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Wirbelsturm fegt über Ostküste „Sandy“ hinterlässt Spur der Verwüstung

Mindestens 35 Menschen kamen an der amerikanischen Ostküste durch „Sandy“ ums Leben. Experten rechnen mit Schäden von bis zu 20 Milliarden Dollar. Der abgeschwächte Wirbelsturm zieht nun in den Nordosten - und könnte sich dort mit einem Wintersturm vereinigen.

© dapd Vergrößern Wirbelsturm „Sandy“: Der Morgen danach

Mit gewaltiger Zerstörungskraft ist Wirbelsturm „Sandy“ auf die amerikanische Ostküste getroffen. Mindestens 35 Menschen wurden in Nordamerika getötet. Sturmfluten und Regen ließen in den Küstenregionen und der Millionenmetropole New York Straßen wie Flüsse aussehen. In einem Atomkraftwerk im Bundesstaat New Jersey gab es Hochwasser-Alarm. Am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) waren nach Berichten des Senders CNN mindestens 6,5 Millionen Menschen ohne Strom. Tunnel und Teile des New Yorker U-Bahn-Systems waren voll Wasser. Aus den Straßen floss die Flut am Morgen allmählich ab.

Erste Schätzungen gehen von Schäden bis zu 20 Milliarden Dollar aus (15,5 Milliarden Euro). Auch am Dienstag fielen Tausende Flüge aus, darunter Verbindungen nach Deutschland. Die Börse an der Wall Street und viele Schulen blieben erneut geschlossen.

Ein Großbrand zerstörte in einem überschwemmten Bezirk des New Yorker Stadtteils Queens 80 bis 100 Häuser zerstört. Mehr als 190 Feuerwehrleute konnten das Feuer am Dienstag weitgehend unter Kontrolle bringen. Ein Feuerwehrmann wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht, wie ein Behördensprecher mitteilte. Auch zwei Zivilisten wurden leicht verletzt und vor Ort behandelt.

© dpa, afp Vergrößern Hurrikan „Sandy“ setzt New York unter Wasser

Im Bundesstaat New Jersey brach CNN zufolge ein Damm. Hunderte Menschen wurden in Sicherheit gebracht. In Pennsylvania starb ein Achtjähriger unter einem umstürzenden Baum. Zuvor waren zwei Kinder beim Spielen zuhause im Landkreis Westchester bei New York gestorben, als ein Baum durchs Dach schlug. Im New Yorker Stadtteil Queens fiel ein Ast durch das Dach eines Holzhauses und tötete einen Neunundzwanzigjährigen. In Toronto (Kanada) erschlug umherfliegender Schutt eine Fußgängerin.

Das öffentliche Leben in Großstädten wie New York, Washington und Philadelphia war schon vor Eintreffen des Sturms zum Erliegen gekommen. Die Nahverkehrssysteme sowie Schulen, Behörden, Theater, Büchereien, Parks und zahlreiche Restaurants und Geschäfte blieben vielerorts geschlossen.

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Auch die Vereinten Nationen und die Börse an der Wall Street in New York blieben zu. In das geschlossene U-Bahn-System der Millionenmetropole drang Wasser ein. Joseph J. Lhota von den New Yorker Verkehrsbetrieben nannte den Sturm die schwerste Zerstörung in der 108-jährigen Geschichte der U-Bahn. Wahrscheinlich dauert es mehrere Tage, bis die Bahn wieder fährt.

In einem New Yorker Umspannwerk gab es eine Explosion. Bilder zeigten einen gewaltigen Feuerball in der Anlage in der Lower East Side von Manhattan. Im Atomkraftwerk Oyster Creek südlich von New York wurde wegen eines bedrohlich steigenden Wasserspiegels Alarm ausgelöst, wie die Atomaufsichtsbehörde NRC mitteilte. Das Kraftwerk im Bundesstaat New Jersey sei zu dem Zeitpunkt aber bereits abgeschaltet gewesen. Oyster Creek ist seit 1969 am Netz und das älteste laufende Atomkraftwerk der Vereinigten Staaten.

Das Unheil an der amerikanischen Ostküste nahm am Montagabend (Ortszeit) seinen Lauf: Das Auge des Wirbelsturms erreichte die Küste nach Angaben des Hurricane Centers in der Spielermetropole Atlantic City (Bundesstaat New Jersey). Die Strandpromenade wurde beschädigt. Dann wirbelte der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde an der Küste entlang Richtung New York. Abgeschwächt zog er weiter westwärts, Richtung Große Seen.

Wetterexperten befürchten, dass „Sandy“ später im Nordosten auf einen Wintersturm treffen könnte. Diese Kombination könnte dann zum schwersten Unwetter seit Jahrzehnten führen. „Sandy“ könnte auch noch einen Blizzard erzeugen und am Mittwoch den Bergen von West Virginia bis zu einem Meter Neuschnee bringen.

© Reuters Vergrößern Vereinigte Staaten: „Sandy“ trifft auf die Ostküste

Eine Woche vor der Wahl wirkte sich der Sturm bereits auf den Endspurt zum 6. November aus. Präsident Barack Obama kehrte von einer Wahlkampftour in Florida nach Washington zurück und rief die Bevölkerung eindringlich dazu auf, den Anweisungen der Behörden zu folgen. Für mehrere Bundesstaaten hatte er den Notstand ausgerufen.

Bei einer dramatischen Rettungsaktion brachten zwei Hubschrauber der amerikanischen Küstenwache 14 Besatzungsmitglieder des Filmschiffs „Bounty“ in Sicherheit. Eine Frau, die Stunden später geborgen wurde, starb. Der Kapitän wurde zunächst weiter vermisst.

Im Sturm „Sandy“ waren bereits auf seinem Weg durch die Karibik mehr als 65 Menschen gestorben. Zusammen mit den Toten in Nordamerika stieg die Todesbilanz auf mindestens 80.

Quelle: AFP/dpa

 
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