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Sturm „Burglind“ : Skisportler in Seilbahn gefangen

  • Aktualisiert am

Wintersportler werden in Kitzbühel aus einer stehenden Gondel gerettet. Bild: dpa

In den Niederlanden provozierte „Burglind“ eine Premiere, während in der Schweiz mehrere Skifahrer auf ihre Rettung warten. Sie sind in einer Gondel gefangen.

          Das Sturmtief „Burglind“ hat in der Schweiz mehrere Skisportler in eine missliche Lage gebracht. Sie sitzen in den Gondeln einer Seilbahn fest, weil im Skigebiet Pizol im Kanton St. Gallen mehrere Bäume auf die Tragseile der Bergbahn gestürzt sind. Wie viele Menschen am Mittwoch in den Gondeln festsaßen und ob darunter Verletzte sind, ist noch unklar. Auch gibt es noch keinen genauen Plan zu ihrer Rettung. Helikopterflüge waren wegen des Sturmtiefs „Burglind“ zunächst nicht möglich.   

          In Frankreich hat der Sturm, welcher dort unter den Namen „Eleanor“ firmiert, sogar ein Menschenleben gekostet. Im Alpen-Skiort Morillon starb ein Mann, als ein Baum auf sein Auto stürzte. Das berichteten mehrere Medien. Laut einer vorläufigen Bilanz des französischen Zivilschutzes wurden durch „Eleanor“ 15 weitere Personen verletzt, vier davon schwer.

          Landesweit zählte der Zivilschutz bis zum frühen Nachmittag 4300 Einsätze wegen des Sturms. Dieser schnitt in Frankreich auch zahlreiche Haushalte vom Strom ab, weil oberirdische Leitungen beschädigt wurden. Am frühen Nachmittag waren 225.000 Haushalte ohne Elektrizität, wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte. Betroffen waren vor allem der Norden und Nordosten des Landes, auch in der Hauptstadtregion Île-de-France gab es Ausfälle. 2500 Mitarbeiter seien im Einsatz, um die Versorgung wieder herzustellen.

          Sogar ein Kleinflugzeug wurde in der Schweiz von „Burglind“ auf den Kopf gestellt. Bilderstrecke
          Sogar ein Kleinflugzeug wurde in der Schweiz von „Burglind“ auf den Kopf gestellt. :

          Die Regionalflughäfen in Straßburg und Basel-Mülhausen-Freiburg im Grenzgebiet zu Deutschland wurden vorübergehend gesperrt, wie die Betreiber mitteilten. Auch der Eiffelturm in Paris wurde wegen Windböen von bis zu hundert Stundenkilometern geschlossen. In der Normandie und im Elsass war der regionale Zugverkehr am Mittwochvormittag als Vorsichtsmaßnahme unterbrochen worden.

          Weil der Sturm auch die Niederlande traf, sind dort zum ersten Mal alle fünf Sturmflutwehre geschlossen worden. „Das hat es noch nie zuvor gegeben“, twitterte die Wasserbehörde am Mittwoch. Um Überschwemmungen bei extremem Hochwasser zu verhindern, wurden die massiven Wehre geschlossen.

          Orkan „Burglind“ trifft auf Deutschland

          Die „Oosterscheldekering“ in der südwestlichen Provinz Zeeland ist das größte und bekannteste Wehr der Niederlande. Es ist  neun Kilometer lang und wird bei Hochwasser ab drei Meter vorsorglich geschlossen. Zuletzt war das bei einem Herbststurm 2014 notwendig. Auch die großen Wehre an der Ijssel, der Maas und am Ijsselmeer wurden geschlossen.

          Gut ein Drittel der Niederlande liegt unter dem Meeresspiegel. Bei Hochwasser drohen gut 60 Prozent des Landes überflutet werden. Ein ausgeklügeltes System von Deichen, Dämmen, Kanälen und den Sturmflutwehren haben die Niederländer den Naturgewalten entgegengestellt.

          In Deutschland hat „Burglind“ am Mittwochmorgen Flüsse über die Ufer treten lassen und insbesondere in den westlichen Bundesländern unzählige Bäume entwurzelt, die den Straßen- und Eisenbahnverkehr behinderten. Im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen ist zudem ein 70 Meter hohes Windrad zu Boden gestürzt. „Die Anlage stand in ausreichender Entfernung von Häusern, so waren keine Menschen gefährdet“, sagte Polizeisprecher Axel Bergmann der Deutschen Presse-Agentur. Auslöser sei vermutlich ein technischer Defekt gewesen. So habe sich die Anlage nicht in den Wind drehen können. Nach ersten Erkenntnissen sei zunächst ein Rotorblatt abgebrochen.
          „Dann stürzte durch die Sturmbelastung der gesamte Turm um“, sagte Bergmann.

          Wintersturm „Burglind“ : Feuerwehr und Polizei im Dauereinsatz

          Quelle: dpa/AFP

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