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Zugunglück in Bad Aibling : „Es läuft alles auf den Fahrdienstleiter hinaus“

Bild: dpa

Polizei und Staatsanwaltschaft wollen sich noch nicht offiziell zur Ursache des Zugunglücks äußern. Doch ein Defekt scheint ausgeschlossen. Nach Informationen der F.A.Z. konzentrieren sich die Ermittlungen auf den Fahrdienstleiter.

          Um kurz nach acht Uhr haben am Dienstagmorgen die ersten Krankenhäuser aus dem Landkreis Rosenheim beim Blutspendedienst München angerufen. Sofort wurden 300 Konserven Blut auf den Weg geschickt, die Hälfte des gesamten Bestandes. Um die Reserven wieder aufzufüllen, rief der Blutspendedienst danach über Facebook die Münchner zum Blutspenden auf. „Die Resonanz hat uns überwältigt“, sagt der Sprecher des Blutspendedienstes am Mittwoch. Innerhalb kürzester Zeit kamen 300 Menschen und spendeten Blut für 250 Konserven je 500 Milliliter. „Das haben wir so noch nicht erlebt, dass innerhalb eines Tages alle ausgelieferten Konserven wieder ersetzt werden konnten.“

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In ganz Bayern hat das Zugunglück von Bad Aibling Trauer und Bestürzung hervorgerufen. So haben sich am Mittwoch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und viele Politiker anderer Parteien im Rathaus von Bad Aibling hinter verschlossenen Türen mit Rettungskräften getroffen.

          Unfallopfer sind Männer aus der Region

          Gewürdigt werden sollte die Arbeit der fast 700 Rettungskräfte, die am Dienstag, wie Seehofer es nannte, „einer gewaltigen psychischen und menschlichen Belastung“ ausgesetzt gewesen seien. So brauchten Feuerwehrleute zum Teil bis zu zwei Stunden, um die Verletzten zu befreien, die in den zerborstenen und zusammengeschobenen Fahrgastabteilen eingequetscht waren.

          Zehn Personen kamen bei dem schwersten Zugunglück in Bayern seit 30 Jahren ums Leben, mehr als 80 wurden verletzt. Bei neun der zehn Todesopfer handelt es sich um Männer im Alter von 24 bis 60 Jahren. Alle Opfer stammen aus der Region. Unter ihnen sind auch die zwei Lokomotivführer sowie ein Lehr-Lokführer, der laut Polizei routinemäßig einen der beiden Männer auf der Fahrt begleitete. Überwiegend traf es Berufspendler, die täglich mit den Regionalzügen der Bayerischen Oberlandbahn auf der Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim unterwegs sind.

          Doch warum es zu der Katastrophe kam, warum auf dieser eingleisigen Strecke am Dienstagmorgen zwei Züge ineinander rasten, dazu gab es auch am Mittwoch noch keine offizielle Erklärung. Es stehe noch gar nicht fest, was passiert sei, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Bad Aibling. Auch der Bundesverkehrsminister hob hervor, dass nach wie vor nicht klar sei, ob die Ursache für diese Katastrophe menschliches oder technisches Versagen sei.

          Klar ist: Nur einer der beiden Meridian-Züge M 79505 (München-Rosenheim) beziehungsweise M 79506 (Rosenheim-Holzkirchen) hätte zum Zeitpunkt des Unglücks die einspurige Strecke befahren dürfen. Wäre alles nach Fahrplan gelaufen, hätte M 79506 in Kolbermoor fünf Minuten gewartet, bis der entgegenkommende M 79505 in den zweigleisigen Bahnhof eingefahren wäre, und erst dann seine Fahrt fortgesetzt. Anscheinend war der aus München kommende Regionalzug jedoch verspätet – und das Unglück nahm seinen Lauf.

          Eigentlich soll das unmöglich sein. Denn technische Systeme sichern flächendeckend den Bahnbetrieb, wie die Deutsche Bahn hervorhebt. Seit Dienstag kennen viele Deutsche sogar das in diesem Fall relevante Kürzel: die PZB, die Punktförmige Zugbeeinflussung, schafft durch Sensoren am Gleis Sicherheit. Überfährt ein Zug ein Signal, das Halt gebietet, wird er automatisch gebremst. Ein Defekt scheint ausgeschlossen: Noch eine Woche vorher war das Zugbeeinflussungssystem kontrolliert worden.

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