Nach dem schweren Unglück am Montblanc am Donnerstag versuchen die französischen Behörden weiter zu klären, warum sich die Lawine löste und neun Menschen in den Tod riss. „Ich habe ein Gutachten bei einem Lawinenexperten in Auftrag gegeben“, sagte der zuständige Staatsanwalt Pierre-Yves Michau. Als mögliche Ursache gilt eine etwa 40 Zentimeter dicke Eisplatte. Sie könnte gebrochen sein und damit die Lawine hervorgerufen haben. Unklar blieb, ob sie von einem Alpinisten losgetreten worden war oder sich anderweitig gelöst hatte. „Wir versuchen den Familie so gut wie möglich zu erklären, warum ihre Angehörigen verunglückt sind, damit sie die Tragödie besser verarbeiten können“, sagte Vize-Bürgermeister Jean-Louis Verdier. Er sagte, es habe „keinen technischen Fehler“ gegeben.
Für diesen Samstagnachmittag ist in der Kirche von Chamonix ein ökumenischer Gottesdienst für die Lawinenopfer geplant. Bei den deutschen Todesopfern handelt es sich nach Angaben des Generalkonsulats in Lyon um zwei Männer und eine Frau im Alter von 34, 39 und 40 Jahren. Sie stammten aus Hamburg, dem sächsischen Aue und Neulußheim in Baden-Württemberg. Unter den britischen Opfern war auch der renommierte Bergführer Roger Pyne, der zu den bekanntesten Alpinisten seines Landes gehört. Seine Familie kam ebenfalls nach Chamonix, ebenso wie der britische Botschafter in Paris, Peter Ricketts, und ein Schweizer Konsul. Auch ein Vertreter des deutschen Generalkonsulats in Lyon wurde erwartet.
„Die Natur wird degradiert zu einer Art Freizeitpark“
Die Alpinisten waren in der Nacht zum Donnerstag in zwei Seilschaften von einer Hütte am Mont Maudit zu einer Bergtour auf den benachbarten Montblanc aufgebrochen. In 4000 Metern Höhe wurden die beiden Gruppen von einer Lawine erfasst. „Es war, als würde ich in einer Waschmaschinentrommel stecken“, berichtete der gerettete Bergführer Daniel Rossetto dem „Parisien“ vom Freitag. Der Dreiundsechzigjährige war am Donnerstag mit zwei dänischen Alpinisten unterwegs und kam, wie seine Kunden auch, mit nur leichten Verletzungen davon.
Die Lawine sei um 5.15 Uhr plötzlich und ohne Geräusch, „nur mit einem Hauch“, über die Gruppe hereingebrochen, sagte Rossetto. „Wir haben versucht zu widerstehen, aber das hat uns den Hang hinabgedrückt - 250 Meter unterhalb des Ortes, an dem wir uns befanden.“ Die anderen Seilschaften, die in den Tod gerissen wurden, habe er nicht gesehen, berichtet Rossetto. „Die Lawine hat auf 100 Metern Länge und 100 Metern Breite alles hinweggerissen“, wird einer der Retter, Patrice Ribes, von der Zeitung zitiert. In den bis zu sechs Metern hohen Schneemassen hätten schwere Eisblöcke gesteckt.
Währenddessen kritisierte der Polarforscher und Extrembergsteiger Arved Fuchs den Massentourismus am Mont Blanc. „Die Natur wird degradiert zu einer Art Freizeitpark“, sagte der Deutsche am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Gegen Unfälle im Alpinbereich sei niemand gefeit, dort gebe es stets Restrisiken, die oft kleingeredet würden, meinte Fuchs. Im aktuellen Fall deute vieles auf ein Unglück hin. Die Tragödie am Mont Maudit, dem „verfluchten Berg“, auf der französischen Seite des Montblanc, gilt als eines der schlimmsten Lawinenunglücke seit Jahren am Montblanc-Massiv.
Fehl am Platze
Franz Müller (Franzy)
- 14.07.2012, 07:43 Uhr
Es war die Schwerkraft
klaus keller (klkeller)
- 13.07.2012, 21:19 Uhr