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Riskante Rettung in Thailand : Auf einmal schauen alle hin

Abgeschirmt: Ein Hubschrauber bringt die geretteten Kinder am Montag ins Krankenhaus. Bild: AFP

In zwei Tagen gelingt es einer Gruppe aus erfahrenen Tauchern, acht Kinder aus der überfluteten Höhle in Thailand zu befreien. Wie haben sie das geschafft? Und warum fiebert die ganze Welt mit?

          Am Sonntagabend hörte Namhom Boonpiam den Namen ihres Sohnes. Fast drei Wochen hatte sie da bereits vor der gefluteten Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands ausgeharrt, in der ihr Kind zusammen mit elf anderen Jugendlichen und einem Betreuer eingeschlossen war. Neun Tage lang hatte es kein Lebenszeichen von der Fußballmannschaft gegeben. Die Mutter wartete zusammen mit anderen Angehörigen immer weiter im strömenden Regen in einem Zelt. „Mein Sohn ist ein starker Junge. Ich habe noch Hoffnung“, sagte sie Reportern, drei Tage nachdem die Mannschaft mit dem Namen „Die Wildschweine“ am 23. Juni zu dem verhängnisvollen Ausflug aufgebrochen und von einem Sturzregen überrascht worden war. Immer weiter hatten sich die elf bis 16 Jahre alten Jugendlichen und ihr 25 Jahre alter Betreuer in die Höhle zurückgezogen, am Ende saßen sie vier Kilometer entfernt vom Eingang fest.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Als es Taucher am Sonntagabend tatsächlich geschafft hatten, die ersten vier Jugendlichen zu befreien, saß Namhom immer noch im Regen vor der Höhle und sagte: „Ich habe seinen Namen gehört: Mongkhol.“ Ob ihr Sohn wirklich zu den vier fittesten Jugendlichen gehörte, die von einem Team aus 18 Tauchern als Erste aus der Höhle geführt wurden, bestätigte ihr zunächst niemand. Auch Supaluk Sompiengjai, die Mutter eines Sechzehnjährigen, sagte: „Wir haben gehört, dass vier Jungen draußen sind, aber wir wissen nicht, wer sie sind.“ Niemand unter den an der Höhle wartenden Eltern sei informiert worden. Das Warten ging weiter.

          Angefangen hatte die Katastrophe, die zu einer aufwendigen Rettungsaktion führte, mit dem leichtsinnigen Fehler der Jugendlichen und ihres Betreuers. Sie kannten die Höhle zwar schon, hätten den Ausflug aber nicht in der Regenzeit, die noch bis Ende Oktober geht, wiederholen dürfen. Vor dem Eingang steht ein Schild, das darauf hinweist. Einen Wächter gibt es nicht, dafür hat die Behörde für Nationalparks zu wenig Personal.

          Auf Freude folgte Ernüchterung

          Dass die Jugendlichen überhaupt gefunden wurden, haben sie hochspezialisierten britischen Höhlentauchern zu verdanken. Nachdem neun Tage lang jede Spur von den Jungen gefehlt hatte, schafften die ehrenamtlichen Helfer aus Großbritannien, woran thailändische Marinetaucher vorher gescheitert waren: Sie fanden die Mannschaft, die sich in einen trockenen Teil der Höhle gerettet hatte und, vier Kilometer vom Ausgang entfernt, neun Tage lang ohne Licht und fast ohne Nahrung ausgekommen war. Die Videoaufnahmen, auf denen die Jugendlichen ins Licht der Kamera blinzelten, gingen um die Welt.

          Schnell wurde die Freude von Ernüchterung abgelöst. Niemand wusste, wie man die Jugendlichen aus der Höhle befreien sollte. Bohrversuche blieben erfolglos, ein alternativer Eingang wurde nicht gefunden und dann kam auch noch ein ehemaliger thailändischer Marinetaucher in der Höhle ums Leben. Er hatte Atemluftbehälter in ein Lager gebracht, das in einem Bereich der Höhe lag, der nicht geflutet war. Auf dem Rückweg ertrank er in einem nur 15 Meter langen Abschnitt. Obwohl diese Strecke vergleichsweise kurz ist (die längste Tauchstrecke ist 400 Meter lang), gilt sie als die gefährlichste, weil sie einen engen Knick macht.

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