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Nach dem Beben in Bam „Ja, da unten ist jemand"

Tage nach dem Erdbeben in Bam werden noch Verschüttete aus den Trümmern geborgen. Einige Rettungsmannschaften waren schon abgereist, andere hatten die Hoffnung nicht aufgegeben: eine Reportage aus der Wüstenstadt.

© REUTERS Vergrößern Bam in der Satellitenaufnahme - vor (l) und nach dem Beben

„Wir haben einen gefunden, jemand, der lebt", schallt es durch das Lager der Rettungsmannschaften. Sofort eilen einige Männer herbei und scharen sich um ein Funktelefon. „Wo? Wer kennt genau die Adresse?" ruft ein dänischer Rettungshelfer. Die Männer rufen durcheinander und wenige Sekunden später rennen sie durch die Dunkelheit zu den Ausrüstungszelten.

„Hunde - wartet auf die Hunde!" Rasmuss Engelbrecht, Leiter der dänischen Spürhundestaffel, und seine Männer verstauen in Windeseile ihre Ausrüstungen auf die Wagen. Niemand hatte damit gerechnet, am sechsten Tag abends in der Dunkelheit so einen Anruf zu bekommen. Doch selbst sechs Tage nach dem verheerenden Erdbeben in der Wüstenstadt Bam werden noch vier Verschüttete aus den Trümmern geborgen. Einige Rettungsmannschaften waren schon abgereist, andere hatten die Hoffnung nicht aufgegeben, Überlebende zu finden. Auch eine dänische Hundestaffel fuhr am Silvesterabend noch einmal in die zerstörte Stadt.

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Zwei Minuten, wir brauchen noch zwei Minuten

Ein 22 Jahre alter Iraner, der Mohammed heißt, glaubt, die Adresse zu kennen. Er wird von den Dänen in den Wagen gezerrt. „Zwei Minuten, wir brauchen noch zwei Minuten!" schreit Rasmuss, und alle hiefen atemlos ihre Geräte auf die Ladefläche des Pick-ups. Sie springen auf die Wagen, und schon rasen sie auf die Straße, hupen, kämpfen sich den Weg durch den Stau der Fahrzeuge, die mit Möbeln vollbepackt die Stadt verlassen. Die Vereinten Nationen schätzen, daß es bis zu 60.000 Flüchtlinge sind, die nach und nach den staubenden Trümmern und den Zelten den Rücken kehren. Sie quartieren sich bei Verwandten oder in den Flüchtlingslagern vor der Stadt ein. Die toten Angehörigen wurden begraben - 34.000 sollen es schon sein -, fast alle in Massengräbern.

bam buddeln © REUTERS Vergrößern „Da holen sie nur noch Leichen raus”, sagen Rettungshelfer

Die kälteste Nacht seit dem Beben

Die Autos der Rettungsmannschaften haben endlich freie Fahrt. Eisiger Wind schneidet in die Gesichter, es gibt Minustemperaturen, und jede Minute zählt bei dieser Eiseskälte. Es wird die kälteste Nacht seit dem Beben, und kaum jemand wird eine sechste Nacht unter den Schuttmassen aushalten können. Das Militär und die Polizei an den Straßensperren in der Stadt lassen die Rettungstrupps schnell durchfahren. Schon lange ist die Stadt militärisch abgesperrt, Plünderer machen sich über den Haushalt der zerstörten Häuser her, und versuchen, Lebensmittel, Heizgeräte und Altkleider von den Lastwagen der Hilfstrupps zu stehlen, die bis in die Nacht hinein die Überlebenden versorgen.

Plötzlich hält der Wagen "Rechts oder links?" ruft Mohammed. "Sie haben was von einer Moschee gesagt." - "Es gibt an dieser Straße in beiden Richtungen eine Moschee." Rasmuss Engelbrecht telefoniert fieberhaft mit dem Lager, Mohammed fragt die Umstehenden an den Straßen. Wenige Sekunden später folgt die Rettungsmannschaft Mohammeds Weisungen in eine kleine Seitenstraße oder das, was von ihr übriggeblieben ist. Ein Bulldozer hat die Trümmer auf der Straße geräumt und den Rest plattgewalzt. So schaukeln die Wagen des Rettungstrupps über den Schotter und bleiben schließlich vor den Trümmern eines Hauses stehen, hell erleuchtet von der iranischen Feuerwehr, deren Männer fieberhaft im Schutt schaufeln.

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