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Kampf um Wasser : Spanien und Portugal trocknen aus

Dürre Zeiten: Das Reservoir an der Talsperre von Entrepeñas in Spanien enthält kaum noch Wasser. Bild: AFP

Luftverschmutzung, schlechte Ernten, Waldbrände. Spanien und Portugal leiden unter extremer Trockenheit – mit verheerenden Folgen. Dabei ist die Dürre auch menschengemacht.

          Die Wolken und ein erster Kälteeinbruch täuschen. In Spanien ist kein richtiger Winter in Sicht. Auch wenn es am Dienstag leicht zu regnen begann, brachte der November nicht die ersehnten Niederschläge. Die Iberische Halbinsel leidet unter der schlimmsten Dürre seit mehr als zwei Jahrzehnten. Die große Trockenheit, die auch Marokko erfasst hat, begann schon 2016 und könnte weit ins neue Jahr reichen. Die Niederschläge, die sich nach den Vorhersagen des spanischen Wetterdiensts Aemet bis Ende 2017 am Horizont abzeichnen, werden nicht ausreichen, um die Lage zu entspannen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Immer mehr Menschen auf der Iberischen Halbinsel und im Maghreb bekommen die Folgen des ausbleibenden Regens zu spüren. Die spanische Regierung hält die Wasserversorgung nur noch bis zum Jahresende für gesichert. Ohne Einschränkungen bei der künstlichen Bewässerung werde sich die Versorgung großer Teile der Bevölkerung im kommenden Jahr kaum garantieren lassen, warnt die spanische Umweltorganisation Ecologistas en Acción. In Portugal ist die Rede von der schlimmsten Trockenheit seit 1931; die Regierung erwägt, nachts die Wasserversorgung einzustellen.

          Der einst stolze Tajo ist zu einem Symbol für die große iberische Wasserkrise geworden. Der mit gut tausend Kilometern längste Fluss der Halbinsel entspringt nordöstlich von Madrid und mündet bei Lissabon in den Atlantik. Tejo heißt der Strom in Portugal, der nun auszutrocknen und streckenweise zu einer Kloake zu verkommen droht. Schon der erste Stausee am Oberlauf gleicht seit dem Frühjahr einer Mondlandschaft. Die Talsperre von Entrepeñas, gut 100 Kilometer nordöstlich von Madrid, enthält weniger als zehn Prozent der sonst üblichen Wassermenge. Alle spanischen Wasserspeicher zusammen verfügen nur über 37 Prozent ihrer normalen Kapazität; so wenig wie zuletzt im Jahr 1995. Die Reste des Tajo sind schon bei Toledo kaum noch in der Lage, das Abwasser aufzunehmen und zu verdünnen, das aus den Zuflüssen aus dem Großraum Madrid herbeiströmt. Acht Millionen Menschen leben bis Portugal an den Ufern des Flusses, der 19große Kraftwerke antreibt.

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          Zu der dramatischen Knappheit haben nicht nur zwei sehr heiße Sommer und ein besonders stabiles Azorenhoch beigetragen – vor der Iberischen Halbinsel will auch ein besonders hartnäckiges Hochdruckgebiet nicht weichen. Es führt schon seit 2016 dazu, dass kaum noch Regenfronten vom Atlantik ankommen. Die Trockenheit ist auch zu einem großen Teil von Menschen verursacht. Eine der gravierendsten Trockenperioden der vergangenen Jahrzehnte werde durch schlechtes Wasser-Management und mangelnde Vorsorge noch verschlimmert, kritisiert Julio Barea von der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

          Die offiziellen Zahlen sprechen für sich: Die spanische Landwirtschaft verbraucht fast 85 Prozent des gesamten Wassers. Das ist auf den ersten Kilometern des Tajo gut zu beobachten. Ein in den Siebzigerjahren gebauter Kanal leitet das Wasser vom Entrepeñas-See in den Segura-Fluss. Er bewässert die Mittelmeerprovinz Murcia, wo Zitrus-Plantagen und Gewächshäuser auch im Winter den deutschen Markt beliefern. Spanien ging bisher verschwenderisch und sorglos mit dem Wasser um, obwohl es in diesem Teil Europas etwa alle zehn Jahre Trockenperioden gibt. Inzwischen ist es am Mittelmeer dauerhaft wärmer geworden. Wissenschaftler sprechen von einer Temperaturerhöhung von mindestens 1,5 Prozent.

          Wasser geht in brüchigen Leitungen verloren

          Trotzdem gelingt es Politikern und Produzenten bisher nicht, einen neuen „nationalen Pakt“ für das knappe Gut zu schließen und sich auf die regelmäßigen Dürrezeiten vorzubereiten. Die spanischen Bauern erwirtschaften nur 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erhalten aber fast das gesamte Wasser. Und die Regierung tut nichts, um die marode Infrastruktur zu erhalten oder auszubauen. Rund ein Fünftel des Wassers geht in den brüchigen Leitungen verloren. Mehr als 70 Prozent der Fläche Spaniens sind von aktuellem Wassermangel bedroht, aber Spanien gibt mehr als 50 Prozent weniger als Deutschland, Frankreich und Italien aus, um die Wasserversorgung zu verbessern. Fachleute halten Investitionen von bis zu 12 Milliarden Euro für dringend nötig.

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