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Wirbelsturm „Sandy“ Zahl der Todesopfer steigt

„Sandy“ nimmt Kurs auf Kanada, an der amerikanischen Küste wird das Ausmaß der Verwüstung deutlich: Etwa 50 Menschen sind durch den Sturm ums Leben gekommen. Drei Atomkraftwerke mussten vom Netz genommen werden. Aus New York gibt es erste Berichte von Plünderungen.

© dapd Vergrößern Nach „Sandy“: Bilder der Verwüstung

Nach dem Wirbelsturm „Sandy“ gibt es erste Berichte über Plünderungen in New York. Die Polizei habe in den Stadtteilen Brooklyn and Queens mehrere Menschen unter anderem wegen des Verdachts von Plünderungen festgenommen, berichtete die Zeitung „Wall Street Journal“ am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe.

Die Festnahmen seien in Gegenden erfolgt, die durch die Fluten besonders betroffen seien. Dort seien Polizeistationen evakuiert worden. Insgesamt war von 13 Festnahmen die Rede. Unklar blieb, was geplündert wurde. Aus Furcht vor Kriminellen hätten mehrere kleine Ortschaften in Virginia und New Jersey zudem nächtliche Ausgangssperren verhängt, berichteten lokale Medien.

© REUTERS, Reuters Vergrößern New York: Der Tag nach dem verheerenden Sturm

Der amerikanische Präsident Barack Obama bezeichnete die Folgen der Sturmkatastrophe als „herzzerreißend“. Seine Regierung werde alles dafür tun, den Geschädigten des Unwetters und der Überflutungen zu helfen, sagte er am Dienstag bei einem Besuch der Zentrale des Roten Kreuzes in Washington. Zugleich teilte das Weiße Haus mit, dass der Präsident am Mittwoch nach New Jersey reisen werde, um sich gemeinsam mit dem Gouverneur des Staates, Chris Christie, ein Bild von der Lage zu machen.

Obama warnte, dass der Sturm noch nicht vorbei sei. Mehr Gemeinden könnten durch starke Winde und Stromausfälle in Mitleidenschaft gezogen werden. Es sei auch nicht klar, ob es bei der bisherigen Zahl der Opfer bleiben werde. Nach den neuesten Angaben der Behörden sind mindesten 45 Menschen umgekommen, 18 von ihnen in New York (nach der „New York Times“ sogar 22). Seine „wichtigste Mitteilung“ an die vom Sturm Betroffenen sei, „dass Amerika an Eurer Seite steht“, sagte Obama. „Wir werden alles tun, um Euch zu helfen, wieder auf Eure Beine zu kommen.“

„Sandy“ nimmt nun Kurs auf Kanada

Zugleich rief der Präsident die Öffentlichkeit auf, für das Rote Kreuz zu spenden. Die Koordination zwischen den nationalen Rettungsbehörden, den Staaten und den lokalen Politikern nannte er „herausragend“. Christie, ein entschiedener Unterstützer von Obamas republikanischem Wahl-Herausforderer Mitt Romney, hatte seinerseits zuvor Obamas Reaktion auf die Katastrophe ausdrücklich gelobt.

Romney selbst funktionierte am Dienstag einen Wahlkampfauftritt im besonders heiß umkämpften Bundesstaat Ohio in eine Hilfsaktion für die Sturmopfer um. Jeder Beitrag zähle, sagte Romney vor Anhängern in Kettering. Danach half er etwa eine halbe Stunde lang beim Verpacken von Konservenbüchsen für Bedürftige in den Katastrophengebieten.

