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Veröffentlicht: 18.06.2017, 16:11 Uhr

Waldbrände in Portugal Tod im Flammenmeer

Vom Feuer eingeschlossene Orte, in ihren Autos verbrannte Fliehende: Bei verheerenden Waldbränden kommen in Portugal mehr als 60 Menschen ums Leben. Bei der Suche nach den Ursachen sieht die Polizei die Schuld bei der Natur.

von , Madrid
© AP Erschütternd: Den Rettungskräften bietet sich am Sonntag in der Nähe der Stadt Canstanheira de Pera ein schreckliches Bild.

Rasend schnell breitete sich die Feuerfront gleich in vier Richtungen aus. Ganze Ortschaften waren plötzlich von einem Flammenmeer umgeben. Autofahrer verbrannten in ihren Fahrzeugen. Am Sonntagnachmittag war in der portugiesischen Region Leiria von mehr als 60 Toten und mehr als 50 Verletzten die Rede. Doch man befürchtete, dass die Zahl noch steigen könnte, weil immer noch Menschen vermisst wurden. Auch 24Stunden, nachdem das Feuer am Samstagnachmittag in der Nähe von Pedrógão Grande ausgebrochen war, hatten mehr als 900 Feuerwehrleute die Brände noch nicht vollständig gelöscht.

Hans-Christian Rößler Folgen:

Der portugiesische Ministerpräsident António Costa sprach sichtlich erschüttert von der „größten Tragödie“ dieser Art in den vergangenen Jahrzehnten, als er in der Nacht zum Sonntag das Krisenzentrum in der Region aufsuchte. Auch Staatspräsident Marcelo Rebelo de Sousa reiste ins Katastrophengebiet. Er lobte die Rettungskräfte für ihren „heldenhaften“ Einsatz. Es werde alles getan, was möglich ist. Zuvor hatte es erste Vorwürfe gegeben, die Feuerwehr habe zu langsam reagiert. Die Regierung rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Die portugiesische Fußball-Nationalmannschaft bat darum, vor ihrem Spiel gegen Mexiko beim Confederations Cup in Russland mit einer Schweigeminute der Opfer zu gedenken. Zudem wollte das Team mit einem Trauerflor am Arm spielen.

47039194 Rettungskräfte kämpfen in Figuero dos Vinhos in Portugal gegen die Flammen an. © EPA Bilderstrecke 

Die portugiesische Presse verglich die Brände mit Dantes „Inferno“. 16 Menschen verbrannten in ihren Autos, als sie versuchten, auf der Straße nach Figueiró dos Vinhos und Castanheira de Pêra den Flammen zu entkommen. Weitere Leichen fanden Helfer in der Nähe eines Friedhofs. Die Menschen waren offenbar an einer Rauchvergiftung gestorben. Mehr als 50 Zivilisten und mehrere Feuerwehrmänner wurden verletzt und mussten in Krankenhäuser gebracht werden. Anwohner berichteten, dass Rauch den Himmel tagsüber so stark verdunkelte, als wäre schon Nacht. Die Stromversorgung brach zum Teil zusammen. Verzweifelt versuchten Polizei und Feuerwehr, ganze Dörfer zu evakuieren, bevor das Feuer zu nahe kam. Der letzte Großbrand dieser Art liegt in Portugal gut ein halbes Jahrhundert zurück. Im Jahr 1966 kamen in Sintra unweit von Lissabon 25 Militärangehörige ums Leben. Das Feuer wütete damals sieben Tage lang.

Aus ganz Portugal, auch aus der knapp 200 Kilometer südwestlich gelegenen Hauptstadt, kam Verstärkung für die Feuerwehr, die am Ende mit fast 300 Fahrzeugen im Einsatz war. Die landwirtschaftlich geprägte Gegend, in der das Feuer ausbrach, ist nur dünn besiedelt. Sie ist bei Wanderern und Wassersportlern beliebt, die es an die Seen und Lagunen zieht.

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Am Sonntag begann auch die Suche nach den Ursachen des verheerenden Brands. Die Polizei hielt Brandstiftung in einer ersten Einschätzung für nicht wahrscheinlich. Es wurde vermutet, dass ein Blitz während eines Gewitters ohne Niederschlag das Feuer entfacht haben könnte. Die iberische Halbinsel leidet seit Tagen unter einer Hitzewelle mit Temperaturen von teilweise über 40 Grad. Starke Winde trugen in der Region von Pedrógão Grande offenbar dazu bei, dass sich der Brand so schnell ausbreitete. Schon im vergangenen Jahr waren Portugal und Spanien von schweren Waldbränden heimgesucht worden. In diesem Jahr sagen die Meteorologen einen trockenen und heißen Sommer voraus. In Italien, wo schon im Frühjahr außergewöhnlich hohe Temperaturen geherrscht hatten, rief der Zivilschutz am Sonntag zu besonders großer Wachsamkeit auf.

© EPA, reuters Portugal: Dutzende Menschen sterben in den Waldbränden

Der Großbrand rief auch außerhalb Portugals Bestürzung hervor. Papst Franziskus, der erst im Mai den portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima besucht hatte, rief auf dem Petersplatz in Rom dazu auf, für die Opfer und ihre Angehörigen zu beten. Bundeskanzlerin Angela Merkel versicherte den Portugiesen ihr Mitgefühl, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel äußerte sich bestürzt über die „erschütternden Bilder“. Frankreich entsandte drei Löschflugzeuge, Spanien zwei weitere Flugzeuge, die die portugiesische Luftwaffe unterstützten. Auch die Europäische Union kündigte Hilfe an.

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