Home
http://www.faz.net/-gup-7444w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Wirbelsturm „Sandy“ Haiti ruft den Notstand aus

In Haiti hat Wirbelsturm „Sandy“ weite Teile der Ernte zerstört. Nun werden die Lebensmittel knapp, außerdem nimmt die Zahl der Cholera-Fälle zu. An der amerikanischen Ostküste sind weiter Millionen ohne Strom und Treibstoff. Dort droht eine Kältewelle.

© REUTERS Vergrößern Nach Angaben von Hilfsorganisationen hat die Zahl von Cholera-Erkrankungen in Haiti zugenommen; auch dieser Junge ist betroffen.

Auch Tage nach dem verheerenden Wirbelsturm „Sandy“ ist für die Menschen in den betroffenen Regionen noch kein Ende des Leids in Sicht. Während an der amerikanischen Ostküste weiter Millionen ohne Strom und Treibstoff auskommen müssen und nun auch noch eine Kältewelle droht, rief die Regierung Haitis am Samstag den Notstand aus. Die Regenfälle des Wirbelsturmes hatten in weiten Teilen des Karibikstaats die Ernten zerstört. Nun werden in dem noch immer unter der Erdbebenkatastrophe von 2010 leidenden Land die Lebensmittel knapp. Außerdem nimmt die Zahl der Cholera-Fälle nach Angaben von Hilfsorganisationen wieder zu.

Die Zahl der Toten nach dem Wirbelsturm stieg derweil nach Angaben des Nachrichtensenders CNN allein in den Vereinigten Staaten auf 106. Hinzu kommen 2 Todesopfer in Kanada und 67 in der Karibik, die meisten davon in Haiti. Vielerorts geht die Suche nach Vermissten weiter.

„Sandys“ vergessene Opfer © dapd Bilderstrecke 

Auch der Ablauf der amerikanischen Präsidentenwahl am Dienstag dürfte an der Ostküste im Zeichen des Sturms stehen. Bürger in den betroffenen Gebieten müssen sich darauf einstellen, ihre Stimme in einem Militärlastwagen oder in Zelten abzugeben, berichtete die „New York Times“. Die Wahlen würden in den Katastrophengebieten aber auf jeden Fall stattfinden, zitierte die Zeitung am Samstag Lokalpolitiker. Eventuell können Bürger auch per E-Mail oder Fax abstimmen, meldete der Sender CNN. Auch das Eintreffen der Briefwahl-Stimmen könnte sich verzögern, da die Post sturmbedingt tagelang liegengeblieben ist.

Zusätzlich zu Stromausfällen und fehlendem Benzin macht nun auch die Kälte den Menschen zu schaffen. Bis Mitte kommender Woche soll es mit Temperaturen um die sechs Grad empfindlich kalt bleiben. Dann droht ein Kältesturm die Nerven der Betroffenen noch weiter zu strapazieren: Der Sturm, der jedoch deutlich schwächer ist als „Sandy“, entwickelt sich Meteorologen zufolge derzeit über dem Atlantik. Ob er tatsächlich die amerikanische Küste treffen wird, war zunächst aber noch unklar.

New York And New Jersey Continue To Recover From Superstorm Sandy © AFP Vergrößern An den Ausgabestellen für Benzin und Diesel bilden sich wie hier in Brooklyn, New York, lange Schlangen.

Nach wie vor haben fast drei Millionen Menschen an der Ostküste keinen Strom, auch Benzin und Heizöl sind knapp. Viele Menschen in den Staaten New Jersey und New York harren in ihren eiskalten Wohnungen aus. Aus einigen Gegenden kamen Berichte über Plünderungen. „Ich habe heute drei Stunden an einer Tankstelle gewartet“, sagte ein New Yorker Taxifahrer. „Wie soll ich Geld verdienen, wenn ich kein Benzin habe und meine ganze Zeit an der Tankstelle verbringe?“

Präsident Barack Obama ordnete Treibstofflieferungen in die Katastrophengebiete an. Das Verteidigungsministerium wurde angewiesen, gut 80 Millionen Liter an bleifreiem Benzin und Diesel aufzukaufen und auszuliefern, wie aus einer Mitteilung der Behörde für Katastrophenmanagement hervorging.

New York And New Jersey Continue To Recover From Superstorm Sandy © AFP Vergrößern Gespendete Kleidungsstücke an einer Straßenecke im New Yorker Viertel Queens

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo sagte am Samstag, dass mehr als 30 Millionen Liter Treibstoff bereits nach New York gebracht worden seien. Weitere 105 Millionen Liter seien auf dem Weg. New Jerseys Gouverneur Chris Christie ließ das Benzin rationieren - im täglichen Wechsel dürfen jetzt nur noch Besitzer von Nummernschildern mit gerader oder ungerader Endziffer tanken.

