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Lawinenunglück am Mount Everest : Der Gipfel ruft

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Es geht nicht nur um Geld: Sherpas verhandeln am Donnerstag am Everest-Basislager mit Abgesandten der nepalischen Regierung Bild: AP

Auch nach der Tragödie am Mount Everest ist ein Streik der Sherpas unwahrscheinlich – schon deshalb, weil sie das Geld brauchen.

          Am Mount Everest werde die Entscheidung den Bergsteigern überlassen: Steigt hinauf, wenn ihr könnt, und wenn ihr es nicht schafft, packt eure Sachen und fahrt nach Hause. Dies sagte der nepalische Tourismusminister Bhim Acharaya gegenüber den etwa 300 ausländischen Bergsteigern am Donnerstag bei seinem Besuch im Everest-Basislager auf 5350 Meter Höhe. Doch die Versuche des Ministers, die Expeditions-Saison zu retten, bekamen am Freitag einen Dämpfer, als weitere Sherpas ihre Sachen packten und das Basislager verließen.

          Der Konflikt trat offen zutage nach dem Unglück am Karfreitag, bei dem 16 nepalische Sherpas und Hochträger ums Leben kamen. Es hätte jeden treffen können. Wer sich in der Natur bewegt setzt sich Risiken aus. Im steilen, vergletscherten Gelände ist das Risiko ungleich höher. Der Zeitpunkt, zu dem Lawinen abgehen, Eismassen abbrechen und Eistürme in sich zusammenfallen, kann nicht genau vorhergesagt werden. 2008 waren acht Bergsteiger am Mont Blanc du Tacul von einer Lawine erfasst und tödlich verletzt worden.

          Vergleichsweise gut bezahlt

          Im Juli 2012 kamen neun Bergsteiger am Mont Maudit im Mont-Blanc-Massiv ums Leben, im September 2012 elf Bergsteiger am Manaslu (8163 Meter). Dass der zerklüftete Khumbu-Eisbruch am Fuß des Mount Everest besonders tückisch ist, wusste schon die Expedition von Edmund Hillary, dem Erstbesteiger des Mount Everest. „Atom Bomb area“, „Mike’s Horror“ und „Hillary’s Horror“ lauten die Namen, die sie Teilen des Eisbruchs gaben. Dort kommen immer wieder Menschen ums Leben. Auch die erste amerikanische Everest-Expedition verlor 1963 einen Teilnehmer durch einen in sich zusammenbrechenden Sérac.

          Bergsteiger, die das Ziel Mount Everest vor Augen haben, gehen dieses Risiko genauso ein wie die einheimischen Bergführer und Hochträger, die vom Expeditionstourismus leben. Einigen hat die vergleichsweise gutbezahlte Arbeit am Berg zu einem gewissen Wohlstand verholfen, der es ihnen ermöglicht, ihren Kindern eine Ausbildung zu finanzieren und sie sogar zum Studium ins Ausland zu schicken. Dort haben die jungen Leute auch gelernt, unternehmerisch zu denken. Das hat auch zu einem Wandel der Mentalität geführt. Die Diskussion, ob die Expeditionen fortgesetzt werden sollen oder nicht, ist deshalb keine Frage der Sicherheit. Womöglich ist der Aufstieg jetzt sogar sicherer als vor der Lawine aus Eis und Schnee.

          Hinter dem Hin und Her steckt weit mehr. Die jungen Sherpas wollen nicht mehr die Diener der ausländischen Bergsteiger sein, sie wollen eine bessere soziale Absicherung und vor allem wollen sie das wirtschaftliche Potential des Berges selbst nutzen. In den vergangen zwei Jahrzehnten, in denen das Everest-Bergsteigen eine wahre Blüte erlebte, haben einige Veranstalter Millionen daran verdient. Bei Preisen von bis zu 70.000 Euro, die manche Veranstalter für den Everest in Rechnung stellen, und Gipfelgebühren von 10.000 Dollar, die an die nepalische Regierung gehen, wollen auch die Sherpas, die pro Saison etwa 4000 Euro verdienen, mehr haben. Und sie möchten mehr mitbestimmen.

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