http://www.faz.net/-gum-76ygc

Weltraum-Forschung : Der Asteroidenjäger

Gesteinsbrocken, die kleiner als zehn Meter sind, interessieren Alan Harris vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nicht Bild: DLR

Alan Harris ist Asteroiden- und Kometenforscher, immer auf der Suche nach den großen Felsbrocken, welche die Erde bedrohen. Mit Wissenschaftler aus Europa forscht er am Projekt „NEOshield“, das einen Asteroideneinschlag verhindern soll.

          Alan Harris liebt Überraschungen. Schließlich hat es der 61 Jahre alte Asteroiden- und Kometenforscher am Institut für Plantenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Berlin-Adlershof fast täglich mit unerwarteten Ereignissen zu tun, etwa wenn ein im Weltraum umherstreunender Himmelskörper entdeckt wird oder ein Meteorit plötzlich auf der Erde einschlägt wie am Freitagmorgen im Ural (siehe Linkliste). Dass der Einschlag etwas mit dem erdnahen Vorbeiflug des rund 50 Meter großen Asteroiden 2012 DA14 am Abend zu tun habe, glaubt der in Birmingham geborene Forscher, der auf mehr als 30 Jahre Berufserfahrung zurückblicken kann, indes nicht. „Soweit wir wissen, sind die Umlaufbahnen der beiden Himmelskörper ganz anders.“ Aber der Zufall der beiden Ereignisse ist auch für Harris ein bisschen unheimlich. „Wir müssen abwarten, bis wir alle Informationen haben und die Ereignisse richtig analysieren können.“

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Wir sind recht schutzlos

          Den Absturz des Meteoriten am Freitag im russischen Uralgebirge hätte man nicht verhindern können, da ist sich Harris sicher, schließlich leitet er seit gut einem Jahr ein EU-Projekt, das nach Wegen sucht, einen erdnahen Asteroiden, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet, aus der Bahn zu lenken. Dabei konzentriert man sich vor allem auf erdnahe Asteroiden mit einer ähnlichen Größe wie 2012 DA14, die die Erdbahn kreuzen und eine potentielle Gefahr sind. Objekte, die kleiner sind als zehn Meter - so wie der Gesteinsbrocken über Russland -, kann man nicht vorher entdecken. Dafür benötigt man größere Teleskope, die ständig nach solchen Objekten Ausschau halten. Vor allem aber wären Vorwarnzeiten von mehr als einem Jahr erforderlich, um einen drohenden Einschlag eines größeren Asteroiden tatsächlich verhindern zu können.

          Drei ernstzunehmende Abwehroptionen gibt es derzeit. Man könnte rechtzeitig eine Raumsonde zu dem fraglichen Himmelskörper schicken, die diesen mit ihrer Schwerkraft vom Kurs abbringt. Denkbar wäre auch, eine Sonde auf dem Asteroiden einschlagen zu lassen und ihn so aus der Bahn zu kicken. Letzteres wäre für Harris eine realistische Option. Wenig hält er von einem Szenario, bei dem man - ähnlich wie in dem Film „Armageddon“ - einen nuklearem Sprengsatz auf dem Asteroiden zündet. Bis zum Jahr 2015 wollen Harris und seine Kollegen, zu denen Wissenschaftler französischer und britischer Institute, aber auch Ingenieure des Raumfahrtunternehmens Astrium zählen, ein Konzept erarbeitet haben, dem eine realistische Testmission folgen könnte. Dazu stehen dem EU-Projekt „NEOshield“ rund sechs Millionen Euro zur Verfügung.

          Achttausend für die Erde potentiell gefährliche Asteroiden mit einer Größe ähnlich wie 2012 DA14 sind bekannt. Mehrere hunderttausend bis eine Millionen solcher erdnahen Objekte schätzt man in unserem Sonnensystem. Wann die Erde von einem größeren Meteoriten getroffen wird, ist für Harris nur eine Frage der Zeit.

          Quelle: F.A.Z.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Roy Moore : Missbrauchsvorwürfe? Und wenn schon!

          Roy Moore will heute gegen den Willen des republikanischen Establishments Senator von Alabama werden. Der Missbrauchsskandal hat ihm geschadet, trotzdem hat er gute Chancen die Wahl zu gewinnen – auch weil eine Wählergruppe zu ihm hält, von der man es nicht erwartet hätte.

          Antisemitismus in Deutschland : Judenhass

          Die antisemitischen Hassausbrüche in ganz Europa sprechen für sich. Mit Kritik an Israel und Donald Trump haben sie nichts mehr zu tun. Das haben allerdings immer noch nicht alle verstanden.
          Ein ICE 3 auf der neuen Strecke Berlin-München

          Zugausfälle wegen ETCS : Chaos mit vier Buchstaben

          Eine neue Technologie namens ETCS soll einen Flickenteppich von Systemen ersetzen. FAZ.NET erklärt, wie sie funktioniert und warum sie im Moment Zugausfälle verursacht.

          Selbstfahrende Autos : Elon Musk kommt zu spät

          2018 würden Autos sich selbst steuern, sagte Elon Musk. Jetzt muss er diese Prognose zurücknehmen. Sein neues Zieldatum ist aber auch schon bald.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.