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Nach „Sandy“ Lange Schlangen für Benzin und Mahlzeiten

 ·  In den Vereinigten Staaten wird während der Aufräumarbeiten erste Kritik am Krisenmanagement laut. Die Zahl der Todesopfer an der amerikanischen Ostküste steigt.

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© AFP Trotz der Zerstörungen durch den Hurrikan „Sandy“ lieben die New Yorker ihre Stadt.

An der amerikanischen Ostküste ist die Zahl der Todesopfer des Wirbelsturms „Sandy“ weiter gestiegen. Bis Donnerstag wurden nach offiziellen Angaben 98 Leichen geborgen, davon 40 in New York. Allein im Stadtteil Staten Island, der am Montag von einer Flutwelle überrollt worden war, kamen 20 Menschen ums Leben. Heimatschutzministerin Janet Napolitano wollte Staten Island am Freitag besuchen. Dort sind Klagen von Einwohnern laut geworden, der gegenüber Manhattan liegende Bezirk sei von der Politik vergessen worden. Bilder aufgebrachter Bürger könnten kurz vor den Wahlen am Dienstag die Pläne der Politiker durchkreuzen.

In den weiterhin von der Stromversorgung abgeschnittenen Vierteln New Yorks wurde zudem eine fehlende Polizeipräsenz kritisiert. Einwohner äußerten sich besorgt über die Sicherheit auf den Straßen und in den U-Bahnen. Dennoch sind schon 41 Personen wegen Plünderungen von der Polizei festgenommen worden. Auf den Straßen Manhattans patrouillierten Mitglieder der Guardian Angels, einer Freiwilligentruppe, die sich den Kampf gegen die Kriminalität zum Ziel gesetzt hat.

Strom und Benzin sind die größten Probleme

Die Aufräumarbeiten gehen derweil weiter. Das Pentagon entsandte 300 Marineinfanteristen und Seeleute sowie 17 Flugzeugladungen mit Hilfsmitteln und technischem Equipment, um die Stromversorgung der Stadt zu verbessern. Die Nationalgarde verteilte mehr als 290.000 Mahlzeiten und und 523.000 Flaschen Wasser. Das Verteidigungsministerium kündigte an, dass eine weitere Million Mahlzeiten auf dem Weg sei.

Die Bewohner der Ostküstenmetropole und die Bewohner des angrenzenden New Jersey haben auch mit dem Fehlen von Benzin zu kämpfen. Bei vielen Tankstellen sind die Vorräte aufgebraucht und dort wo es noch etwas gibt, bildeten sich teils kilometerlange Schlangen, die von der Polizei beaufsichtigt werden mussten. Der öffentliche Nahverkehr fährt unterdessen langsam wieder. Busshuttles fuhren Leute von außerhalb Manhattans auf die Insel und auch der U-Bahn-Verkehr lief langsam wieder an.

Die amerikanische Küstenwache stellte derweil die Suche nach dem vermissten Kapitän des gesunkenen legendären Dreimasters „HMS Bounty“ ein. Das für den Film „Meuterei auf der Bounty“ mit Marlon Brando gebaute Schiff war am Montag während des Wirbelsturms „Sandy“ in schwerer See vor der amerikanischen Ostküste gesunken. 14 Besatzungsmitglieder wurden gerettet, eine Frau wurde bewusstlos aus dem Wasser gezogen und starb wenig später im Krankenhaus.

Prominente wollen helfen

Die Hilfsarbeiten werden überschattet von Streitigkeiten um die Austragung des New-York-Marathons. Die 43. Auflage des Langstrecken-Klassikers durch alle fünf New Yorker Stadtteile am Sonntag ist umstritten. „Den Marathon zu laufen ist nicht das, was die Stadt jetzt braucht“, schrieb die Tageszeitung „New York Daily News“. „Die Show muss nicht weitergehen“, hieß es bei ESPN.com in Anspielung auf die Steh-auf-Mentalität, die vor allem Bürgermeister Michael Bloomberg verbreitete.

