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Erdrutsche in Sierra Leone : Die meisten Bewohner wurden im Schlaf überrascht

Die Schlammlawine zerstörte zahlreiche Hütten. Bild: dpa

Nach den durch heftige Unwetter ausgelösten Schlammlawinen in Sierra Leone wurden bislang 312 Tote geborgen. Unter den Opfern sollen sich mehr als 100 Kinder befinden.

          Im westafrikanischen Sierra Leone sind bei schweren Regenfällen und sintflutartigen Überschwemmungen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Die meisten Opfer hat es offenbar durch Erdrutsche in der Hauptstadt Freetown gegeben, wo ganze Siedlungen unter den Schlammmassen begraben wurden. Die Zahl der Opfer stand am Dienstag noch nicht fest, weil Rettungsmannschaften nach wie vor damit beschäftigt waren, Tote aus den Schlammbergen zu bergen. Ein Vertreter des lokalen Roten Kreuzes sprach am Dienstag allerdings von „312 Toten bislang“. Unter den Opfern sollen sich angeblich mehr als 100 Kinder befinden.

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Angesichts des Ausmaßes der Schlammlawinen gehen die Behörden in Freetown davon aus, dass die Zahl der Opfer noch drastisch ansteigen wird. Eine Quelle im Gesundheitsministerium sprach schon am Montagabend von bis zu 500 Toten. „Es ist möglich, dass Hunderte tot unter dem Geröll liegen“, sagte der stellvertretende Präsident des Landes, Victor Foh. Die Bergung der Opfer gestaltet sich ausgesprochen schwierig, weil schweres Gerät fehlt. Häufig haben die Retter nur Schaufeln, um sich durch den Schlamm zu arbeiten. Die Überschwemmungen in Sierra Leone zählen jetzt schon zu den folgenschwersten Katastrophen dieser Art in Afrika.

          Nach Ebola die zweite Katastrophe in kurzer Zeit

          Am schlimmsten getroffen hat es den Stadtteil Regent, einen Vorort von Freetown, wo in der Nacht zum Montag mehr als 100 Behausungen unter den Erdmassen verschwanden. Die meisten Bewohner seien im Schlaf überrascht worden, hieß es. Nach Angaben der sierra-leonischen Regierung wurden mehr als 3000 Menschen durch die Überschwemmungen und Erdrutsche obdachlos. Präsident Ernest Bai Koroma rief die Bevölkerung in einer Fernsehansprache am Montagabend zur „nationalen Solidarität“ auf.

          Sierra Leone : Hunderte Tote nach Erdrutsch

          Die Überschwemmungen sind die zweite Katastrophe in kurzer Zeit, die das kleine Land heimsucht. Sierra Leone war eines der drei Länder, die vom bislang schlimmsten Ausbruch der Viruskrankheit Ebola betroffen waren. Zwischen März 2014 und Januar 2016 starben in Liberia, Guinea und Sierra Leone 11325 Personen an dem hämorrhagischen Fieber.

          Bislang völlig unklar ist, warum die Wetterstationen des Landes nicht vor den heranziehenden Regenfronten gewarnt hatten. Die Monate August und September sind Starkregenzeiten in Westafrika, in denen es regelmäßig zu Überschwemmungen kommt. Die Hauptstadt Freetown ist davon immer besonders betroffen. Die in hügeligem Terrain unmittelbar an der Küste gelegene Stadt beherbergt 1,2 Millionen Menschen. Angesichts der topographischen Gegebenheiten sind das viel zu viele Bewohner. In Freetown werden Hütten errichtet, wo gerade Platz ist. Oft genug sind das die steilsten Hänge, die abgeholzt werden, um Raum für Wellblechhütten oder Bauten aus Lehmziegeln ohne Fundament zu schaffen. Erst im September 2015 waren bei ähnlichen Überschwemmungen in Freetown 15 Menschen ums Leben gekommen.

          Quelle: F.A.Z.

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