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Trauer in Belgien Die Kinder kommen nicht wieder zurück

 ·  Nach dem fatalen Busunglück in der Schweiz waren die Angehörigen in Belgien und den Niederlanden für Stunden zwischen Bangen und Hoffen – Kritik gab es auch am Außenministerium.

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Siders (Sierre), der Löwener Stadtteil Heverlee und Lommel – diese Ortsnamen sind am Mittwoch in Belgien plötzlich in aller Munde. Rasch hat es sich am Morgen herumgesprochen, dass 22 der 28 bei dem Aufprall des Busses gegen eine Tunnelwand im Wallis tödlich verunglückten Personen Schüler im Alter von elf oder zwölf Jahren aus der Universitätsstadt Löwen und dem rund 100 Kilometer weiter nordöstlich gelegenen Lommel waren.

Für Stunden herrschte am Mittwoch Ungewissheit über die Identität der Todesopfer – nervenzerfetzend für die Angehörigen, die hörten, dass bei dem Unfall 24 Kinder überlebt hatten, zum Teil schwerstverletzt. Noch am Nachmittag wussten einige Eltern nicht, wie es um ihre Kinder stand. Anderen standen Tränen des Glücks in den Augen, als sie einen Anruf von Sohn oder Tochter bekamen.

Die Brüsseler Tageszeitung „Le Soir“ berichtete von einem Vater, der kurz seine mit Knochenbrüchen in einer Klinik liegende Tochter habe sprechen können. Sie habe das Unglück folgendermaßen geschildert: „Ich spürte einen harten Aufprall. Danach wurde alles dunkel. Alle Sitze lösten sich und flogen um uns herum. Ich wurde nach vorne geschleudert und zwischen zwei Sitzen eingeklemmt.“

So war die Stimmung beklemmend vor den Pforten der Grundschulen in Löwen und Lommel, an denen sich zunächst Eltern, Geschwister und andere Angehörige der verunglückten Kinder und später Schaulustige, aber auch zahlreiche aus dem nahen Brüssel herbeigeeilte Kamerateams eingefunden hatten.

Kritik am Außenministerium

„Was wir hier erleben, ist schlimmer als der schlimmste Albtraum“, sagte der Bürgermeister von Lommel, Peter Van Velthoven. Zu diesem Zeitpunkt herrschte schon Gewissheit, dass die meisten der tödlich verunglückten Kinder die sechste Klasse der örtlichen städtischen Grundschule „t’Stekske“ besucht hatten.

Dass die zwei begleitenden Lehrerinnen das Leben bei dem Unglück verloren hatten, stand zu diesem Zeitpunkt schon fest – nicht aber, welche Schüler überlebt hatten und welche ums Leben gekommen waren. Bekannt war hingegen, dass unter den 46 aus Löwen und Lommel in die Schweiz gereisten Kindern zehn mit niederländischer und jeweils eines mit deutscher und polnischer Staatsangehörigkeit war. Am Abend hieß es in der Schweiz, der deutsche Staatsangehörige sei unter den Verletzten.

Noch am Montag hatten sich Schüler aus Lommel über ihr Online-Reisetagebuch aus den „Superferien“ in der Schweiz gemeldet: „Oh, ja, liebe Daheimgebliebene, wir sind schon fast am Ende angelangt. Morgen ist schon der letzte Tag.“

Offenbar hatte sich die Gruppe aus Lommel im vorderen Teil des Busses befunden. Der Bürgermeister von Löwen, Louis Tobback, sagte, damit sei manchen Kindern aus der Gruppe der Sankt-Lambertus-Grundschule im Löwener Stadtteil Heverlee wohl noch Schlimmeres erspart worden. Tobback, ein früherer Innenminister, gehörte zu den wenigen Belgiern, die bei aller Trauer auch Unmut äußerten.

So sei es für Stunden nicht möglich gewesen, den zuständigen Stab im Brüsseler Außenministerium zu erreichen, der Fotos der Schüler zur besseren Identifizierung der Opfer in die Schweiz hätte schicken können. „Ich bin nicht böse, aber traurig“, sagte Tobback dem Fernsehsender VRT. Nur über Umwege sei es der Löwener Polizei gelungen, Fotos der Schüler mit den Namen zu übermitteln. Aus der Schweiz war indes zu hören, dass viele der Opfer so entstellt seien, dass die Identifizierung viel Zeit erfordere.

Am Nachmittag waren die Flaggen an den öffentlichen Gebäuden der Universitätsstadt Löwen, aber auch auf dem Brüsseler Atomium auf halbmast gesetzt. Premierminister Elio di Rupo kündigte einen Tag Staatstrauer für Belgien an.

Schon am späten Vormittag waren viele der Eltern der verunglückten Schüler auf dem Weg zum nahegelegenen Brüsseler Militärflughafen Melsbroek, wo sie gemeinsam mit einem Spezialistenteam für Opferidentifizierung ein Sonderflugzeug nach Genf bestiegen. Zuvor wurde ihnen am Flughafen Zuspruch von König Albert II. zuteil, der sich „zutiefst schockiert“ zeigte. Auch Königin Paola spendete den Angehörigen Trost. Für viele Mütter und Väter begann dann die schlimmste Reise ihre Lebens.

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14.03.2012, 17:30 Uhr

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