Bloomberg tritt vehement für die Austragung des Laufes ein, weil er die Wirtschaft der Stadt stimulieren könne. „Es fällt uns nicht leicht, wir treten unsere Aufgabe schweren Herzens an“, sagte Renndirektorin Mary Wittenberg. Ihre New York Road Runners (NYRR) hatten vor dem Hurrikan damit gerechnet, rund 34 Millionen Dollar für 300 Wohltätigkeitsorganisationen zu sammeln. Jetzt, so Wittenberg, wolle man das Rennen vor allem als Plattform für Charities nutzen, die direkt den von „Sandy“ betroffenen Menschen helfen. Unter dem Motto „Race to recover“ haben die NYRR den angestrebten Spenden-(Marathon) eröffnet. Die Organisatoren gaben bekannt, mindestens eine Million Dollar oder aber 26,20 Dollar (ein Marathon entspricht 26,2 Meilen) für jeden der mehr als 40.000 erwarteten Starter zu stiften.

Geld für die Betroffenen wollen auch Prominente sammeln. Für Freitagabend (Ortszeit) kündigte Bon Jovi gemeinsam mit Stars wie Sting, Billy Joel und Bruce Springsteen ein Benefiz-Konzert in New York an, bei dem Spenden für die „Sandy“-Geschädigten gesammelt werden sollten. Das Leid der Menschen löste eine weltweite Welle der Hilfsbereitschaft aus. Bürger, Unternehmen und Prominente spendeten bereits fast 20 Millionen Dollar (rund 15 Millionen Euro).

Die Todeszahlen in der Karibik steigen

Unterdessen zeigte sich, dass die Karibik, besonders die Inseln Kuba und Haiti, härter von „Sandy“ getroffen wurden, als bisher angenommen. Es werde Jahre dauern, bis sich der Osten Kubas von den Schäden erholt habe, sagte die Generalsekretärin von Caritas Kuba, Maritza Sánchez, am Dienstag (Ortszeit). Die Stadt Santiago de Cuba und benachbarte Gemeinden seien vom Hurrikan am Donnerstag vergangener Woche praktisch zerstört worden. Hilfe für den Wiederaufbau bekommt Kuba derzeit vor allem aus Russland.

Sturmschäden in der Karibik: „Sandys“ vergessene Opfer

In Haiti, das vom Hurrikan lediglich gestreift wurde, korrigierten die Behörden die Opferzahl auf 54 Tote nach oben. Hilfsorganisationen warnten zudem vor einer drohenden Knappheit an Lebensmitteln, weil der Hurrikan im Süden des Landes rund 70 Prozent der Ernte zerstört habe. Die prekäre sanitäre Lage lässt außerdem ein abermaliges Aufflammen der Cholera-Epidemie in Haiti befürchten, die seit ihrem Ausbruch 2010 mehr als 7500 Menschenleben forderte.

Bürger fühlen sich alleine gelassen

Nach Angaben der kubanischen Regierung wurden alleine in der Stadt Santiago mehr als 130.000 Häuser stark beschädigt oder zerstört. Hinzu kommen große Ernteausfälle sowie massive Schäden an Schulen, Krankenhäusern und auch Kirchen. Präsident Raúl Castro legte bisher keine umfassende Bilanz vor und sprach von einer schwierigen Situation.

Kubas Opposition warf der Regierung vor, das Ausmaß der Katastrophe zu verschweigen. Zu den bisher elf Todesopfern kommen gemäß verschiedener Berichte von Dissidenten mindestens ein Dutzend Menschen hinzu, die beim Einsturz eines baufälligen Gefängnisses an der Ostküste ums Leben kamen. In Ostkuba sei zudem die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln angespannt.

Unabhängige kubanische Journalisten, die über die Lage in Ostkuba berichteten, wurden von den Behörden zeitweise festgenommen. Ihren Berichten nach kam es seit dem Hurrikan wiederholt zu Plünderungen, so etwa in zerstörten Tourismusanlagen. Bürger beklagten sich, sie würden von den Behörden alleine gelassen.

Quelle: FAZ.NET mit dpa/epd/Bloomberg
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