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Manchester : Ein Tierheim brennt und Tausende spenden

  • -Aktualisiert am

Wahre Tierliebe: ein Freiwilliger nimmt gespendete Decken entgegen. Bild: Reuters

Die Briten sind tierlieb – aber dieser Fall ist auch im Land der Katzenfreunde, Hundehalter und Birdwatcher einzigartig. Nach dem Brand eines Tierheims kam über Facebook ein Millionenbeitrag zusammen.

          Es begann mit einem Brandanschlag auf das „Manchester Dogs’ Home“ am Donnerstagabend. Mindestens 60 Hunde kamen in den Flammen um. Und es wäre noch schlimmer gekommen, wenn nicht zwei Männer unter Lebensgefahr in das brennende Gebäude gestürmt wären und 20 Hunde gerettet hätten. Ein 15 Jahre alter Junge wurde festgenommen und auf Kaution freigelassen.

          Sofort riefen die „Manchester Evening News“ zu Spenden auf. Binnen 24 Stunden kam eine Million Pfund (1,25 Millionen Euro) zusammen. Im Durchschnitt gab jeder Spender zehn Pfund. „Es mag nicht viel sein“, schrieb eine Julia Howard über ihren Beitrag, „aber wenigstens etwas, um den armen, wehrlosen Tieren, die dieses tragische Ereignis überlebt haben, etwas zu helfen – und in Gedenken an die, die ihr Leben auf solch qualvolle und ungerechte Weise verlieren mussten.“

          Kirche zur Tierheimzentrale umfunktioniert

          In den sozialen Netzwerken machte die Aktion Karriere. Kurzerhand organisierte man Sammelstationen in der ganzen Stadt. Wohlfahrtsverbände, Tierschutzvereinigungen und Hunde-Dienstleister boten sich als Boten für spontane Zuwendungen an. Tausenden nahmen es dankbar an.

          Die Christchurch-Kirche im Stadtteil Harpurhey wurde zur Tierheimzentrale umfunktioniert, in der man Hundebetten, Futter und Decken abgeben kann. Am Wochenende stapeln sich die Sachspenden bis zur Decke, während ehrenamtliche Helfer bemüht sind, der vielen Spender Herr zu werden.

          Emma und Darren Gouldmartin aus dem zehn Kilometer entfernten Newton, bringen zwei Berge Vlies-Mäntel, Decken, Hundefutter und Leinen. „Wir haben selbst zwei Hunde“, sagt Emma. „Einer davon ist hier aus dem Tierheim. Das macht die Sache für uns besonders tragisch.“ Der 19 Jahre alte Curtis aus Glossop kommt mit vier Freunden, um gut 20 Kilogramm Dosenfutter abzugeben. „Es hat mir das Herz gebrochen, als ich davon erfuhr.“ Sein Freund Lewis fügt hinzu: „Alle arbeiten ehrenamtlich für das Tierheim. Und es ist kein Geld für den Wiederaufbau da.“

          Erfahren haben sie von der Aktion über Facebook, wie die meisten. Ruth Hulme, eine freiwillige Helferin, meint: „Da sieht man, wie schnell man über dieses Medium viele Leute erreichen kann.“ Am Freitag hatte sie Futter gespendet, um dann zu bleiben und zu helfen. „Ich habe keinen Platz, um noch mehr Tiere aufzunehmen, und kein Geld, um zu spenden. Aber ich möchte mich trotzdem nützlich machen.“

          Engagement ist Ehrensache in England

          Dutzende wurden spontan von Spendern zu freiwilligen Helfern – ehrenamtliches Engagement wird in Großbritannien großgeschrieben. Selbst die Verantwortlichen des Tierheims sind sprachlos angesichts der Zuwendungen.

          Besser erklären kann es das Centre for Philanthropy an der University of Kent. „Tierorganisationen gehören neben Kinderhilfswerken und medizinischer Forschung zu den beliebtesten wohltätigen Zwecken“, sagt Eddy Hogg, der über die Spendenbereitschaft der Menschen forscht. „Damit können sich die Spender am ehesten identifizieren – sie haben selbst Haustiere oder Kinder, oder sie haben einen Angehörigen, der an einer Krankheit leidet.“

          Die letzten großen Spendenaktionen scheinen diese Beobachtungen zu bestätigen. Erst vor kurzem hatte die „Ice Bucket Challenge“ auf den britischen Inseln Spendengelder in Höhe von zehn Millionen Pfund aufgebracht. Und die Kampagne #nomakeupselfies, bei der sich Frauen ungeschminkt fotografieren, die Bilder ins Netz stellen und Geld spenden, brachte der Krebsforschungsorganisation Cancer Research UK acht Millionen Pfund ein.

          Im Fall des Tierheims von Manchester erkennt Eddy Hogg einen weiteren Faktor: die Unmittelbarkeit. „Für die Spender ist ihr Beitrag – ob in Form von Geld oder Sachleistungen – direkt greifbar. Futter, Decken, Spielzeug, Fressnäpfe oder auch Bargeld können schon am gleichen Abend oder am nächsten Morgen erkennbar von Nutzen sein.“

          Dieses Gefühl beschreibt auch Lucy, 42, die aus York angereist ist, um Futter, Decken und eine Hundebox abzugeben. „Auf der ganzen Welt herrscht gerade so viel Elend, dem man hilflos gegenüber steht“, sagt sie. „Ich spende auch für die Menschen in Gaza. Aber hier kann ich wenigstens direkt einen Beitrag leisten.“

          Quelle: F.A.Z.

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