eingleisiger Strecke zwei Haltesignale überfahren und damit den Zusammenstoß mit dem entgegenkommenden Personenzug ausgelöst. Nebel hatte die Sicht laut Zeugenaussagen damals stark behindert.

Mehr zum Thema

Das Gericht schloss in der Urteilsbegründung aus, dass der Mann sich in der zweiten der beiden Loks des Güterzugs aufgehalten hatte, wie nach dem Unfall vermutet worden war. Auch gebe es keine Hinweise, dass der Lokführer durch Telefonate mit einem Handy abgelenkt gewesen sei. Der Mann sei zudem ausreichend ausgebildet gewesen und habe auch nicht unter Drogeneinfluss gestanden.

Der Verteidiger des Angeklagten, Dietmar Weitzel, hatte in seinem Plädoyer neben menschlichem Versagen auch einen „desaströsen Zustand der Gleisanlagen“ für das Unglück verantwortlich gemacht. Die Deutsche Bahn habe es versäumt, die Strecke mit einem automatischen Bremssystem auszustatten, das es auf den allermeisten deutschen Bahnstrecken gibt. Inzwischen gibt es das auch in Hordorf.

Das Gericht folgte mit dem Strafmaß den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die beide eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung gefordert hatten. Der 41 Jahre alte Angeklagte hatte vor Gericht nicht auf Fragen geantwortet. Zum Prozessauftakt hatte er nur in einer schriftlichen Erklärung mitgeteilt, er wisse nicht, warum er die Signale damals nicht wahrnahm. Bei den Familien der Opfer und den Verletzten entschuldigte er sich.

Quelle: dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Steuerhinterziehung Vier Jahre Haft für Marcus Prinz von Anhalt

Der selbst ernannte Protz-Prinz Marcus von Anhalt muss ins Gefängnis. Wegen Steuerhinterziehung in Höhe von mehr als 800.000 Euro verurteilte ihn das Landgericht Augsburg zu einer Haftstrafe von vier Jahren. Mehr

16.01.2015, 23:03 Uhr | Gesellschaft
Urteil Haftstrafe für Hoeneß-Erpresser

Das Landgericht München verurteilte den Angeklagten wegen versuchter Erpressung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis. Mehr

16.12.2014, 14:29 Uhr | Wirtschaft
Mecklenburg-Vorpommern Männer wegen Nacktfotos junger Frauen verurteilt

Ein junger Mann, der pornografische Aufnahmen seiner Freundin machte und nach der Trennung im Internet verbreitete, ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Auch sein Komplize kommt nicht ungeschoren davon. Mehr

14.01.2015, 17:09 Uhr | Gesellschaft
Kremlkritiker Nawalnyj Urteil: Dreieinhalb Jahre Haft auf Bewährung

Der bekannte Kremlkritiker Alexej Nawalnyj ist zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Gericht in Moskau sprach den russischen Oppositionellen und seinen Bruder Oleg in einem umstrittenen Betrugsprozess schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Lagerhaft gefordert. Nawalnyj weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Mehr

30.12.2014, 19:12 Uhr | Politik
Nach Mord an Hrant Dink Türkische Polizei nimmt Kollegen fest

Weil sie die Ermordung des armenischstämmigen Journalisten Hrant Dink vor acht Jahren nicht verhinderten, sind zwei türkische Beamte nun festgenommen worden. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Mehr

13.01.2015, 22:04 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.11.2012, 10:33 Uhr

Miss-Wahl Paulina Vega ist Miss Universe

Die neue Miss Universe kommt aus Kolumbien, Entertainer Jay Leno wirbt für mehr Opfer-Verständnis, und Patrick Dempseys Frau reicht die Scheidung ein – der Smalltalk. Mehr 8

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden