http://www.faz.net/-gum-8zxgr

Touristenregionen : Waldbrände toben in Südeuropa

  • Aktualisiert am

Waldbrände wuchern in Strozanac, in der Nähe von Split (Kroatien). Feuerwehr und Armee versuchen mit einem Großeinsatz ein Übergreifen der Flammen auf Split zu verhindern. Bild: dpa

Portugal, Spanien, Italien: In nahezu allen südeuropäischen Ländern stehen große Waldgebiete in Flammen. Ein Überblick.

          Wer wünscht sich im Urlaub nicht Sonne satt? In einigen Touristenregionen Südeuropas hat das schöne Wetter aber seine Schattenseiten. In vielen Ländern lodern derzeit Waldbrände. Auch wenn oft Brandstiftung hinter den zerstörenden Feuern vermutet wird: „Theoretisch muss man schon davon ausgehen, dass mit dem Klimawandel auch die Gefahr von Waldbränden und Graslandbränden steigt“, sagt Gerhard Lux, Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. Italien ist besonders von den Waldbränden betroffen. Anderswo sorgen andere Wetterphänomene für Ungemach. Ein Überblick:

          Die Brände verunstalten die Schönheit Italiens, befürchtet Staatspräsident Sergio Mattarella. Von der Toskana bis nach Sizilien lodern seit Wochen immer wieder Brände auf, am Mittwoch hielten an die 200 Brände die Feuerwehren in dem beliebten Urlaubsland in Atem. Schon am Montag richteten mehrere Brände in einem Pinienwald in Rom schwere Schäden an den Bäumen an - und nach Schätzungen des Landwirtschaftsverbands Coldiretti braucht es 15 Jahre, bis sich die Landschaft davon erholt. Trotz ihres Ausmaßes scheinen die Wald- und Buschbrände die Touristen aber wenig zu beeindrucken. „Derzeit haben wir keine alarmierenden Zahlen von besorgten Urlaubern und auch können wir keine Annullierungen der Buchungen verzeichnen“, sagte eine Sprecherin der italienischen Zentrale für Tourismus. Innerhalb eines Monats ist die Zahl der Brände dem Erdbeobachtungsprogramm Copernicus der Europäischen Union zufolge auf einer Fläche von rund 30 Hektar auf fast 300 angestiegen.

          In Portugal starben bei Waldbränden 64 Menschen

          Bilder eines verheerenden Waldbrandes in Portugal beherrschten im Juni tagelang die Nachrichten - nach offiziellen Zahlen starben 64 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Im Vergleich dazu ist die Lage auf der Iberischen Halbinsel derzeit ruhig - auch wenn die Einsatzkräfte auch in Portugals Nachbarland Spanien immer wieder mit Löschflugzeugen ausrücken müssen. Dort herrscht derzeit in weiten Landesteilen eine massive Hitzewelle mit Trockenheit und Temperaturen von weit über 30 Grad.

          Die Kroatische Stadt Split ist in dichten Rauch gehüllt. In der Region wüten Waldbrände. Die Feuerwehr versucht die Brände von der Stadt fern zu halten. Bilderstrecke
          Die Kroatische Stadt Split ist in dichten Rauch gehüllt. In der Region wüten Waldbrände. Die Feuerwehr versucht die Brände von der Stadt fern zu halten. :

          Gestank und dunkle Wolken als Folge von Waldbränden vermiesen den Touristen in Kroatien in der Urlaubsregion um die Adriastadt Split die Laune. Die Feuer rings um Split sind zwar gelöscht, aber die Glutnester werden die Feuerwehren noch tagelang beschäftigen. Problematisch ist vor allem der Brand auf der städtischen Mülldeponie Karepovac, von dem toxische Dämpfe aufsteigen. Meteorologen warnen vor neuen möglichen Bränden, weil eine Hitzewelle mit Temperaturen bis 40 Grad im Anzug sei.

          Millionenschäden in Griechenland durch Überflutungen

          Auch in Montenegro brannte es – etwa auf der Halbinsel Lusticadie. Die größten Brände sind inzwischen gelöscht. In der Stadt Herceg Novi gab es aber neue Feuer. Mittlerweile erreichte das kleine Land an der südlichen Adria internationale Hilfe, etwa aus der Ukraine, der Schweiz, aus Bulgarien und aus Israel. Das jüngste Nato-Mitglied hatte sich zuvor an Brüssel mit der Bitte um internationale Unterstützung gewandt.

          In Griechenland waren es trotz hoher Waldbrandgefahr in den vergangenen Wochen keine Brände, sondern ein ungewöhnlich starker Sturm, der für Ungemach sorgte. Auf der Touristenhalbinsel Chalkidiki im Norden des Landes richtete er den Behörden zufolge Schäden in zweistelliger Millionenhöhe an, auch die Stadt Larissa und die Insel Limnos wurden in Mitleidenschaft gezogen. Heftiger Regen verwandelte auf der Chalkidiki Bäche in reißende Ströme. Mehrere Pensionen und Campingplätze wurden verwüstet, auch Touristen waren betroffen. Die meisten stammen aus Bulgarien und anderen Balkanstaaten. Verletzt wurde niemand.

          Frankreich und Türkei bleiben weitgehend verschont

          Wegen Trockenheit und Hitze gibt es auch in Frankreich in der Provence und auf der Mittelmeerinsel Korsika immer wieder vereinzelt Brände. Am Dienstag brachten etwa 450 Feuerwehrmänner einen Waldbrand, der sich auf etwa 100 Hektar Wald erstreckte, in der Nähe der südfranzösischen Ferienmetropole Nizza unter Kontrolle.

          Touristen in der Türkei müssen sich hingegen wegen der Hitze keine Sorgen machen. Dort brennt es derzeit nicht – zumindest, was das Wetter betrifft.

          Quelle: dpa

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Merkel auf dem Weg auf dem Weg zum EU-Gipfel

          EU-Gipfel in Brüssel : Poker mit Erdogan

          Auf ihrem Gipfel in Brüssel beraten die EU-Staaten, wie sie den Druck auf die Türkei erhöhen können. Ein Abbruch des Beitritts ist bisher nicht in Sicht – wohl aber andere Maßnahmen.

          Christian Lindner : Demut unter der Dusche

          Der FDP-Vorsitzende legt am zweiten Tag der Sondierungen ein Buch über die Rückkehr der Liberalen vor – und seine Rolle dabei. Zudem will er einen Autoritätsverlust bei Merkel erkennen.
          Eheschließung für alle: Kritiker des Gesetzes befürchten eine schleichende Islamisierung des sozialen Lebens.

          Türkei beschließt neues Gesetz : Ehe für alle

          In der Türkei dürfen künftig auch Muftis Paare vermählen. Kritiker sehen das Gesetz als Angriff auf den Säkularismus – und befürchten eine Zunahme von Kinderheiraten.
          Ihre Bewerbung gefällt dem Kreml: die russische Journalistin Xenia Sobtschak, hier 2012 in Moskau

          Kandidatin Sobtschak : Ein Geschenk des Glamours

          Die Journalistin Xenia Sobtschak, die schon Glamour-Girl und Heldin in Reality-TV-Shows war, will bei der russischen Präsidentenwahl antreten. Das stößt auf Kritik – aus Sicht des Kremls ist ihre Bewerbung aber von Vorteil.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.