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Rheintalbahn gesperrt : Vier Wohnhäuser an Bahnstrecke in Rastatt geräumt

  • Aktualisiert am

Abgesenkte Bahn-Gleise auf der Strecke zwischen Karlsruhe und Baden-Baden bei Rastatt Niederbühl Bild: dpa

Eine der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Verbindungen ist gesperrt – mitten in der Haupturlaubszeit. Hintergrund sind Bauarbeiten, die Gleise absacken ließen. Genau das sollte mit einer speziellen Technik eigentlich verhindert werden.

          Eine „Weltpremiere“ hatten die Verantwortlichen versprochen, am Samstagvormittag passierte dann genau das, was durch diese Premiere eigentlich verhindert werden sollte: Auf der Rheintalbahn zwischen Rastatt und Baden-Baden sackten die Gleise ab. Seitdem fährt kein Zug mehr auf einer der meistbefahrenen Strecken Deutschlands und einer der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Verbindungen. Die Gleise sackten über einem Tunnel ab, der darunter gerade gebohrt wird.

          Die Strecke wird mindestens bis zum 26. August gesperrt sein. Mitten in der Hauptreisezeit müssen deswegen Tausende Urlauber unter anderem am Bahnhof in Karlsruhe ihre Schnellzüge verlassen und in Regionalzüge oder Busse umsteigen. Zwischen Rastatt und Baden-Baden geht es dann in zwölf Bussen weiter. Für gestrandete Fahrgäste stellte die Bahn in der Nacht zum Sonntag in Karlsruhe und Offenburg Hotelzüge bereit.

          Im Hauptbahnhof Karlsruhe warten Fahrgäste vor dem Informationsschalter.
          Im Hauptbahnhof Karlsruhe warten Fahrgäste vor dem Informationsschalter. : Bild: dpa

          Noch schlimmer kam es am Montag dann für die Bewohner von vier Einfamilienhäusern, die entlang der Strecke evakuiert wurden. Sie seien in Hotels untergebracht worden, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung am Montag. Die Bahn habe die Räumung am Wochenende aus Sicherheitsgründen organisiert, informiert worden sei das Rathaus in Rastatt von der Bahn bislang nicht. Nach Angaben der Polizei verließen die Bewohner freiwillig die Häuser.

          Um den Zugverkehr aufrecht zu erhalten, wurde der Boden eingefroren.
          Um den Zugverkehr aufrecht zu erhalten, wurde der Boden eingefroren. : Bild: Bahn

          Hintergrund für die Probleme waren Bauarbeiten an einem Tunnel, der bei Rastatt auch unter der bestehenden Rheintalbahn hindurchführen soll. Die Vorbereitungen für dieses Vorhaben liefen seit einem Jahr, als besonders heikel galt die Stelle unter den Gleisen, an denen es jetzt zu Problemen kam. „Diese Bauphase ist eine ganz besondere Herausforderung, denn zwischen Tunnelvortriebsmaschine und Oberfläche liegen lediglich fünf Meter“, hieß es in einer Bahnmitteilung von Ende Mai laut der „Badischen Zeitung“.

          Der Boden wurde eingefroren

          Damit sich der Boden dort keinen Zentimeter bewegt, griff man zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: Er wurde eingefroren. Dafür wurden laut Bahn Rohre verlegt, in denen eine Kühlflüssigkeit (Sole) mit einer Temperatur von bis zu minus 33 Grad Celsius zirkuliert. So bilde sich mit der Zeit um die Gefrierrohre herum ein Frostkörper, der sich schließlich mit denen der anderen Rohre verbinde, sodass sich ein Eisring bildet. Das Bodenwasser werde dadurch nicht nur verfestigt, das Eis übernehme zugleich eine abdichtende Funktion. Die Erde sollte eigentlich so lange auf minus 35 Grad Celsius tiefgefroren werden, bis die Tunnelwände stehen. „Wir hoffen, dass es so klappt, es gibt ja keine Erfahrungswerte mit einem Eisring im Boden“, sagte der Leiter des Projektes laut den „Stuttgarter Nachrichten“ vor ziemlich genau einem Jahr bei der Vorstellung der so titulierten „Weltpremiere“.

          Die Bahn erklärte am Montag, es müsse jetzt von Experten untersucht werden, was genau das Absinken des Bodens verursacht habe. „Spekulationen sind jetzt die schlechteste Möglichkeit.“ Die Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 werfen der Bahn angesichts der schweren Panne bei den Bauarbeiten an der Rheintalbahn aber schon jetzt eine zu hohe Risikobereitschaft vor. „Ich bin der Auffassung, dass man die ganzen Risiken, die man kennen müsste, systematisch unterschätzt und eventuell die Wirksamkeit der Maßnahmen dagegen überschätzt“, sagte Roland Morlock von den Ingenieuren 22, die sich aus Sicht ihres Berufsstandes mit der Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart befassen. Dieses Verhalten gelte für den Ausbau der Rheintalbahn wie für Stuttgart 21.

          Quelle: sede./dpa

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