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Liberia : Ebola ist wieder da

In Liberia ist wieder ein Mensch an Ebola gestorben. Bild: AP

Offiziell galt die Ebola-Epidemie in Liberia als besiegt. Im trügerischen Glauben sicher zu sein, sind viele Menschen in ihren Alltag zurückgekehrt und missachten wichtige Schutzmaßnahmen. Nun ist ein junger Mann an dem Virus gestorben.

          Sieben Wochen, nachdem die Ebola-Epidemie in Liberia offiziell für beendet erklärt wurde, ist wieder ein Mensch an der Krankheit gestorben. Bei dem Toten handelt es sich um einen 17 Jahre alten Jungen aus einem Ort rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Monrovia entfernt. Wie er sich infizierte, ist zur Zeit noch ungeklärt. Dass er sich auf einer Reise angesteckt habe, schließen die Behörden aus. „Der Junge hat sein gewöhnliches Umfeld in den vergangenen Wochen nicht verlassen“, sagte die liberianische Gesundheitsminister Bernice Dahn.

          Liberia : Neue Ebola-Fälle

          Familie und Bekannte in Quarantäne

          Thomas Scheen †

          Politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Nairobi.

          Der Ort, aus dem er stammt, wurde unter Quarantäne gestellt. Das liberianische Gesundheitsministerium teilte mit, alle Verwandten und Bekannten des Toten seien identifiziert und isoliert worden. Um wie viele Personen es sich dabei handelt, wurde allerdings nicht mitgeteilt. Mitarbeiter eines Gesundheitszentrums nahe der Hauptstadt Monrovia, in das der Siebzehnjährige gebracht worden war, wurden den Angaben zufolge ebenfalls unter Quarantäne gestellt. Mehrere traditionelle Heiler, die zuvor erste Behandlungen an dem Jungen vorgenommen hätten, seien aber noch auf der Flucht.

          Die im Dezember 2013 ausgebrochene Ebola-Epidemie in Westafrika ist die schlimmste seit Entdeckung des Virus im Jahr 1976 im kongolesischen Regenwald. 11200 Menschen starben in Guinea, Liberia und Sierra Leone an dem hämorrhagischen Fieber. Insgesamt zählte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 27500 Infizierte in den drei Ländern. Sie geht aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Erkrankungen sehr viel höher ist. Liberia verzeichnete mit 4800 Toten die höchste Zahl an Ebola-Opfern.

          Sorgloser Umgang mit Risikofaktoren

          Die Behörden in den drei Ländern hatten in den vergangenen beiden Monaten stets davor gewarnt, dass Ebola nicht deshalb besiegt sei, weil keine neuen Fälle entdeckt wurden. Doch diese Botschaft ist offenbar nicht angekommen. Im Gegenteil. Besonders in Liberia verhalten sich die Menschen wieder so, als habe es die Epidemie nie gegeben. Das beste Beispiel dafür ist der drastisch angestiegene Konsum von Wildfleisch. Affen, Antilopen, Nagetiere, Flughunde und Waschbären – alles, was der Wald hergibt, findet sich auf liberianischen Märkten zum Verkauf. Dabei stand am Beginn der Epidemie in Westafrika mutmaßlich der Kontakt eines Mädchens mit einem infizierten Flughund. Diese Tierart gilt als Ebola-Wirt.

          Dabei muss man nicht einmal Flughund verzehren, um sich zu infizieren. Affen beispielsweise, die Früchte fressen, an denen vorher ein Flughund genagt hat, stellen ein ähnlich großes Risiko dar. Das amerikanische „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC), das alle bisherigen Ebola-Epidemien in Afrika untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass am Anfang jedes Ausbruchs „das Schlachten, die Zubereitung beziehungsweise der Verzehr von Wildtieren“ stand.

          Menschen verzehren wieder Wildtierfleisch

          Auf dem Höhepunkt der Epidemie hatte die liberianische Regierung den Verkauf von Wildfleisch unter Androhung von Gefängnisstrafen verboten. Doch in dem Moment, in dem Liberia für frei von Ebola erklärt wurde, tauchten auf den Märkten und an den Straßen wieder Verkäufer mit toten Wildtieren auf. Die Logik dahinter ist von sagenhafter Schlichtheit: Weil es kein Ebola mehr gibt, kann auch das Wildfleisch nicht länger schlecht sein.

          Die liberianischen Behörden beschlagnahmen zwar alles Wildfleisch, das sie auf Märkten finden, aber die Strafen schrecken nicht mehr ab. Wildfleisch ist schmackhafter als Fisch und preiswerter als Schweine- oder Rindfleisch. Außerdem: Der Konsum von Wildfleisch ist so alt wie die Besiedlung Afrikas. Alleine deshalb kann aus Sicht der Kunden nichts falsch daran sein, eine Riesenratte wie ein Agouti auf den Grill zu legen.

          Quelle: F.A.Z.

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