Windböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern in der Stunde und Temperaturen von fast 38 Grad haben die Waldbrände im Norden des Bundesstaates Colorado weiter angefacht. Nach Schätzungen der amerikanischen Forstbehörde erfasste das „High-Park-Feuer“ im Westen von Fort Collins bis zum Montag mehr als 140000 Hektar. „Viele Menschen wissen nicht, ob ihr Haus noch steht oder schon abgebrannt ist. Jeder von uns hat Freunde, die alles in den Flammen verloren haben“, sagte Kristy Wumkes, eine Sprecherin der Feuerwehr in Larimer County.
Weil das „High-Park-Feuer“ an den bewaldeten Ausläufern der Rocky Mountains bis zum Montag mindestens 180 Gebäude vernichtete, gilt es als verheerendste Feuerwalze in der Geschichte Colorados. Wie Beobachter berichten, zogen die Rauchwolken aus dem Brandgebiet des Soldier Canyon, Mill Canyon und Poudre Canyon fast 25 Kilometer weit.
Da die Windböen die bis zu 30 Meter hohen Flammen immer wieder in verschiedene Richtungen trugen, mussten Tausende Bewohner nach Evakuierungsanordnungen der Forstbehörde ihre Häuser verlassen. Viele übernachteten in Notunterkünften, die das Rote Kreuz in Schulen und Turnhallen einrichtete. „Es scheint einfach nicht aufzuhören“, sagte Darlene Little der Zeitung „Denver Post“. Mit ihren beiden Töchtern musste Little ihre Wohnung am Wochenende schon zum zweiten Mal räumen.
Nach Schätzungen des U.S. Forest Service werden die Brände, die vor zehn Tagen nach einem Blitzschlag ausbrachen, voraussichtlich noch bis zu vier Wochen weiter lodern. „In der Gegend gibt es steile Hänge und Felsvorsprünge. Sie lassen die Löscharbeiten zu einer besonderen Herausforderung werden“, sagte Feuerwehrsprecherin Wumkes. Zudem konnten die 18 Löschhubschrauber in den vergangenen Tagen wegen der Windböen nicht aufsteigen. Um den Funkenflug von Wipfel zu Wipfel zumindest zu erschweren, setzte die Einsatzleitung im Roosevelt National Forest besonders ausgerüstete Traktoren zur Baumrodung ein. Viele der bis zu 150 Jahre alten Bäume sind nach Ungezieferbefall abgestorben oder während des ungewöhnlich regenarmen Winters vertrocknet.
Während fast 1600 Feuerwehrleute weiter gegen die Flammen kämpften, setzte in den Vereinigten Staaten die Debatte um die in den vergangenen Jahren stark dezimierte Flotte der Löschflugzeuge ein. Wie die „Denver Post“ meldet, verfügt die amerikanische Forstbehörde nur noch über neun Flugzeuge, die mit Spezialtanks für Wasser und Flammschutzmittel ausgerüstet sind. Vor zehn Jahren sei die Flotte, die vor allem in bergigem Terrain eingesetzt wird, noch 44 Maschinen groß gewesen. Kritiker monieren zudem die „Überalterung“ der Flugzeuge. Das jüngste sei schon seit mehr als 50 Jahren im Einsatz. „Wir versuchen seit Jahren, die Verantwortlichen zum Umdenken zu bewegen. Falls es uns nicht bald gelingt, werden wir eine der großen Städte des Westens in Rauch aufgehen sehen“, sagte Jim Hall, der frühere Chef der amerikanischen Flugsicherheitsbehörde.