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Erdbeben in Mexiko : „Meine Frau ist da drin und sie antwortet nicht“

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Anwohner und Rettungskräfte versuchen unter den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes in Mexiko-Stadt Überlebende zu finden. Bild: AFP

In der Hauptstadt stürzten mehrere Hochhäuser ein, in einer Schule wurden Kinder unter den Trümmern begraben. Millionen Menschen sind ohne Strom. In der Nacht zu Mittwoch gab es zahlreiche Nachbeben.

          „Schreie, Panik und Tränen“, so beschreibt die Zeitung „Cronica de Hoy“ aus Mexiko-Stadt Szenen nach dem verheerenden Erdbeben in der Stadt. Im Stadtteil Colonia Roma, westlich des Stadtzentrums, ist ein Gebäude eingestürzt, Angehörige und Freunde stehen vor den Trümmern und rufen nach den Vermissten. „Haben Sie meinen Sohn gesehen“, fragt eine Frau in Panik. „Karina, ich suche nach Karina, sie arbeitet im zweiten Stock“, sagen Bekannte des Mädchens gegenüber dem Cronica-Reporter. Sie hatten mit der Vermissten am Telefon gesprochen, doch dann brach der Kontakt ab. Sie können sie nicht mehr erreichen. Anwohner der umliegenden Gebäude bieten ihre Telefone an, bringen Lampen, Essen, Wasser und Verbandsmaterial.

          Ähnliche Szenen von Panik und Solidarität beschreibt auch ein Reporter der BBC in Mexiko-Stadt. „Meine Frau ist da drin“, sagt ein 33 Jahre alter Mann, der vor dem eingestürzten Gebäude steht und nur schwer seine Tränen zurückhalten kann. „Sie antwortet nicht und nun sagen sie uns, wir sollen die Mobiltelefone ausstellen, weil es ein Gasleck gibt.“  Mit Schaufeln und bloßen Händen versuchen die Retter derweil unter den Trümmern nach Überlebenden zu suchen.

          Jubel brandet auf, als die Helfer zwei Kinder aus einer Spalte zwischen zwei Betonwänden ziehen. Das Mädchen und der Junge haben staubige Gesichter, sie weinen, aber sie sind in Sicherheit. „Papa, bringe mich zu meinen Brüdern“, ruft Fátima. Der Vater schließt seine Tochter fest in den Arm und atmet schwer. Einer seiner Söhne ist tot, der andere wird noch vermisst. Mindestens 32 Kinder kommen ums Leben, als das schwere Erdbeben die Schule Enrique Rébsamen im Süden von Mexiko-Stadt einstürzen lässt.

          Die Rettungskräfte arbeiteten die ganze Nacht

          Die ganze Nacht versuchen Rettungskräfte, Eltern und freiwillige Helfer, weitere Kinder zu bergen. Noch immer dringen Geräusche aus den Trümmern. „Wir stehen in Kontakt mit einer Lehrerin. Sie ist verschüttet und sagt, bei ihr ist ein Schüler, der noch am Leben ist“, sagt Marine-Sprecher José Luis Vergara. „Wir tun alles, um sie lebend zu bergen.“

          Schwer beschädigte Krankenhäuser müssen evakuiert werden. Unter freiem Himmel werden Verletzte mit Infusionen versorgt. Überall liegen Menschen in den Trümmern, mit bloßen Händen wird gesucht. „Meine Familie wohnt in diesem Gebäude“, schreit eine verzweifelte Frau. „Ihre Namen sind nicht auf der Liste, sie stehen da nicht drauf“, ruft sie verzweifelt, als sie die Namen von 16 geretteten Menschen liest. „Wir wissen nicht, wie viele noch in den Trümmern sind“, sagt eine Polizistin auf der Avenida Nuevo León zu ihr. Vier Lastwagen mit Rettungskräften kommen angefahren, Freiwillige packen überall mit an.

          Mindestens 224 Menschen sind in ganz Mexiko bei dem Erdbeben getötet worden. Das sagte Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong am frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) in einem Fernsehinterview. Demnach wurden bislang 117 Tote in Mexiko-Stadt gezählt, 55 im Bundesstaat Morelos und 39 in Puebla. Der nationale Zivilschutzkoordinator gab die Zahl der Toten kurz darauf mit 226 an.

          Die Bevölkerung wurde zur Mittagszeit von dem Beben überrascht

          Angesichts der verzweifelten Rettungsmaßnahmen forderte Präsident Enrique Peña Nieto die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben: „Sofern die Häuser sicher sind, ist es wichtig, dass die Bevölkerung drinnen bleibt, um die Straßen für Krankenwagen frei zu halten und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern“, sagte er in einer Videobotschaft. Oberste Priorität habe nun die Suche nach Vermissten und die medizinische Versorgung der Verletzten. Mexikos Innenminister Osorio Chong rief dazu auf, das Handynetz nicht zu strapazieren, man brauche es für Notrufe. Der Bürgermeister von Mexiko-Stadt, Miguel Ángel Mancera, teilte mit, dass wie bei Terroranschlägen der Safety Check von Facebook aktiviert worden sei, damit Angehörige sich vergewissern können, ob ihre Liebsten in Sicherheit sind. In der Metropole und im Umland leben über 20 Millionen Menschen.

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