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Waldbrände in Kalifornien Das Feuer frisst sich zum Yosemite vor

Die Waldbrände in Kalifornien breiten sich weiter aus. Bisher vernichteten die Flammen eine Waldfläche so groß wie der Bodensee.

© AP Vergrößern Feuerwehrmann kämpft in Kalifornien gegen den Waldbrand im Nationalpark.

Waldbrände gehören zum kalifornischen Sommer wie Grillfeste und Strandausflüge. Es vergeht kein Jahr, in dem nicht Dutzende Häuser und Hunderttausende Hektar Wald Opfer der Flammen werden und Dörfer manchmal wochenlang evakuiert blieben. Die Forstbehörden des Bundes und des Landes stellen in jedem Frühjahr Tausende zusätzliche Feuerwehrleute ein und halten auf mehreren Flugplätzen jeweils Flotten von Löschflugzeugen und Löschhubschraubern für den Einsatz bereit.

Gelegentlich bedrohen die Waldbrände die Randbezirke von Großstädten wie Los Angeles oder San Diego. Dann wieder brechen Feuer in den hintersten Winkeln der Sierra Nevada aus, wo höchstens alle paar Wochen einmal ein Wanderer vorbeikommt. Oft sind es die Blitze aus Gewittern, die das zundertrockene Unterholz entflammen, hin und wieder sind es achtlose Camper, die ihr Lagerfeuer nicht vollständig löschen. Nur selten zündeln aber Pyromanen, denn sie können sich der Lynchjustiz sicher sein, wenn sie nicht rechtzeitig von der Polizei aufgegriffen werden, bevor die aufgebrachte Bevölkerung sie schnappt.

Feuer hinterlässt Wüste so groß wie der Bodensee

Noch ist nicht bekannt, was am Samstag vor einer Woche gegen 15.15 Uhr an einem steilen Hang in der Nähe der Forststraße 1N10 im Groveland-Rangerbezirk des Stanislaus-Staatsforstes am Westrand der kalifornischen Sierra Nevada plötzlich die Flammen lodern ließ. Gewiss ist aber, dass trotz des Einsatzes von mittlerweile mehr als 2800 Feuerwehrleuten inzwischen 542 Quadratkilometer Wald verbrannt sind - eine Fläche, die so groß ist wie der Bodensee.

Zwar ist das Brandgebiet weitgehend unbewohnt, aber in jedem Sommer halten sich dort Tausende Urlauber auf. Wanderer sind auf dem Weg zum Yosemite-Nationalpark, Angler versuchen im Tuolumne-Fluss ihr Glück, Pferdefreunde reiten auf der Suche nach Wild-West-Romantik durch die wundervollen Täler, und Mountainbiker und Motocross-Fahrer haben hier ihre Pisten. Im Moment gleicht das Gebiet jedoch einer Lavawüste, aus der nur noch verbrannte Baumstämme wie kerzengerade Statuen herausragen.

Notstand für San Francisco erklärt

Für mehr als 4500 Menschen in den angrenzenden Orten wurden Evakuierungsbefehle erteilt. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown erklärte den Notstand, allerdings nicht im Brandgebiet selbst, sondern in der 320 Kilometer westlich des Feuers gelegenen Stadt San Francisco. Deren Stadtwerke haben nämlich den Tuolumne-Fluss oberhalb des Brandgebietes zum Hetch-Hetchy-See aufgestaut. Aus ihm bezieht die Stadt am Goldenen Tor ihr Trinkwasser, und die Turbinen im O’Shaughnessy-Damm liefern einen Teil des elektrischen Stromes für die Großstadt. Die Stromversorgung wurde inzwischen gekappt, weil die Hochspannungsleitungen vom Feuer bedroht sind. Und auf den See fallen je nach Windrichtung Aschepartikeln wie sonst der Schnee im Winter. Dennoch hat das gestaute Wasser nach Angaben der Stadtwerke noch Trinkwasserqualität.

Bedroht sind auch zwei Stände der gewaltigen Mammutbäume im nahegelegenen Yosemite-Nationalpark. Obwohl der Brand bislang nur die äußerste Ecke des Parks erreicht hat, geht die Parkverwaltung kein Risiko ein. Ranger entfernen zur Zeit das Unterholz unter den Mammutbäumen. Techniker installieren unterdessen Sprinkleranlagen, um die zum Teil mehr als 1000 Jahre alten Bäume zu besprühen, falls sich die Feuerwalze tiefer in den Nationalpark frisst. Die kalifornischen Landstraßen 108 und 120, zwei der wichtigsten Passstraßen über die Sierra Nevada, sind gesperrt. Autofahrer müssen teils Umwege von 150 Kilometern in Kauf nehmen. Selbst die Spielcasinos, die Indianerstämme auf ihrem Land am Rand des Brandgebietes errichtet haben, sind leer. Entweder haben sie keinen Strom - oder die Gäste bleiben aus Sorge vor dem Feuer weg.

Waldbrand in Kalifornien © AP Vergrößern Ein Hubschrauber wirft Wasser über dem Yosemite Nationalpark ab.

Obwohl sich der Wind am Wochenende etwas abgeschwächt hat, ist noch kein Ende des Brandes abzusehen. Die Arbeitsbedingungen für die Feuerwehren, die Topographie des Geländes und die Trockenheit in dem betreffenden Waldgebiet seien extrem, teilt die Einsatzleitung mit. Obwohl die Feuerwehrleute von Löschflugzeugen und Erdschiebern unterstützt werden, leisten die meisten von ihnen Schwerstarbeit. Denn weil nicht genug Wasser herbeigeschafft werden kann, müssen die Feuerwehrleute Brandschneisen schlagen und dafür sorgen, dass sich die Glut in ausgebrannten Waldstücken nicht wieder entzündet. Dabei tragen die Männer und Frauen der Einsatzmannschaften ihr gesamtes Werkzeug sowie Schutzmasken und feuersichere Zelte in Rucksäcken mit sich herum. Abstellen dürfen sie das Gepäck nicht, denn immer wieder machen schweren Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern in der Stunde das Feuer unberechenbar.

Weil der Wind am Wochenanfang wieder auffrischen wird, könne man nicht ausschließen, dass sich das Feuer schnell in Richtung Osten ausbreitet und dann auch das Herzstück des Yosemite-Park bedroht, meinen Feuerwehrleute. Sicher ist, dass der Waldbrand, inzwischen „Rim Fire“ genannt, einer der gefährlichsten Flächenbrände in Kalifornien seit Jahren ist.

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Quelle: F.A.Z.

 
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