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Rettung in Thailand : Das Unmögliche möglich gemacht

Freiwillige Helferinnen freuen sich über die Nachricht, dass alle aus der Höhle gerettet werden konnten. Bild: Reuters

Auch die letzten fünf Fußballer sind aus der Höhle in Thailand gerettet. Die Freude über das glückliche Ende ist grenzenlos. Die Rettungsaktion soll zum Vorbild für das ganze Land werden.

          Am Ende durfte Ivan Karadzic nicht mehr in die Höhle. Ein Arzt verbot dem dänischen Taucher, sich mit seinen Kollegen noch mal stundenlang durch die verwinkelten, stockdunklen, kilometerlangen und teilweise überfluteten Gänge zu kämpfen, um am Dienstag auch die letzten fünf verbliebenen Mitglieder der Fußballmannschaft „Die Wildschweine“ zu retten. Karadzic war am Sonntag noch Teil des „Dreamteams“ aus 18 Spezialtauchern gewesen, denen es gelang, die ersten vier Jugendlichen aus der Tham-Luang-Höhle in Nord-Thailand zu befreien. Danach sah er stark abgemagert aus. „Ich konnte mich nicht mal erinnern, mit wem ich da gesprochen habe“, sagt er der „Bild“-Zeitung am Dienstagmorgen. „Seit Tagen schlafe ich nur zwei bis drei Stunden in der Nacht. Wenn ich im Bett liege, kreisen meine Gedanken.“

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Trotz dieser Strapazen brach am Dienstag um 10.08 Uhr Ortszeit zum dritten und letzten Mal ein Team aus internationalen Spezialisten auf, um die Jugendlichen zu retten. Die thailändischen Navy Seals schrieben auf Facebook; „Heute werden wir endlich alle zusammen feiern. Hooyah!“ 17 Tage war es da schon her, dass die elf bis 16 Jahre alten Jugendlichen und ihr 25 Jahre alter Trainer einen Ausflug in die Höhle unternommen hatten und von schweren Regenfällen überrascht worden waren.

          Neun Tage saßen sie fast ohne Essen im Dunkeln, dann wurden sie von Tauchern entdeckt. Am Sonntag und Montag gab es die nächsten kleinen Wunder: Taucher befreiten jeweils vier Jugendliche. Und am Dienstagabend war das Drama tatsächlich vorbei. Gegen 19 Uhr Ortszeit schrieben die Navy Seals: „Alle dreizehn Wildschweine sind aus der Höhle. Wir sind uns nicht sicher, ob das ein Wunder ist oder wissenschaftlich erklärbar.“

          Damit hatten die Marinetaucher ein Versprechen gehalten, das sie einem ehemaligen Kollegen gegeben hatten, der am Freitag in der Höhle ertrunken war: „Er wird nicht umsonst gestorben sein.“ Saman Gunan war ums Leben gekommen, als er Atemluftflaschen in die Höhle gebracht hatte. Die brauchten die Spezialtaucher, damit ihnen und den Kindern die Luft auf dem vier Kilometer langen Weg nicht ausging. Wie riskant es alleine war, die Flaschen in die Höhle zu bringen, beschrieb ein Taucher dem Sender CNN: „Die Steine in der Höhle sind rasiermesserscharf. Es ist sehr eng. Es ist sehr kalt. Das ist die härteste Mission, die wir je ausgeführt haben.“ Der Leiter der Rettungsaktion, Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn, sagte am Dienstagabend: „Wir haben geschafft, was andere für unmöglich hielten.“ Die Rettungsaktion solle Menschen im ganzen Land als Vorbild dafür dienen, was man zusammen erreichen könne. Dann erklärte er den gestorbenen Taucher Saman Gunan zum „Helden der Tham-Luang-Höhle.“ 

          „Als wären das unsere Kinder“

          Spätestens nach dem Tod des Tauchers hatten sich viele gefragt: Wie sollten die Kinder, die zum Teil nicht mal schwimmen konnten, das schaffen? Aber am Ende zeugte der Unfall wohl vor allem davon, mit welch riesigem Aufwand und selbstlosem Einsatz die Rettungsaktion vorbereitet wurde. Warum so viele Menschen ihr Leben für die Kinder riskierten, erklärte der Taucher CNN so: „Wir fühlen uns alle, als wären das unsere Kinder, die in der Höhle sind.“

          Dieses Gefühl herrschte auch bei den Hunderten Freiwilligen vor, die vor der Höhle ausharrten, umsonst Essen kochten, Haare schnitten, Massagen verteilten und sich um die Angehörigen kümmerten. Das war allerdings nicht nur hilfreich: Das Chaos wurde irgendwann so groß, dass die Armee das Camp am Sonntagmorgen räumte.

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