Large tow truck pulls freight truck out of snow in Garrett County western Maryland © REUTERS Vergrößern Schneetreiben in Maryland

Millionen Haushalte sind weiter ohne Strom, Tausende Flüge wurden abgesagt, darunter auch Verbindungen nach Deutschland. Zwei Atomreaktoren rund 25 Kilometer nördlich von New York und ein Meiler in New Jersey wurden aufgrund von Komplikationen in Zusammenhang mit dem Sturm am Montag vom Netz genommen. Den Angaben zufolge gab es Probleme mit dem Kühlwasser und mit Stromleitungen. Die Behörden teilten indes mit, die Sicherheit sei nicht gefährdet. Hurrikan „Sandy“ stelle die robuste Bauweise der Atomkraftwerke unter Beweis, sagte Marvin Fertel, der Chef des Instituts für Atomenergie.

„Sandy“ nimmt nun Kurs auf Kanada. Bevor der Sturm dort eintreffe, könne er zu Überflutungen des Lake Michigan im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten führen, sagte der Direktor des Nationalen Hurrikan-Zentrum, Rick Knabb. Was als Tropensturm begann, ist auf seinem Weg nach Norden zu einer Art „kaltem Hurrikan“ geworden. „Sandy“ bleibt gefährlich, wie es auch vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach hieß. Der Sturm bringe Unmengen an Niederschlag und in den Bergen Schnee.

Mehr zum Thema

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sprach am Dienstag von dem vielleicht schlimmsten Sturm, „den wir je hatten“. Mindesten achtzehn Menschen starben; sie wurden von umstürzenden Bäumen oder umherfliegenden Ästen getroffen oder kamen mit herunterhängenden Stromkabeln in Berührung. Mindestens 750.000 Menschen seien jetzt ohne Strom, viele auch ohne Heizung. Dutzende Häuser brannten ab. Die New Yorker Verkehrsbetriebe sprachen von der schwersten Zerstörung in der 108-jährigen Geschichte der U-Bahn.

Die New Yorker Börsen an der Wall Street sollten nach zweitägiger Pause wieder öffnen. Mit dem John F. Kennedy Airport und dem internationalen Flughafen von Newark wollen zwei der drei wichtigsten Flughäfen im Großraum der Stadt ihren Betrieb in begrenztem Umfang wieder aufnehmen. Der Bahnbetreiber Amtrak will ebenfalls auf den wichtigsten Strecken wieder fahren.

Marathon soll stattfinden

Auch der Marathon in New York soll am Sonntag wie geplant stattfinden. Der Veranstalter New York Road Runners (NYRR) äußerte sich zumindest zuversichtlich. Die Millionenmetropole und ihre Einwohner müssten zwar gerade eine sehr schwierige Zeit durchmachen, sagte NYRR-Präsidentin Mary Wittenberg. Aber der Marathon sei schon immer ein besonderer Tag für die New Yorker und ein Symbol für die Lebensfreude und Widerstandskraft dieser Stadt gewesen.

Signs at the empty Philadelphia International Airport list cancelled flights caused by Hurricane Sandy in Philadelphia © Reuters Vergrößern Auch am Mittwoch werden noch viele Flüge an der Ostküste abgesagt

Aber vor allem die rechtzeitige Anreise der 20.000 Läufer aus dem Ausland stellt angesichts der durcheinandergewirbelten Flugpläne ein großes Problem dar. Wegen des Sturms wurden fast 16.000 Flüge gestrichen. Und auch die Anfahrt für die rund 30.000 Läufer aus den Vereinigten Staaten dürfte wegen der Schäden im öffentlichen Nahverkehr nicht einfach werden. Denn die durch Überflutungen lahmgelegte New Yorker U-Bahn, die werktags 5,3 Millionen Menschen befördert, kann laut Bürgermeister Michael Bloomberg auch noch am Wochenende ausfallen.

Dunkler Finanzdistrikt

Die Ausläufer des Sturms mit einer 1.000 Kilometer breiten Front richteten einen Milliardenschaden an. An der Südspitze Manhattans stieg das Wasser etwa 4,30 Meter über Normal - gut einen Meter mehr als der bisherige Rekord von 1960. Der ansonsten hell erleuchtete Finanzdistrikt war gespenstisch dunkel, weil der Strom ausfiel oder vorsichtshalber abgeschaltet wurde.

Quelle: FAZ.NET

 
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