Bei einer Serie von Tornados sind im Süden und Mittleren Westen der Vereinigten Staaten mindestens 39 Personen getötet worden. Die Wirbelstürme zogen am Freitag und Samstag von der Golfküste aus gen Norden und verwüsteten auf einer Strecke von fast 1000 Kilometern mehrere Dörfer, kappten Stromleitungen und rissen Bäume nieder. Mehrere Hundert Menschen wurden durch herumwirbelnde Möbel und Geräte verletzt. Besonders starke Stürme wurden in den Bundesstaaten Indiana und Kentucky gemessen.
In Indiana im Süden der Großen Seen registrierte der amerikanische Wetterdienst mindestens einen Tornado der Stärke EF-4, die zweithöchste Stufe auf der weiterentwickelten Fujita-Skala („Enhanced Fujita Scale“). Der Wirbelsturm soll mit Geschwindigkeiten von bis zu 270 Stundenkilometern durch die ländliche Region gerast sein und dabei fast 70 Kilometer lang Bodenkontakt gehabt haben.
Stadt „dem Erdboden gleichgemacht“
Bis Sonntag wurden in dem auch „Hoosier State“ genannten Indiana 14 Tote gezählt. Im Nachbarstaat Kentucky, in dem die verheerendsten Wirbelstürme der vergangenen 24 Jahre gemessen wurden, kamen 20 Personen ums Leben. Weitere Todesopfer forderte die von Hagel und Regen begleitete Wetterfront in den Bundesstaaten Ohio, Alabama und Georgia. Der amerikanische Präsident Barack Obama sprach den Angehörigen sein Beileid aus und bot den Gouverneuren von Indiana, Kentucky und Ohio Bundesmittel für den Wiederaufbau an. In vielen Gegenden fiel der Strom aus, Telefonverbindungen waren unterbrochen.
„In Indiana kennen wir uns mit Mutter Naturs Zorn aus, aber so schlimm habe ich ihn noch nie erlebt“, sagte Gouverneur Mitch Daniels dem Sender CNN bei einem Besuch von Henryville im Südosten des Bundesstaates. Wenige Minuten bevor der erste Tornado die Kleinstadt am Freitag erreichte, hatten die Behörden die Schulen evakuieren lassen. Etwa 40 Lehrer und Schüler verschanzten sich in dem Büro einer Grundschule, um den Sturm auszusitzen. Obwohl der Tornado mehrere Flügel des Schulgebäudes wegriss, blieben die Lehrer und Schüler unverletzt. Auch die High School der Gemeinde und die Henryville Junior High wurden durch den Tornado in Trümmerfelder verwandelt. Wie der Sprecher des Sheriffs von Clark County, Chuck Adams, berichtete, wurde auch die Nachbarstadt Marysville „dem Erdboden gleichgemacht“. Während in Marysville alle Bewohner überlebten, starben in Henryville drei Menschen.
Nahe der Kleinstadt Salem, 30 Kilometer westlich von Henryville, entdeckten Rettungskräfte in einem Feld ein 20 Monate altes Mädchen, das mit schweren Verletzungen in das Kosair Kinderkrankenhaus nach Kentucky geflogen wurde. Nach Angaben eines Sprechers des Kosair Children’s Hospital kamen die Eltern des Mädchens, sein drei Jahre alter Bruder und seine zwei Monate alte Schwester durch den Tornado ums Leben.
Stärke der Stürme konnte nicht vorhergesagt werden
Während Meteorologen bislang noch keinen Zusammenhang zwischen Klimaänderungen und der Entstehung von Tornados nachweisen konnten, zeigen die Daten, dass die Wirbelstürme in diesem Jahr ungewöhnlich früh einsetzten. Bevor die Serie aus fast 100 Tornados den Süden und Mittleren Westen am Freitag heimsuchte, waren schon am Donnerstag mehrere Dutzend „Twister“ durch die Bundesstaaten Missouri und Illinois gezogen. Bei den Stürmen mit Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern kamen 13 Personen ums Leben.
„Dass wir schon im März von einer Tornado-Serie heimgesucht werden, kommt nur etwa alle zehn Jahre vor“, sagte Russell Schneider, der Direktor des Zentrums für Sturmvorhersage in Norman im Bundesstaat Oklahoma. Während schon einige Tage vor den tödlichen Tornados Warnungen ausgegeben wurden, konnte die Stärke der Stürme nicht vorhergesagt werden. „Wir wissen bis heute nicht, warum einige Stürme Tornados auslösen und andere nicht“, sagte Steve Weiss vom Zentrum für Sturmvorhersage der „Washington Post“. Von Freitag bis zum frühen Samstagmorgen gab der Wetterdienst 297 Warnungen vor Tornados und 388 vor schweren Gewittern heraus. Im gesamten Februar waren es 189. Meteorologen zufolge kommt ein Wirbelsturm der Stärke EF-04 im Monat März nur einmal alle zehn Jahre vor.
Und in den nächsten Jahren wird
Andreas Debus (Nyarlat)
- 05.03.2012, 02:37 Uhr