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Unwetter : Mindestens zehn Tote sowie Vermisste auf Mallorca

Anwohner gehen nach einem schweren Unwetter über eine mit Trümmern bedeckte Straße. Bild: dpa

Auf der Urlaubsinsel Mallorca ergießen sich am Dienstagabend sintflutartige Regenfälle. Mindestens zehn Menschen kommen ums Leben. Am Mittwochabend werden noch drei Menschen vermisst. Autos werden wie Spielzeug weggespült.

          Auf einmal öffnete der Himmel seine Schleusen. Innerhalb einer knappen Stunde gingen am Dienstagabend über dem Osten der Insel Mallorca mehr als 220 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Es hatte eine Unwetterwarnung gegeben, aber niemand ahnte, dass es so schlimm kommen würde. Einen Tag später kämpfte sich wieder die Sonne aus den Wolken. Sie scheint auf ein Bild der Verwüstung. Im Katastrophengebiet, das rund 60 Kilometer von der Inselhauptstadt Palma entfernt liegt, säumen umgestürzte Bäume und weggespülte Autos die Straßen, deren Beläge zum Teil fortgeschwemmt sind. Bis zum frühen Abend bargen die Rettungskräfte zehn Tote und drei Verletzte. Drei Menschen wurden noch vermisst.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Einer Mutter war es nach Informationen des „Diario de Mallorca“ noch gelungen, ihrer acht Jahre alten Tochter aus dem Auto zu helfen, bevor die Wassermassen sie und ihren fünf Jahre alten Sohn mit sich rissen. Der Leichnam der Frau wurde mittlerweile gefunden. Von ihrem Sohn gab es bis zum Abend keine Spur. Ein Überlebender berichtete der Lokalzeitung, dass er sich in letzter Minute durch ein Fenster aus seinem Auto habe retten können. Er sei mehrere hundert Meter geschwommen, bis er in Sicherheit gewesen sei. Der Anblick sei „verheerend“ gewesen, sagte ein Polizist, der zu den ersten Rettungskräften gehörte: Der über die Ufer getretene Fluss habe alles überflutet.

          Die Einwohner von Sant Llorenç, S’Illot und Artà hatten kaum eine Chance gegen die Wassermassen, die der kleine Fluss Ses Planes plötzlich mit sich führte. Blitzschnell hatte sich sein ausgetrocknetes Bett gefüllt, und eine Flutwelle rollte mitten durch S’Illot, Artà und Sant Llorenç: Das Wasser riss Autos mit und drang in Häuser ein. Ein alter Mann, der offenbar gehbehindert war, ertrank im Erdgeschoss seiner Wohnung. Unter den Todesopfern war auch der ehemalige Bürgermeister von Artà. Mehrere Menschen kamen in ihren Fahrzeugen ums Leben. Unter ihnen waren zwei britische Touristen, die in einem Taxi unterwegs waren. Ihr Fahrer wurde am Mittwochnachmittag noch vermisst.

          Die Region soll zum Katastrophengebiet erklärt werden

          Nach Angaben der deutschen Botschaft zählten zu den Opfern und Vermissten keine deutschen Staatsangehörigen, von denen viele derzeit ihre Herbstferien auf der Insel verbringen. Am Mittwoch konzentrierte sich die Suche nach den letzten Vermissten auf den Unterlauf des Flusses und seine Mündung ins Mittelmeer.

          Heftiges Unwetter auf Mallorca. Der Osten der Urlaubsinsel ist besonders betroffen.

          Mehr als 200 Menschen mussten die Nacht in einer Sporteinrichtung verbringen. Am Mittwoch kehrten sie in ihre Häuser zurück und mussten oft erst ihre Autos suchen, die der Fluss Hunderte Meter mit sich gerissen hatte. Ministerpräsident Pedro Sánchez und Oppositionsführer Pablo Casado machten sich am Mittwoch ins Unglücksgebiet auf, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Sánchez kündigte an, die Region zum Katastrophengebiet zu erklären, damit die Einwohner so viel Hilfe wie möglich erhalten. Die Regionalregierung der Balearen forderte die Bewohner am Mittwoch zu einer Schweigeminute auf und ließ die Fahnen auf halbmast wehen. Auch die Abgeordneten des nationalen Parlaments gedachten schweigend der Opfer.

          Nach Informationen der deutschsprachigen „Mallorca-Zeitung“ klagen Behördenvertreter darüber, dass in Fluss- und Bachbetten oft Unrat und Gestrüpp nicht rechtzeitig beseitigt werden, so dass das Wasser nicht richtig abfließen könne. Oft würden die Flussläufe als wilde Müllkippen missbraucht, für die das Reinigungspersonal fehle. Rund zehn Prozent der Bewohner leben nach diesen Angaben in Gebieten mit Überschwemmungsgefahr. Trotz eines Notfallplans sei die Prävention wegen des Mikroklimas schwierig, da es oft nur lokal zu Unwettern kommt, die schwer genauer vorhersagbar seien. Am Dienstag hatte es eine erste Warnung gegeben, aber die Alarmstufe wurde am Abend dann erst kurzfristig heraufgesetzt.

          Schwere Herbstgewitter sind auf den Balearen nicht ungewöhnlich. Die schweren Regenfälle dauern schon seit Montag an. Sie begannen zunächst auf dem Festland über Katalonien, bevor sie die Balearen erreichten und am Mittwoch auch die Küste bei Málaga erfassten. Doch die Wassermassen, die über dem Osten Mallorcas niedergingen, waren mit mehr als 220 Liter Regen pro Quadratmeter außergewöhnlich – selbst im Vergleich zu Deutschland. Dort waren es im gesamten vergangenen Jahr durchschnittlich 850 Liter pro Quadratmeter.

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