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Tödlicher Angriff Pfleger ließ Schleuse zu Tigerkäfig wohl aus Versehen offen

Eine erste Überprüfung der Technik im Allwetterzoo in Münster hat bestätigt, dass der Angriff eines Tigers auf ein Versehen des getöteten Pflegers zurückzuführen ist. Der Sechsundfünfzigjährige hatte offenbar vergessen, eine Türe zum Käfig zu schließen.

© dpa Vergrößern Tiger Rasputin nach dem tödlichen Angriff

Die Fütterung der beiden Amur-Tiger im Allwetterzoo Münster findet gegen 16 Uhr statt. Auch am Donnerstagnachmittag locken Tierpfleger das Männchen Rasputin und seine Partnerin Nely zum Fressen aus dem Auslaufgehege in zwei getrennte Käfige. Eine Schleuse verbindet das Gehege und die Käfige. Es ist reine Routine für Tierpfleger Martin H.: Sind die beiden Sibirischen Tiger in ihren Käfigen, muss er die Schleuse schließen.

Doch am Donnerstagnachmittag vergisst der 56 Jahre alte Martin H. nach bisherigen Erkenntnissen, die Schleuse zu Rasputins Käfig zu schließen. Als H. das Außengehege gegen 16.20 Uhr betritt, um es zu reinigen, sprintet der Tiger durch die Schleuse, springt ihm auf den Rücken und beißt ihm vor den Augen einiger Zoobesucher ins Genick.

Andere Pfleger schreiten sofort ein, locken den Tiger wieder in den Käfig. Doch für H. kommt jede Hilfe zu spät. „So ein Zusammentreffen mit einem Tiger ist nicht zu überleben“, sagt Zoodirektor Jörg Adler.

Nach einer ersten Überprüfung der Technik bestätigt die Staatsanwaltschaft, dass offensichtlich menschliches Versagen der Grund für den dramatischen Unfall ist. Es gibt derzeit keinen Anhaltspunkt für Fremdverschulden. Endgültige Gewissheit sollte am Freitag eine zweite Untersuchung durch den Tüv bringen. Zoodirektor Adler sagt, der alleinstehende H. sei ein erfahrener Tierpfleger gewesen. „Sein Leben war der Zoo.“ Bei allen Mitarbeitern spiele das Thema Sicherheit immer eine große Rolle. „Sie können noch so viele Alarmsysteme einbauen, am Ende steht der Mitarbeiter, der entscheidet.“

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Der Unfall in Münster erinnert an einen Tiger-Angriff im Kölner Zoo im August vor einem Jahr. Damals hatte ebenfalls ein Sibirischer Tiger eine Pflegerin in den Hals gebissen. Die Frau hatte vergessen, die Raubkatze vor der Gehegereinigung einzusperren. Allwetter-Zoo-Direktor Adler hatte damals darauf hingewiesen, dass trotz maximaler Sicherheitsstandards ein Unglück wie in Köln auch in Münster nicht hundertprozentig auszuschließen sei.

Weil am Donnerstag schon bald nach dem Unglück im Internet die Gerüchte ins Kraut schossen, wandte sich Zoodirektor Adler per Facebook an die Öffentlichkeit. „Wir haben heute einen beliebten und sehr erfahrenen Kollegen verloren und bitten um Respekt und Zurückhaltung bei Vermutungen darüber, was passiert sein könnte“, schreibt Adler. „Um Spekulationen entgegenzutreten: Die Tiger leben und werden weder eingeschläfert noch erschossen.“ Schon zuvor hatte der Direktor darauf hingewiesen, dass das Tier offensichtlich sein Revier gegen einen Eindringling habe schützen wollen und nach seinen Instinkten gehandelt habe.

Quelle: F.A.Z.

 
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