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Seebeben in der Ägäis : „Hochgradig beängstigend“

  • -Aktualisiert am

Das Seebeben in der Ägäis hatte eine Stärke von 6,7. Bild: AFP

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag bebte auf der griechischen Insel Kos die Erde. Zwei deutsche Urlauber erzählen von einer langen Nacht, zerstörten Hotels und der Angst, dass es wieder losgeht.

          Ein Seebeben der Stärke 6,7 in hat in der Nacht zum Freitag die griechischen Inseln der Dodekanes und den Südwesten der Türkei erschüttert. Besonders betroffen war die griechische Urlaubsinsel Kos: Dort kamen zwei Touristen ums Leben, 200 Menschen wurden verletzt.

          Auch viele Deutsche machen derzeit Urlaub auf Kos. Das Ehepaar Thomas Pechar, 59, und Ursula Hebel-Zipper, 55, berichtet am Telefon, was sie erlebt haben. „Es war ganz komisch: Wir sind wenige Minuten vor dem eigentlichen Beben wach geworden“, so Pechar. Er sei dann ins Bad gegangen, als der Boden plötzlich anfing, zu vibrieren. „Es gab einen großen Lärm, die Wände haben sich bewegt. Ich habe mich dann unter den Türrahmen gestellt.“ Auch seine Frau verließ das Bett, um sich unter einen Türrahmen zu stellen. Zum Glück: Das Bild über dem Bett krachte herunter.

          Die Nacht harrten sie auf dem Hoteldach aus

          Im Badezimmer stürzen die Kosmetika ins Waschbeben, die gläsernen Zahnputzbecher gehen zu Bruch. Das Paar hält aus, bis das Beben vorbei ist. Pechar und Hebel-Zipper ziehen sich notdürftig an und laufen vor das Hotel, wo sich die Gäste allmählich sammeln. „Viele wurden von dem Beben geweckt“, sagt Pechar. Die Stimmung sei sehr aufgelöst gewesen. „Dort war auch niemand, der uns helfen konnte“, berichtet Hebel-Zipper. „Wir wussten nicht, was wir tun sollten.“

          Dann beobachten sie, wie das Wasser im Hafenbecken ansteigt und allmählich ans Ufer schwappt. Da hätten viele Gäste gleich an einen Tsunami gedacht und seien davon gelaufen, so der 59-Jährige. „Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass da jetzt ein Tsunami kommt.“ Schließlich entscheidet der Nachtportier des Hotels, dass Pechar, Hebel-Zipper und acht weitere verbliebene Gäste auf dem Dach des Hotels besser aufgehoben wären. Von oben beobachten sie, wie das Wasser bis zu den Fenstern der geparkten Autos steigt. „Dann ging es plötzlich zurück, als hätte man es ausgesaugt“, berichtete Pechar. Fünf Mal sei das Wasser zurück gekommen. Sicher hätten sie sich auf dem Dach trotzdem nicht gefühlt: „Es gab mehrere Nachbeben, die man deutlich spüren konnte, etwa zehn.“ Sie fürchten, das Hotel könne einstürzen.

          Scherben und Trümmer: So sah die Hotelbar am Freitag aus.
          Scherben und Trümmer: So sah die Hotelbar am Freitag aus. : Bild: Ursula Hebel-Zipper und Thomas Pechar

          Über Stunden harren sie oben aus. „Es war hochgradig beängstigend“, sagt Hebel-Zipper. Die lange Nacht hört man ihrer Stimme an. Den Tag verbrachten die beiden mit anderen Hotelgästen in der Hotellobby und auf der Terrasse. Statisch gesehen sei ihre Unterkunft sicher, wurde ihnen gesagt. Aber im Frühstücksraum herrschte Chaos, Mamorplatten waren von den Wänden gefallen. Auch in ihrem Zimmer ist einiges zu Bruch gegangen.

          Alle Flüge nach Hause sind ausgebucht

          Die beiden sind erst vor drei Tagen auf der Insel angekommen. Gebucht haben sie knapp drei Wochen Aufenthalt. „Aber eigentlich wollen wir nur noch nach Hause“, sagt Pechar. Danach sieht es momentan aber nicht aus: Alle Flüge sind ausgebucht, ihren Reiseveranstalter haben sie bislang nicht erreicht. Pechar arbeitet als Lehrer, Hebel-Zipper ist Schulleiterin. Aus ihren geplanten Erholungsurlaub in den Sommerferien wird nun wohl nichts. „Heute wollten wir eigentlich mit dem Auto die Stadt erkunden“, sagt Hebel-Zipper. Danach ist den beiden nicht mehr zu Mute. „Das Café in der Innenstadt, in dem wir gestern waren, ist auch vollkommen zerstört worden.“

          Am Donnerstag genossen Thomas Pechar und Ursula Hebel-Zipper ihren Urlaub noch in einem Café. Das Erdbeben hat es zerstört.
          Am Donnerstag genossen Thomas Pechar und Ursula Hebel-Zipper ihren Urlaub noch in einem Café. Das Erdbeben hat es zerstört. : Bild: Thomas Pechar und Ursula Hebel-Zipper

          Besonders macht ihnen die Ungewissheit zu schaffen. „Wir sitzen wie auf einem Pulverfass“, sagt Hebel-Zipper. „Ich weiß nicht, wie ich heute Nacht schlafen soll.“ Eine Warnapp hätten sie sich heruntergeladen, aber die melde ein Nachbeben erst, nachdem es schon geschehen ist. Niemand weiß so Recht, wie es weiter geht. „Das Personal meinte zu uns, dass sie auch noch nie so ein schweres Beben erlebt hätten. Auch einen Wasseranstieg hätte es noch nie gegeben“, sagt Pechar. Nicht gerade beruhigend. Jetzt können Pechar und seine Frau nur ihr Zimmer ein wenig aufräumen – und auf eine ruhige Nacht hoffen.

          Quelle: FAZ.NET

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