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Nach Forscher-Unglück : Bayerns Innenminister will Riesending-Höhle schließen

  • -Aktualisiert am

Gerettet: Um 11.44 Uhr brachten die Helfer Johann Westhauser an die Oberfläche. Bild: dpa

Nach der Rettung des schwer verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser aus den Tiefen der Riesending-Höhle fordert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Schließung des Eingangs.

          Aus Sorge vor neugierigen Touristen nach der Rettungsaktion an der Riesending-Höhle bei Berchtesgaden will Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) deren Eingang verschließen lassen. „Technisch ist es einfach und rechtlich halte ich es angesichts der extremen Gefahren, die damit verbunden sind, für geboten“, sagte Herrmann am Donnerstag in Berchtesgaden. Er fürchte, dass mancher, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit auf die Idee komme: „Das muss ich mir jetzt anschauen, was da los war. Das führt dazu, dass Leute in die Höhle einsteigen, die überhaupt nicht die Fähigkeit haben. Dem vorzubeugen halte ich für absolut notwendig.“ Der Minister dankte den Rettern und lobte die „vorbildliche internationale Solidarität“, die die Rettung des Höhlenforschers Johann Westhauser möglich gemacht hatte.

          Am Donnerstag um 11.44 Uhr erreichte der Rettungstrupp mit Johann Westhauser den Eingang der Riesending-Höhle – 11 Tage, 10 Stunden und 14 Minuten nach dem Steinschlag, bei dem der erfahrene Höhlenforscher am Pfingstsonntag schwere Verletzungen am Kopf erlitten hatte. Ein Ärzteteam untersuchte Westhauser noch am Höhleneingang in rund 1800 Metern Höhe, wo in den vergangenen Tagen eine notfallmedizinische Station eingerichtet worden war. Anschließend wurde der 52-Jährige mit einem Hubschrauber in die Unfallklinik nach Murnau geflogen. Ein so lange weitgehend unversorgtes Schädel-Hirn-Trauma gilt als medizinisches Neuland. Normalerweise hätte Westhauser umgehend nach dem Unfall auf eine Intensivstation gebracht und entsprechend medizinisch versorgt werden müssen.

          Der Unfall in der Riesending-Höhle hat die Retter an ihre Grenzen gebracht. „Die Bergwacht Bayern konnte sich so einen Einsatz bis zum Pfingstsonntag nicht vorstellen“, erklärte Klemens Reindl, der Gesamteinsatzleiter der Bergwacht Bayern am Donnerstag in Berchtesgaden. Und Norbert Brunner, der Vorsitzende der Bergwacht fügte hinzu: „In den vergangenen zwölf Tagen wurde ein Kapitel alpine Rettungsgeschichte geschrieben. Noch an den ersten Tagen der Rettung haben wir gezweifelt, dass diese Rettung gelingen kann.“ Doch von Tag zu Tag wurden die Zweifel weniger und die Hoffnung nahm zu.

          Allein 202 Retter in der Höhle

          Möglich gemacht haben diesen Erfolg 728 Einsatzkräfte, die im Umfeld der Höhle gezählt wurden und die 202 Retter in der Höhle: davon 42 aus Österreich, 24 aus der Schweiz, 89 aus Italien, 20 aus Kroatien und 27 aus Deutschland. Sie haben den verunglückten Höhlenforscher mit Muskelkraft aus der Höhle gebracht. Von Hand zu Hand haben sie den an einer Spezialtrage fixierten Mann weitergegeben, ihn durch enge Felsspalten befördert oder an Seilen die bis zu 180 Meter hohen Schächte hinaufgehievt. Dabei sind auch die Retter ein erhebliches Risiko eingegangen. Wie der Unfall von Westhauser gezeigt hat, lauern selbst bei größter Umsicht Gefahren in dem Labyrinth aus Canyons, Schächten und verwinkelten Gängen.

          Es war ein Rettungseinsatz wie aus dem Lehrbuch. Nach dem Notruf am Pfingstsonntag um 14.28 Uhr wurde eine beispiellose Rettungsmaschinerie in Gang gesetzt, die die spektakuläre, ebenfalls in internationaler Zusammenarbeit organisierte Rettung Claudio Cortis 1957 aus der Eiger-Nordwand, weit übertraf.

          Bei der Rettung von Johann Westhauser aus der Riesending-Höhle am Untersberg griff ein Rädchen perfekt in das andere, so wie es die Retter in ihren Übungen oft trainiert und bei ihren Einsätzen angewendet haben. „Wir sind das ruhig und zielgerichtet angegangen“, erzählt Stefan Bauhofer von der Bergwacht Berchtesgaden, der kurz nach dem Notruf mit einem Team in das Riesending eingestiegen war und die Erstversorgung des Schwerverletzten übernommen hatte. Ein erfahrener Höhlenforscher sei dabei gewesen, der sich in der Höhle auskannte. Gemeinsam mit ihm hat das erste Team den Weg für die nachfolgenden Retter markiert. Natürlich habe ein besonderer Druck auf ihm und seinen Kameraden gelastet. „Aber das sind wir auch von unseren Bergrettungseinsätzen gewohnt“, sagt Bauhofer. Drei Tage war der Bergwacht-Mann in der Höhle, bis er von Höhlenrettern aus der Schweiz abgelöst wurde.

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