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Wirbelsturm „Sandy“ Naturgewalten und Gegengewalten

 ·  Die New Yorker U-Bahn erlebt die größte Katastrophe ihrer Geschichte und erstmals seit 1888 bleibt die Börse zwei Tage wegen des Wetters geschlossen. Die meisten Bürger aber brachten sich in Sicherheit.

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© dapd Vergrößern Denn im Parkhaus war kein Platz für sie: Taxis auf einem überfluteten Parkplatz

Gegen halb neun Uhr abends hört Anne Edris auf einmal einen großen Knall. Nur ein paar Straßen weiter gibt es eine Explosion in einer großen Transformatorenstation. Sofort gehen die Lichter in ihrem „Bed & Coffee“ im New Yorker East Village aus. Das hat gerade noch gefehlt, denn seit einigen Minuten strömt das Wasser von der Straße in ihr Haus. Es dauert nicht lange, und das Wasser steht ihr bis zu den Knien. „Es hört sich hier an wie eine riesige Toilettenspülung, die sich nicht abstellen lässt“, berichtet sie per Telefon. So etwas habe sie noch nie erlebt, seit sie vor 25 Jahren nach New York gezogen ist. „Meine Gäste sind in Panik, ich habe alle in die oberen Stockwerke geschickt“, erzählt sie.

Draußen vor der Tür steht das Wasser so hoch, dass Autos durch die Straßen treiben. Die Alarmanlagen vieler Autos geben ein schauriges Hupkonzert. Anne Edris freut sich, dass sie eine Katze vor dem Ertrinken gerettet hat. Der Wind hat so heftig geblasen, dass er einen Teil der Bushaltestelle vor dem Haus mitgerissen hat. Ihre erste Bestandsaufnahme kurz vor Mitternacht: „Ich werde mindestens zwei Wochen lang schließen müssen.“ Das Viertel des „Bed & Coffee“ nahe am East River gehört in dieser Nacht zu den Gegenden, die am härtesten vom Hurrikan Sandy getroffen werden. Aber auch aus anderen Teilen der Stadt kommen immer neue Schreckensmeldungen.

Das Leben in New York wird auf Tage lahm liegen

Weiter nördlich am East River versagen die Notstromaggregate in einem Krankenhaus, und mehr als 200 Patienten müssen bei widrigstem Wetter evakuiert werden. Im Stadtteil Chelsea bricht fast die komplette Fassade eines Gebäudes weg und gibt den Blick auf die Wohnungen frei wie in einem Puppenhaus. In Queens wütet ein Feuer und zerstört 50 Häuser. Bis zum späten Montagabend werden allein in New York fünf Todesopfer gemeldet. Mehrere der Opfer sind von entwurzelten Bäumen getroffen worden. Beim Hurrikan „Irene“ im vergangenen Jahr war New York noch glimpflich davongekommen, aber Sandy zeigt wenig Erbarmen.

Fast vier Meter Hochwasser werden im Südteil von Manhattan gemessen, weit über dem bisherigen Rekordwert, den Hurrikan Donna 1960 der Stadt verschafft hatte. Der Versorger Con Ed schaltet am Abend als Vorsichtsmaßnahme den Strom südlich der neununddreißigsten Straße in Manhattan ab. Weite Teile New Yorks werden schlagartig zu einer Geisterstadt. Mehr als 600.000 Menschen in der Stadt sind in dieser Nacht ohne Strom. An der ganzen amerikanischen Ostküste sind es mehr als sieben Millionen. Das Wasser kommt mit massiver Gewalt. Es bahnt sich den Weg in die U-Bahnhöfe und auch in die Baugrube am World Trade Center.

Die Nachrichten von immer neuen Überflutungen in der Stadt überschlagen sich, im Chaos kommt es auch zu Falschmeldungen. CNN berichtet, auf dem Parkett der New Yorker Stock Exchange an der Wall Street stehe das Wasser fast einen Meter hoch. Die Börse dementiert umgehend. Der Börsenbetrieb wird freilich trotzdem auch am Dienstag noch stillstehen. Es ist das erste Mal seit dem Jahr 1888, dass die New Yorker Börse an zwei Tagen hintereinander wetterbedingt geschlossen sein wird. Je länger Sandy am Montagabend wütet, umso klarer wird, dass sie das Leben in New York auf Tage hinaus lahmlegen wird.

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30.10.2012, 18:22 Uhr

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