Home
http://www.faz.net/-gup-7hp18
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Tödlicher Angriff Pfleger ließ Schleuse zu Tigerkäfig wohl aus Versehen offen

Eine erste Überprüfung der Technik im Allwetterzoo in Münster hat bestätigt, dass der Angriff eines Tigers auf ein Versehen des getöteten Pflegers zurückzuführen ist. Der Sechsundfünfzigjährige hatte offenbar vergessen, eine Türe zum Käfig zu schließen.

© dpa Vergrößern Tiger Rasputin nach dem tödlichen Angriff

Die Fütterung der beiden Amur-Tiger im Allwetterzoo Münster findet gegen 16 Uhr statt. Auch am Donnerstagnachmittag locken Tierpfleger das Männchen Rasputin und seine Partnerin Nely zum Fressen aus dem Auslaufgehege in zwei getrennte Käfige. Eine Schleuse verbindet das Gehege und die Käfige. Es ist reine Routine für Tierpfleger Martin H.: Sind die beiden Sibirischen Tiger in ihren Käfigen, muss er die Schleuse schließen.

Doch am Donnerstagnachmittag vergisst der 56 Jahre alte Martin H. nach bisherigen Erkenntnissen, die Schleuse zu Rasputins Käfig zu schließen. Als H. das Außengehege gegen 16.20 Uhr betritt, um es zu reinigen, sprintet der Tiger durch die Schleuse, springt ihm auf den Rücken und beißt ihm vor den Augen einiger Zoobesucher ins Genick.

Andere Pfleger schreiten sofort ein, locken den Tiger wieder in den Käfig. Doch für H. kommt jede Hilfe zu spät. „So ein Zusammentreffen mit einem Tiger ist nicht zu überleben“, sagt Zoodirektor Jörg Adler.

Nach einer ersten Überprüfung der Technik bestätigt die Staatsanwaltschaft, dass offensichtlich menschliches Versagen der Grund für den dramatischen Unfall ist. Es gibt derzeit keinen Anhaltspunkt für Fremdverschulden. Endgültige Gewissheit sollte am Freitag eine zweite Untersuchung durch den Tüv bringen. Zoodirektor Adler sagt, der alleinstehende H. sei ein erfahrener Tierpfleger gewesen. „Sein Leben war der Zoo.“ Bei allen Mitarbeitern spiele das Thema Sicherheit immer eine große Rolle. „Sie können noch so viele Alarmsysteme einbauen, am Ende steht der Mitarbeiter, der entscheidet.“

Mehr zum Thema

Der Unfall in Münster erinnert an einen Tiger-Angriff im Kölner Zoo im August vor einem Jahr. Damals hatte ebenfalls ein Sibirischer Tiger eine Pflegerin in den Hals gebissen. Die Frau hatte vergessen, die Raubkatze vor der Gehegereinigung einzusperren. Allwetter-Zoo-Direktor Adler hatte damals darauf hingewiesen, dass trotz maximaler Sicherheitsstandards ein Unglück wie in Köln auch in Münster nicht hundertprozentig auszuschließen sei.

Weil am Donnerstag schon bald nach dem Unglück im Internet die Gerüchte ins Kraut schossen, wandte sich Zoodirektor Adler per Facebook an die Öffentlichkeit. „Wir haben heute einen beliebten und sehr erfahrenen Kollegen verloren und bitten um Respekt und Zurückhaltung bei Vermutungen darüber, was passiert sein könnte“, schreibt Adler. „Um Spekulationen entgegenzutreten: Die Tiger leben und werden weder eingeschläfert noch erschossen.“ Schon zuvor hatte der Direktor darauf hingewiesen, dass das Tier offensichtlich sein Revier gegen einen Eindringling habe schützen wollen und nach seinen Instinkten gehandelt habe.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
China Putins freigelassener Tiger macht Tierschützern Sorgen

Seitdem der von Putin freigelassene Tiger die Grenze zu China passiert hat, herrscht Aufruhr im Nordosten des Landes. Er hat fünf Hühner auf einem Bauernhof gerissen. Die Bauern fürchten sich vor dem Tier. Mehr

15.10.2014, 10:27 Uhr | Gesellschaft
Im Zoo von Yongin wird gehechelt

Nahe der südkoreanischen Hauptstadt verschaffen Tierpfleger ihren Schützlingen mit Eisbomben und kühlen Duschen Linderung. Mehr

17.07.2014, 15:09 Uhr | Gesellschaft
Strengere Richtlinien für Mode Textilbündnis entzweit heimische Modehändler

Die Bundesregierung will Modehändler zu strengen Richtlinien für die Produktion im Ausland verpflichten. Hess Natur aus Butzbach tritt dem geplanten Textilbündnis bei - die Manager der Adler Modemärkte in Haibach bei Aschaffenburg aber zögern. Mehr Von Thorsten Winter, Frankfurt

16.10.2014, 12:07 Uhr | Rhein-Main
Orang-Utan-Mutter "adoptiert" Affen-Baby

Sehr zur Freude der Tierpfleger hat eine Affenmutter in Dortmund ein Waisenkind angenommen. Der kleine Orang Utan hatte im Zoo Hannover vor kurzer Zeit seine Mutter verloren und war so zur Waise geworden. Mehr

09.05.2014, 17:12 Uhr | Gesellschaft
Vogel des Jahres Die unsichere Zukunft des Habicht

Erfolgreicher Jäger und selbst Gejagter - der Habicht ist der Vogel des Jahres 2015. Hoffentlich wird es ihn beflügeln. Mehr Von Carl-Albrecht von Treuenfels

17.10.2014, 21:08 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.09.2013, 14:53 Uhr

Mark Medlock Teure Publikumsbeschimpfung

Den DSDS-Gewinner Mark Medlock kommt die Beschimpfung des Publikums teuer zu stehen, Prinz Carl Philip von Schweden heiratet und Roberto Blanco entert eine Seifenoper – der Smalltalk. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden