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Bergung von „Glory Amsterdam“ : Angekoppelt und abgeschleppt

Der Hochseeschlepper „Fairmount Summit“ zieht die „Glory Amsterdam“ gemeinsam mit einem zweiten Schlepper von der Sandbank vor Langeoog. Bild: HANDOUT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Die Bergung des 225 Meter langen Frachters „Glory Amsterdam“ ist geglückt. Zwei Schlepper haben das im Sturm gestrandete Schiff vor der Insel Langeoog in tieferes Wasser gezogen. In Wilhelmshaven soll es nun überprüft werden.

          Der vor der Nordseeinsel Langeoog havarierte Schüttgutfrachter „Glory Amsterdam“ schwimmt wieder. Am Donnerstagmorgen gelang es den beiden Hochseeschleppern „Fairmont Summit“ und „Union Manta“ bei auflaufendem Wasser, den Frachter in tiefere Gewässer zu ziehen, nachdem 16.000 Tonnen Ballastwasser abgepumpt worden waren und das Schiff an Tiefgang verloren hatte.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Drei kleinere Hafenschlepper brachten das Boot danach nach Wilhelmshaven, wo das Schiff nun überprüft werden soll. Aufgrund der defekten Ruderanlage des 225 Meter langen Frachters dauert die Fahrt in diesen nahen Hafen mehrere Stunden. Schäden am Schiffskörper wurden bisher nicht festgestellt.

          Die unter der Flagge Panamas fahrende „Glory Amsterdam“ mit ihren 22 Mann Besatzung hatte sich am Wochenende wegen des Herbststurms „Herwart“ vor Helgoland von seiner Ankerposition losgerissen und war auf die Küste zugetrieben. Versuche, den manövrierunfähigen Frachter abzuschleppen, schlugen fehl; immer wieder brach die Schlepptrosse. Schließlich lief das Schiff Kilometer vor Langeoog auf Grund.

          „Glory Amsterdam“ : Havarie auf der Nordsee

          Umweltschützer befürchteten, die 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel an Bord der „Glory Amsterdam“ könnten das ökologisch hochsensible Wattenmeer verschmutzen. Die Bergungsspezialisten entschieden sich jedoch gegen ein Abpumpen der Kraftstoffe, da der Schiffskörper keine Schäden aufwies. Das havarierte Schiff wurde regelmäßig von einem Ölüberwachungsflugzeug überflogen, das keinen Austritt von Schadstoffen registrierte. Die Schlepper „Fairmont Summit“ und „Union Manta“ sind Teil der Flotte des niederländischen Reedereikonzerns Boskalis, zu dem auch das Bergungsunternehmen Smit Salvage gehört. Beide Schlepper mussten eigens angefordert werden.

          „Das passende Material ist nicht immer um die Ecke und verfügbar“, sagte Michael Friedrich, Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven, dazu. Über eine 1500 Meter lange Trosse konnte sich die „Fairmount Summit“ dann an den Frachter koppeln. Dafür brachte das Hilfsfahrzeug „Hurricane“ die Schleppleine vom Schlepper im Tiefwasserbereich zum Havaristen im Flachwasserbereich, wie die „Nordwest-Zeitung“ am Donnerstag berichtete.

          Mit Blick auf die Zukunft werden aufgrund des Vorfalls verschiedene Forderungen erhoben. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) spricht sich für eine Verschärfung von Vorschriften aus. Die Besatzung der „Glory Amsterdam“ sei vermutlich schlecht ausgebildet gewesen; zudem habe es Verständigungsschwierigkeiten mit ihr gegeben. „Ich halte es für notwendig, die Sicherheitsvorschriften für die Schifffahrt zu verschärfen, insbesondere was die Ausbildung der Crews an Bord angeht“, sagte der Minister. „Seeleute müssen auch in solchen Extremsituationen handlungsfähig sein.“

          Der Bürgermeister der Insel Langeoog, Uwe Garrels (parteilos), erkannte Mängel beim Havariekommando, das der Bund und die Küstenländer gemeinsam unterhalten. „Wenn es nicht mal gelingt, einen unbeladenen Frachter, der auf die Küste zutreibt, innerhalb von sechs Stunden zu stoppen, dann läuft etwas schief“, sagte Garrels. Das Havariekommando wies den Vorwurf zurück und verwies auf die extreme Wetterlage.

          Bild: F.A.Z.

          Quelle: F.A.Z.

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