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Schaden nach „Harvey“ steigt : Nächster Hurrikan steuert auf Amerika zu

  • Aktualisiert am

Noch immer stehen viele Teile von Houston unter Wasser. Bild: AFP

Der Wiederaufbau im überfluteten Osttexas wird viel teurer als ohnehin schon befürchtet. Und: Die Hurrikan-Saison ist noch lange nicht zu Ende. Schon droht der nächste Hurrikan. Was macht „Irma“?

          Die Schadensprognosen für die durch den Sturm „Harvey“ verwüsteten Gebiete in Texas werden immer düsterer. Der Gouverneur des Bundesstaates, Greg Abbott, schätzte die Kosten für den Wiederaufbau am Sonntag auf bis zu 180 Milliarden Dollar (152 Milliarden Euro). Zugleich gilt das Augenmerk immer stärker dem Hurrikan „Irma“, der sich im Atlantik zusammengebraut hat.

          Zwar war auch am Sonntag noch völlig unklar, ob der Sturm - am Sonntag ein Hurrikan der drittstärksten von fünf Stufen - überhaupt die amerikanische Küste ansteuern wird. Mehr Klarheit werde es erst in einigen Tagen geben, betonte das Hurrikan-Zentrum in Miami. Zugleich wurde aber gewarnt, dass Einwohner in üblicherweise besonders hurrikangefährdeten Gebieten vorbereitet sein sollten. Das sind die Bundesstaaten am Golf von Mexiko, darunter Texas, Florida und die amerikanische Ostküste.

          200.000 beschädigte Häuser

          Abbott betonte in Fernsehinterviews, dass die von „Harvey“ betroffenen Gebiete und die Zahl der betroffenen Menschen weitaus größer seien als seinerzeit bei „Katrina“. Dieser Hurrikan hatte Ende August 2005 an der amerikanischen Küste am Golf von Mexiko verheerende Schäden angerichtet, New Orleans wurde fast völlig überflutet. Insgesamt starben damals bis zu 1800 Menschen. Die von „Katrina“ verursachten Kosten bezifferte Abbott auf 120 Milliarden Dollar.

          Texas nach „Harvey“ : Untersuchungen zu Explosionen in Chemiefabrik

          „Harvey“ war am 25. August auf die osttexanische Küste getroffen und hatte weite Gebiete unter Wasser gesetzt. Mittlerweile weichen die Fluten. Dadurch wird das Ausmaß der Verwüstungen immer deutlicher. Die texanische Behörde für öffentliche Sicherheit gab die Zahl der beschädigten Häuser am Sonntag mit mindestens 200.000 an, fast 13.000 seien völlig zerstört. Mehrere Tausend Menschen sind weiter in Notunterkünften untergebracht. Besonders schlimm ist die Lage noch in der südosttexanischen Stadt Beaumont: Die knapp 120.000 Einwohner haben weiter kein fließendes Trinkwasser und sind auf Hilfe von außen angewiesen.

          Chemikalien Fabrik sollen gezielt abgebrannt werden

          Derweil sollen in der überschwemmten Chemiefabrik in Texas die gefährlichen Chemikalien gezielt abgebrannt werden. Die Betreiberfirma Arkema teilte am Sonntag mit, ohne eine Verbrennung der Produkte könne nicht sichergestellt werden, dass „die Gefahr komplett beseitigt“ sei. Die Chemikalien würden sich zersetzen, seien aber weiter entflammbar. Daher sei in Zusammenarbeit mit den Behörden beschlossen worden, die Chemikalien gezielt in Brand zu setzen. Für die Anwohner bestehe keine zusätzliche Gefahr.

          In der Fabrik in Crosby nordöstlich von Houston war es am Donnerstag zu Explosionen gekommen, weil wegen der Überschwemmungen durch den Sturm „Harvey“ das Kühlsystem ausgefallen war. In der Fabrik lagert organisches Peroxid, das unter anderem für die Herstellung von Plastik gebraucht wird und extrem leicht entflammbar ist. Laut der Betreiberfirma Arkema kann der Rauch Augen-, Haut- und Atemwegsreizungen verursachen.

          Insgesamt befanden sich neun Container mit rund 225 Tonnen organischen Peroxids auf dem Gelände der Fabrik des französischen Konzerns Arkema, von denen zwei bereits brannte. Hunderte Anwohner im Umkreis von 2,4 Kilometern mussten das Gebiet verlassen.

          Unterdessen gibt es auch Anzeichen für ein Wiederaufleben der gebeutelten Regionen. So versuchten etwa in Houston am Wochenende viele Menschen, wieder in ihre alte Routine zurückzukehren, Kinderspielplätze und Restaurants waren bevölkert, und auch das städtische Baseball-Team, die Houston Astros, absolvierte gleich zwei Heimspiele - und gewann beide.

          „Irma“ ist der nächste Hurrikan

          „Irma“ steuert derweil auf die Karibik zu. Der Sturm könnte nach Vorhersagen am Dienstagabend oder Mittwoch (Ortszeit) über Teile der kleinen Antillen hinwegfegen und möglicherweise am Freitag die Bahamas erreichen. Meteorologen rechnen damit, dass er auf seinem Weg weiter erstarken könnte - vielleicht vorübergehend sogar zu einem Hurrikan der Stufe 5.

          Eine etwaige Ankunft auf dem amerikanischen Festland wäre am nächsten Wochenende oder dem folgenden Montag zu erwarten. Bisher gilt es aber als durchaus möglich, dass „Irma“ vorher nordöstlich in den offenen Atlantik abdreht.

          In den Monaten August bis Oktober werden stets die meisten Hurrikans registriert. Häufig entwickeln sich in diesem Zeitraum potentiell gefährliche Stürme, ohne dass sich Befürchtungen dann jedoch bewahrheiten. Nach „Harvey“ sind jedoch Ängste gestiegen, dass die Vereinigten Staaten gleich zwei Mal ganz kurz hintereinander direkt von einem Hurrikan getroffen werden könnten.

          Quelle: rad./dpa/AFP

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