In anderen Teilen normalisierte sich das Leben dagegen weiter. Der südliche Teil Manhattans wurde größtenteils wieder ans Stromnetz angeschlossen. Weitere Parks in der Millionenmetropole öffneten. Rund 80 Prozent des U-Bahnnetzes war offiziellen Angaben zufolge wieder in Betrieb, und auch die vor allem bei Touristen beliebte Fähre nach Staten Island fuhr wieder. Viele New Yorker taten sich spontan zusammen, um zu helfen. Sie sammelten abgebrochene Äste in Parks auf oder verteilten Wasser und Essen an Bedürftige.

New York Air National Guard Master Sgt. Thomas Moade leads other members of the 174th in taking water and cases of food to local residents in Staten Island in this handout photo © REUTERS Vergrößern Auf Staten Island verteilen Soldaten Wasser und Lebensmittel.

In Haiti richtete „Sandy“ nach vorläufigen Schätzungen des nationalen Koordinationsbüros für Lebensmittelsicherheit (CSNA) einen Schaden von über 104 Millionen Dollar an, wie die Zeitung „Le Nouvelliste“ online berichtete. Der Notstand erlaube es der Regierung, Maßnahmen zu ergreifen, um den Menschen zu helfen und dem drohenden Hunger zu begegnen, sagte Kommunikationsministers Ady Jean Gardy.

In Haiti hatte im Januar 2010 ein schweres Erdbeben die Hauptstadtregion und weite Teile des Südens zerstört. Mehr als 220.000 Menschen starben. Trotz umfassender internationaler Hilfe leidet das Land noch immer unter den Folgen der Katastrophe, etwa unter der Cholera, die im Oktober desselben Jahres ausbrach und an der seitdem über 7600 Menschen gestorben sind. Nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen hat sich die Zahl der Neuinfektionen in den Tagen nach dem Sturm fast verdoppelt.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Online-Studios Das Fitnessstudio kommt ins Wohnzimmer

In der Fitnessbranche zieht die Digitalisierung ein: Die Muskeln lassen sich damit auch zuhause nach Anleitung vor dem Bildschirm trainieren. Jetzt erwirbt der Studiobetreiber Fitness First die Online-Plattform Newmoove. Mehr Von Klaus Max Smolka

21.10.2014, 17:00 Uhr | Wirtschaft
Serbien ruft wegen Überschwemmungen Notstand aus

Das Land ist von der schwersten Flut seit 120 Jahren betroffen. Mehr als 1000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Teilweise stehen die Fluten meterhoch. Mehr

16.05.2014, 10:51 Uhr | Gesellschaft
Ebola-Epidemie Sorge vor Ebola-Ausbreitung steigt

Verdachtsfälle in Frankreich, Spanien und Dänemark schüren die Angst vor der Ausbreitung von Ebola in Europa – und rufen die Politik auf den Plan. Weltweit haben sich rund 9000 Menschen mit dem Virus infiziert, etwa halb so viele sind daran gestorben. Mehr

16.10.2014, 17:49 Uhr | Gesellschaft
Taifun "Halong" fordert mindestens neun Tote

Mindestens neun Tote, zwei Vermisste und Hunderte beschädigte Häuser - das ist die vorläufige Bilanz, nachdem Taifun Halong am Wochenende über Teile Japans hinweggezogen war. Die Behörden hatten rund 1,6 Millionen Menschen aufgefordert, sich vor dem Wirbelsturm in Sicherheit zu bringen. Mehr

11.08.2014, 10:17 Uhr | Gesellschaft
Gaza Bis zu sieben Milliarden Dollar Schäden

Bei der Geberkonferenz für den Wiederaufbau des Gazastreifens will die internationale Gemeinschaft verhindern, dass die Gelder der Hamas in die Hände fallen. UN-Schätzungen zufolge belaufen sich die Gesamtschäden auf bis zu sieben Milliarden Dollar. Mehr Von Hans-Christian Rößler, Gaza

09.10.2014, 17:29 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.11.2012, 05:30 Uhr

Herzogin Kate Ein Hauch von Bauch

Herzogin Kate zeigt sich erstmals seit Bekanntwerden ihrer zweiten Schwangerschaft in der Öffentlichkeit, Sänger James Blunt kann seinen Welthit nicht mehr hören und Schauspieler Martin Sheen gibt einem Forschungsschiff seinen Namen. Der Smalltalk. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden