http://www.faz.net/-gum-9396k

Herbststurm über Deutschland : Viele Fernstrecken im Bahnverkehr bis Montag gesperrt

  • Aktualisiert am

Passanten stehen auf Wangerooge an der Abbruchkante des Badestrandes. Ein Teil der unteren Promenade, über die man direkt an den Strand gehen konnte, wurde ins Meer gespült. Bild: dpa

Das Sturmtief „Herwart“ wütet in Deutschland. Zwei Menschen sterben, zahlreiche Städte sind bis Montag vom Fernverkehr der Bahn abgeschnitten. In Wangerooge wurde der Strand weggespült.

          Tote, Verletzte und erhebliche Schäden hat das Sturmtief „Herwart“ am Wochenende in Europa hinterlassen. An der Nordsee wurde ein 63-jähriger Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank. In Mecklenburg-Vorpommern kenterte ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen - eine Frau starb. Die Suche nach einem Passagier blieb nach Angaben der Polizei Neubrandenburg bis Sonntagabend erfolglos. Mehrere Menschen verletzten sich bei Sturm-Unfällen. In Polen und Tschechien waren mindestens drei Todesopfer zu beklagen. Als der Sturm abflaute, begann vielerorts das große Aufräumen.

          Die Deutsche Bahn stoppte am Sonntag in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr. Viele Straßen wurden wegen umgekippter Bäume gesperrt. Vor allem in Nord- und Ostdeutschland entwurzelte „Herwart“ zahlreiche Bäume. Meteorologen warnten vor dem Betreten der Wälder, Zoos in Berlin und Rostock blieben geschlossen.

          Erste betroffene Strecken im Fernverkehr sollten nach Bahn-Angaben am Sonntagabend wieder zur Verfügung stehen. Vor allem rund um Hamburg wird es nach Angaben des Konzerns aber auch am Montag weiter Sperrungen geben. Einzelne Züge auf den Verbindungen Berlin-Leipzig, Berlin-Halle-Erfurt, Dortmund-Hannover und Kassel-Hannover-Hamburg sollten den Betrieb rasch wieder aufnehmen.

          Die wichtige Strecke zwischen Hannover und Berlin werde voraussichtlich ab Montagnachmittag (14.00 Uhr) wieder nach Plan befahren, ebenso die Route Hannover-Bremen-Norddeich. Dagegen dürften die Arbeiten auf den stark von „Herwart“ getroffenen Strecken Hamburg-Berlin, Dortmund-Bremen-Hamburg, Hamburg-Westerland, Hamburg-Kiel, Hamburg-Lübeck-Puttgarden, Hamburg-Rostock-Stralsund sowie Berlin-Stralsund noch länger andauern.

          Passanten stehen vor einer überfluteten Straße in der Hafencity in Hamburg. Bilderstrecke
          Passanten stehen vor einer überfluteten Straße in der Hafencity in Hamburg. :

          Zu dem Todesfall an der Nordsee erklärte die Polizei, der Mann habe mit seinem Bruder auf einem Campingplatz am Jadebusen in Niedersachsen in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen. Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festhalten. Er wurde am frühen Morgen von einer DLRG-Schlauchbootbesatzung gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot geborgen. Beide Männer stammen aus Nordrhein-Westfalen.

          Auf der ostfriesischen Insel Wangerooge wurden Massen an Sand weggespült. Der Sand am Bade- und Burgenstrand sei zu 80 Prozent verschwunden, sagte Insel-Bürgermeister Dirk Lindner (parteilos). Wegen der meterhohen Abbruchkante seien zwei Strandübergänge gesperrt. Der Lokalpolitiker fühlt sich alleingelassen. „Wir warnen seit Jahren, aber Land und Bund schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu“, kritisierte Lindner.

          Den Bade- und Burgenstrand habe die Gemeinde vom Bund gepachtet und müsse jetzt auch für die Kosten aufkommen, wieder Sand aufzuschütten. Die Schäden in anderen Bereichen der Insel könne man erst am Montag beurteilen, wenn das Nachthochwasser weg sei, sagte der Bürgermeister.

          Vor Langeoog lief ein riesiger Frachter auf Grund. Sollte die 225 Meter lange Glory Amsterdam auseinanderbrechen droht der Insel und dem nordfriesichen Wattenmeer eine starke Ölverschmutzung.

          Topmeldungen

          Nach Jamaika-Aus : Abgewählt an der Macht

          Die Bundesregierung „führt die Geschäfte“ – und zwar deutlich länger als gedacht. Wo setzt sie jetzt Schwerpunkte? Welche Grenzen zieht das Grundgesetz?
          Mauritius von oben, beliebt bei Tauchtouristen und Steuervermeidern

          Steuervermeidung : Glück und Heuchelei im Paradies

          Steuervermeidung ist eine feine Sache: Sie ist legal, hilft den Aktionären und dem Image. Manager sollten uns nur nicht vorgaukeln, sie wollten die Welt verbessern. Ein Gastbeitrag.

          Urteil gegen Ratko Mladic : Der General hat niemanden, der ihn sucht

          Am Mittwoch spricht das UN-Kriegsverbrechertribunal das letzte Urteil seiner Geschichte. Der Angeklagte Ratko Mladic konnte sich fast 16 Jahre vor seinen Richtern verstecken. Wie gelang das? Eine Rekonstruktion.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.