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Plattentektonik vor Chile Das Beben kam nicht unerwartet

Das schwerste Erdbeben auf dem Globus seit mehr als fünf Jahren kam nicht von ungefähr. Denn gerade für Chile haben Verschiebungen der Platten vor der südamerikanischen Küste immer besonders schwere seismische Folgen.

© F.A.Z. Vergrößern

Bei dem Erdbeben, das am frühen Samstagmorgen im Süden Chiles schwere Zerstörungen anrichtete und in weiten Teilen Südamerikas zu spüren war, handelt es sich um das schwerste Beben auf der Erde in den vergangenen fünfeinhalb Jahren. Mit einer Magnitude von 8,8 war es unwesentlich schwächer als das Erdbeben vor Sumatra, das am zweiten Weihnachtstag 2004 den verheerendsten Tsunami seit Menschengedenken ausgelöst hatte. Das Sumatra-Beben hatte damals eine Stärke von 9,1. Auch dem jüngsten Beben, dessen Epizentrum in der Nähe der chilenischen Küstenstadt Concepción lag, folgte ein Tsunami.

Geologisch sind sich die beiden Starkbeben von Sumatra und Chile sehr ähnlich. Beide Erdstöße ereigneten sich unterhalb eines Tiefseegrabens, in beiden Fällen brach die Erdkruste auf einer Länge von etwa 1000 Kilometern. Und sowohl Indonesien als auch Chile gehören zu den am meisten durch Erdbeben gefährdeten Ländern der Welt. Die Ursache des jüngsten Bebens und seiner zahlreichen Nachbeben ist der Zusammenstoß der südamerikanischen Platte mit der Nazca-Platte, die sich unter dem größten Teil des Südostpazifiks erstreckt. Diese beiden Platten bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von acht Zentimetern im Jahr aufeinander zu. Die Nazca-Platte besteht nahezu ausschließlich aus ozeanischer Erdkruste und ist deshalb wesentlich dichter als die aus kontinentalen Gesteinen aufgebaute südamerikanische Platte. Als Folge gleitet die leichtere südamerikanische Platte über die schwerere Nazca-Platte hinweg und drückt sie dabei unter einem Winkel von etwa 30 Grad in den Erdmantel. Auch vor Sumatra gibt es eine solche „Subduktionszone“, nur dass dort die schwerere Erdkruste des Indischen Ozeans unter den riesigen eurasischen Kontinent taucht.

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In der Region war es viel zu lange verdächtig ruhig

Wenn solche ozeanischen Platten in den Erdmantel gedrückt werden, verbiegen sie sich nicht nur. Sie ziehen auch die vorderste Front der kontinentalen Platte mit. Weil ihr Gestein aber starr ist und nur wenig Plastizität aufweist, entstehen dabei starke mechanische Kräfte, die immer größer werden, je mehr die Platte nach unten gedrückt wird. Übersteigen diese Kräfte die Bruchfestigkeit des Gesteins, kommt es zu einem Erdbeben. Dabei schnellt die nach unten gebogene kontinentale Platte in Bruchteilen von Sekunden um einige Meter nach oben. Bei dieser äußerst rasanten Bewegung entstehen seismische Wellen, die am Samstag noch im 350 Kilometer vom Erdbebenherd entfernten Santiago schwere Zerstörungen angerichtet haben. Ereignet sich das Beben unter Wasser, kann die rückschnellende Bewegung der Erdkruste einen Tsunami auslösen.

Infografik / Erdbeben in Chile © F.A.Z. Vergrößern

Der Zusammenstoß der beiden Platten findet auf der gesamten Länge der Westküste Südamerikas statt. Da Chile aber mit etwa 3500 Kilometern die längste Pazifikküste aller Länder Lateinamerikas besitzt, besteht dort auch das größte Risiko, dass es im Kollisionsbereich zu einem Bruch kommt. So ereigneten sich entlang der chilenischen Küste immer wieder schwere Beben mit Magnituden von mehr als acht, beispielsweise in den Jahren 1906, 1943 und 1985. Etwa 300 Kilometer südlich des Herdes des jetzigen Bebens lag auch der Herd des schwersten Erdbebens, das je mit Seismometern gemessen wurde: Vor fast genau 50 Jahren, am 22. Mai 1960, wurde der Süden Chiles von einem Beben der Magnitude 9,5 heimgesucht.

Das Erdbeben von Samstag kam nicht unerwartet. Während sich unter vielen Abschnitten der chilenischen Küste in den vergangenen hundert Jahren schwere Beben ereigneten, war die Region um Concepción in dieser Zeit verdächtig ruhig. Die vom Verbiegen der Nazca-Platte ausgelösten mechanischen Spannungen konnten sich über viele Jahrzehnte ansammeln und nun auf verheerende Weise entladen.

Quelle: F.A.Z.

 
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