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Schweres Erdbeben : Über 200 Tote in Chile - Evakuierung auf Hawaii

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Diese Straße in der Nähe von Santiago stürzte ein Bild: AP

Ein Erdbeben der Stärke 8,8 hat Chile erschüttert und über 200 Menschen das Leben gekostet. Hunderte werden noch unter den Trümmern vermutet. Präsidentin Bachelet rief den Katastrophenzustand aus. Auf Hawaii wurden aus Angst vor einem Tsunami die tiefergelegenen Küstengebiete evakuiert.

          Eines der schwersten jemals gemessenen Erdbeben hat Chile erschüttert und mindestens 214 Menschen in den Tod gerissen. Dies teilte am Samstag das
          Innenministerium in Santiago de Chile mit. Das Jahrhundertbeben am frühen Samstag erreichte die Stärke 8,8 und löste einen Tsunami aus. Für nahezu die gesamte Pazifik-Region wurde eine Warnung vor der Flutwelle ausgerufen - von Südamerika, über Hawaii bis Japan und Neuseeland. Chiles Staatspräsidentin Michelle Bachelet rief Katastrophenalarm aus.

          Auf der amerikanischen Pazifikinsel Hawaii haben die Behörden unterdessen damit begonnen, Bewohner aus tiefgelegenen Küstengebieten in Sicherheit zu bringen. Die Tsunami-Sirenen begannen am frühen Morgen sechs Uhr Ortszeit (17 Uhr MEZ) mit der Warnung. Rund 14 Stunden nach dem schweren Erdbeben in Chile erreichte dann tatsächlich eine Flutwelle die Hawaii-Inseln. Das Wasser begann sich von den Stränden zurückzuziehen, so dass Riffe freigelegt wurden - ein typisches Zeichen für einen Tsunami. Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten bestätigten, dass ihre Messinstrumente einen solcheFlutwelle vor Hawaii aufzeigten. Über etwaige Schäden war zunächstnichts bekannt. Die Bewohner der Küstenregionen waren am Samstagschon Stunden zuvor gewarnt und aus Sicherheitsgründen evakuiertworden.

          Die mächtigen Erdstöße um 3.34 Uhr Ortszeit hatten die Menschen in Chile im Schlaf überrascht. Viele rannten in Panik aus ihren Häusern und kampierten aus Angst vor Nachbeben im Freien. Das Epizentrum lag nach Angaben der amerikanischen Erdbebenwarte etwa 92 Kilometer nordwestlich der Küstenstadt Concepción. Die Erde bebte in fast 60 Kilometern Tiefe. In schneller Folge gab es mehr als 20 Nachbeben mit Stärken von bis zu 6,9.

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          Hunderte Menschen werden noch unter den Trümmern vermutet. Die Behörden rechneten damit, dass die Opferzahlen stündlich steigen. Das ganze Ausmaß der Zerstörung vor allem in der Region um die Großstadt Concepción etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago war auch Stunden nach dem Beben unklar. Der Sitz der Regionalregierung soll zerstört worden sein. Mauern von Gefängnissen und mehrstöckige Gebäude stürzten ein. „So etwas habe ich noch niemals zuvor gesehen“, sagte eine fassungslose Frau, die mit einer Wolldecke um den Schultern auf der Straße stand. Ein Fernsehreporter berichtete: „Es gibt keine Straße in Concepción, wo kein Schutt liegt. Man hört Kinder unter den Trümmer schreien.“

          Autobahnbrücke eingestürzt, Flughafen geschlossen

          Ein Erdbeben der Stärke 8,8 gilt als Großbeben, bei dem normalerweise mit vielen Opfern und schweren Verwüstungen zu rechnen ist. Noch Stunden nach dem Beben standen viele Menschen in Pazifik-Anrainerstaaten Ängste vor einem Tsunami aus. Erinnerungen an die Naturkatastrophe in Südostasien wurden wach. Weihnachten 2004 hatten Riesenwellen mehr als 230.000 Menschen getötet. Der Tsunami damals war nach einem 9,1-Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra über umliegenden Küsten hereingebrochen.

          In der Hauptstadt stürzten auch neue Autobahnbrücken ein. Die wichtigste Straßenverbindung von Santiago in die besonders betroffenen Gebiete war zunächst unterbrochen. Internet und Telefone funktionierten nicht. Die Strom-, Gas- und Wasserversorgung brach zusammen. Die Hochhäuser in Santiago hielten den heftigen Erdstößen jedoch stand.

          Pazifischer Feuerring

          Der internationale Flughafen von Santiago wurde erheblich beschädigt und für mindestens eine Woche geschlossen. Im Fernsehen waren eine eingestürzte Fußgängerbrücke zum Abflugbereich des Flughafens und heruntergefallene Deckenverkleidungen zu sehen. Die Behörden überprüften außerdem die Landebahn auf mögliche Schäden. Der Flughafenchef konnte zunächst nicht sagen, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Dies könnte auch die für den 11. März vorgesehene Amtseinführung von Bachelets gewähltem Nachfolger Sebastián Piñera behindern.

          Präsidentin Bachelet rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und zu Hause zu bleiben. Sie flog in das Katastrophengebiet und versprach den Opfern schnelle Hilfe. An der Küste nahe dem Epizentrum löste der Tsunami Überschwemmungen aus.

          Chile liegt am sogenannten „Pazifischen Feuerring“, einem hufeisenförmigen Vulkangürtel am Rande des Pazifiks. Etwa 90 Prozent der Erdbeben weltweit ereignen sich innerhalb des Feuerrings. Chile wurde 1960 vom stärksten Erdbeben seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1900 erschüttert worden. Das Beben der Stärke 9,5 verwüstete in den 60er Jahren die Stadt Valdivia, 1655 Menschen kamen ums Leben. Das jüngste Erdbeben hat nach ersten Berichten den Zugänge zu mindestens einem Bergwerk des weltgrößten Kupferproduzenten verschüttet. Chile stellt 34 Prozent der weltweiten Kupferproduktion.

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