http://www.faz.net/-gum-pyvt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
Best Ager - Für Senioren und Angehörige

Veröffentlicht: 31.01.2005, 19:26 Uhr

Prozeß Sogar Beton schmolz im Montblanc-Tunnel

Wer trägt die Schuld an dem verheerenden Brand im Montblanc-Tunnel vor sechs Jahren? Ein Prozeß, der im französischen Bonneville begonnen hat, soll Klarheit bringen.

© AP Verteidiger schützt Mandant: Lastwagenfahrer Degrave

Mit einem großen Medienaufgebot hat am Montag der Prozeß um die Feuerkatastrophe im in dem 11,6 Kilometer langen Tunnel Montblanc-Tunnel vor fast sechs Jahren begonnen. 39 Menschen starben, als am 24. März 1999 ein Lastwagen mitten in dem Tunnel zwischen Frankreich und Italien in Brand geriet. 16 Personen und Institutionen müssen sich nun wegen fahrlässiger Tötung verantworten.

Das Verfahren dürfte bis zu drei Monate dauern, vermutet man in den Justizbehörden. Die Schuldfrage in diesem Prozeß um die Feuerkatastrophe im Montblanc-Tunnel dürfte einiges Kopfzerbrechen bereiten. Beobachter des Verfahrens mit mehr als 50 Fachleuten und gut 60 Anwälten befürchten einen „Krieg der Experten“, denn bislang hat sich keiner der Beschuldigten auch nur zu einer Teilschuld bekannt. Die italienischen Tunnelbetreiber haben zwar 13,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Angehörigen der Opfer eingezahlt, betrachten dies allerdings nicht als Schuldeingeständnis.

Mehr zum Thema

Brand erst nach drei Tagen gelöscht

Dichte Rauchschwaden und toxische Dämpfe behinderten damals die Feuerwehr. Die meisten der Opfer erstickten und starben in ihren Fahrzeugen. Erst nach drei Tagen konnte der verheerende Brand gelöscht werden, der im Tunnel sogar Beton zum Schmelzen gebracht hatte.

Beweismaterial und Prozeßakten © AP Vergrößern Beweismaterial und Prozeßakten

Einer der wichtigsten Angeklagten ist der belgische Fahrer des Lastwagens. Es war die achtlos weggeworfene Zigarettenkippe des heute 62 Jahre alten Manns, die in dem Fahrzeug den Brand verursachte. Gilbert Degrave fühlt sich allerdings unschuldig: Er wolle bei dem Verfahren nicht als Sündenbock herhalten, sagte er vor einigen Tagen. Auch der Lastwagenhersteller Volvo sitzt auf der Anklagebank: Ein besseres Isolierungsmaterial im Fahrzeug hätte die gefährliche Funkenentwicklung im Keim ersticken können. Den französischen und italienischen Tunnelbetreibern wird vorgeworfen, nicht genügend für die Sicherheit im Tunnel getan zu haben. Die italienischen Tunnelbetreiber zahlten am vergangenen Donnerstag 13,5 Millionen Euro in einen Fonds für die Angehörigen der Opfer ein. Allerdings betrachtet die Tunnelgesellschaft diese Zahlung keineswegs als Schuldeingeständnis.

Nach Ansicht des Verteidigers der Opferangehörigen trifft die Tunnelbetreiber sogar die Hauptschuld an der Katastrophe. Das damalige Belüftungssystem habe wie ein Blasebalg gewirkt und die Flammen- und Rauchentwicklung noch begünstigt, hieß es in einem Zwischenbericht französischer Fachleute 1999. Durch die Frischluftzufuhr an der Unglücksstelle seien die Flammen weiter angefacht worden. Statt dessen hätte Rauch abgesaugt werden sollen. Dies könnte das rasche Ausbreiten der Flammen erklären.

„Mehr als vorhersehbares“ Unglück

Für den Anwalt der Angehörigen der Opfer, Alain Jakubowicz, ist dieser Prozeß die "traurige Chronik einer angekündigten Katastrophe". Das Unglück sei "mehr als vorhersehbar" gewesen. Die Tunnelbetreiber hätten aus Profitstreben die Sicherheit des Tunnels vernachlässigt. Für seine Mandanten erhofft er sich "nichts weiter als die Wahrheit, warum das alles passiert ist".

Die Wahrheit zu ermitteln, wird wohl viel Zeit in Anspruch nehmen, allein die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ist 180 Seiten lang. Schon die Organisation dieses gewaltigen Prozesses hat die bescheidenen Justizeinrichtungen der 10.000-Einwohner-Ortschaft Bonneville in den französischen Alpen gesprengt. Auftreten werden mehr als 200 Kläger und Nebenkläger, und für jede Sitzung werden 500 bis 600 Personen erwartet. Weil das Gerichtsgebäude viel zu klein ist, wurde die Festhalle des Ortes entsprechend umgerüstet.

Flitterwochen in der Südsee Pippa Middleton auf den Spuren Marlon Brandos

Pippa Middleton und James Matthews verbringen ihre Flitterwochen auf einer luxuriösen Südseeinsel, Papst Franziskus war nie ein guter Fußballspieler, und ein Richter hat über das Erbe von Prince entschieden – der Smalltalk. Mehr 5

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage