Im südkoreanischen Daegu sind am Dienstag bei einem Brandanschlag auf die U-Bahn der Stadt mindestens 125 Menschen getötet. Von den 145 Verletzten schwebten einige noch in Lebensgefahr. Bislang war erst die Identität von 27 der Toten geklärt. Mitarbeiter der Stadtverwaltung erklärten, es könne Wochen dauern, bis man mit Hilfe von DNA-Tests alle Opfer identifiziert habe.
Staatspräsident Kim Dae Jung hat die Unglücksstelle zur Katastrophenzone erklärt. Eine entsprechende Weisung habe Kim nach einem Treffen mit Kabinettsministern am Mittwoch unterzeichnet, sagte eine Sprecherin des Präsidialamts in Seoul. Durch diesen Schritt haben die Opfer und ihre Angehörigen Anspruch auf finanzielle Hilfen und Steuererleichterungen. Die Stadt Daegu erhält zusätzlich staatliche Hilfe für die Aufräumarbeiten.
Bei dem U-Bahnbrand wurden nach offiziellen Angaben mindestens 125 Menschen getötet. Nach Angaben des Bürgermeisters von Daegu, Cho Hae Nyong, schließe die vorläufige Zahl der Todesopfer die Leichen von 72 Menschen ein, die in einem von zwei ausgebrannten Zugwracks gefunden wurden. Zuvor bestätigte die Polizei die Zahl von 53 geborgenen Leichen.
Täter gestand die Tat
Der mutmaßliche Attentäter überlebte. Nach Angaben der örtlichen Polizei gestand der 56-jährige Mann mittlerweile die Tat. Er geglaubte, dass es besser für ihn gewesen wäre, zusammen mit anderen Menschen statt allein zu sterben, habe der offensichtlich geistig verwirrte Mann gesagt.
Nach Augenzeugenberichten hatte der 56-Jährige am Dienstag den Großbrand ausgelöst, in dem er in einem Wagen einen Brandsatz zündete. Die Flammen sprangen auf einen zweiten einfahrenden Zug in einer Station im Zentrum über. In den beiden Zügen befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks nach offiziellen Schätzungen mehr als 400 Menschen.
Kritik an Sicherheitsstandards
Nach südkoreanischen Medienberichten vom Mittwoch waren in dem Unglücksbahnhof keine Wassersprinkler installiert. Für viele Gegenstände im Zug seien außerdem Materialien verwendet worden, die in der Hitze giftige Gase bildeten. Die meisten der eingeschlossenen Opfer erstickten oder starben durch giftige Rauchgase. Experten kritisierten weiter, dass in dem Zug nach Beginn des Brandes automatisch der Strom abgeschaltet wurde. Das habe für die meisten Insassen den Tod bedeutet, da sie nicht aus den Waggons fliehen konnten.
Fragen bestehen demnach auch hinsichtlich der zweiten Bahn, die neben dem brennenden Zug in der Station zum Stehen kam und ebenfalls vom Feuer erfasst wurde. Der U-Bahn-Betreiber hätte ausreichend Zeit gehabt, den Zug noch vor dem Brandherd zu stoppen, hieß es.
Daegu liegt 320 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Seoul. Daegu ist die drittgrößte Stadt Südkoreas und war einer der Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Die Stadt hat nur eine U-Bahn-Linie, die durch das Zentrum führt.