Home
http://www.faz.net/-gup-6y4yj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Kapitän der „Costa Concordia“ Schettino schlug auch Wellen in Warnemünde

Der Kapitän des verunglückten Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ soll vor knapp zwei Jahren im Hafen von Warnemünde durch die Beschädigung eines Aida-Schiffes aufgefallen sein.

© dpa Vergrößern In der Bredouille: Francesco Schettino

Von einem gefährlichen Manöver des „Costa Concordia“-Kapitäns Francesco Schettino vor knapp zwei Jahren in Warnemünde hat am Freitag die Turiner Zeitung „La Stampa“ berichtet. Den Ermittlungsprotokollen zur Havarie der „Costa Concordia“ sei dieses zu entnehmen: Schettino habe am 4. Juni 2010 als Kommandant des Kreuzfahrtschiffes „Costa Atlantica“ bei der Einfahrt in den Hafen des Ostseebades die dort vertäute „Aida Blu“ beschädigt und sich dem Kapitän des Schiffes gegenüber dann in „unangemessenem Ton“ geäußert.

Die Reederei Aida Cruises in Rostock widersprach der Darstellung. Es habe keine Schiffsberührung gegeben, wie die Überschrift impliziere, sagte Sprecher Hans-Jörg Kunze. Auch von einem Streit wisse er nichts. Die „Aida Blu“ sei an ihrem Liegeplatz bereits fest vertäut gewesen, als die „Costa Atlantica“ an dem Schiff vorbeifuhr. Dabei sei eine Sogwirkung entstanden, so dass sich die „Aida Blu“ bewegte. Die ausgefahrene Laderampe sei dabei leicht beschädigt worden, es habe Kratzer im Metall gegeben. So etwas passiere im Alltag. „Der Vorfall wird nicht angemessen dargestellt“, meinte Kunze. Aida Cruises mit Sitz in Rostock ist eine Tochtergesellschaft der Reederei Costa Crociere.

Dem Zeitungsbericht zufolge ist das Kreuzfahrtschiff „Costa Atlantica“ fast acht Knoten schnell in den Hafen gefahren. Auf Nachfrage seiner Reederei Costa Crociere habe Schettino zu Protokoll gegeben, von einer Geschwindigkeitsbegrenzung nichts gewusst zu haben und dafür auch nicht belangt worden zu sein. Kunze konnte zu einer möglichen Geschwindigkeitsüberschreitung nichts sagen.

Auch die Wasserschutzpolizei in Rostock konnte zur Geschwindigkeit des Schiffes damals keine Auskunft geben. Den Unterlagen zufolge war durch die Sog- und Wellenwirkung ein so geringer Schaden an der Aluminium-Gangway entstanden, dass sich beide Reedereien auf eine interne Schadensregulierung einigten, wie Sprecher Hartmut Richter sagte. Es habe weder einen Schaden am Schiff gegeben, noch seien Passagiere in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Wasserschutzpolizei habe damals einen Bericht an die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen geschickt. Richter sagte, er sei sich nicht einmal sicher, dass die Wellen und der Sog allein von der „Costa Atlantica“ verursacht wurden. Sie sei nur am dichtesten an dem Aida-Schiff vorbeigefahren.

Schettino steht nach der Havarie der „Costa Concordia“ vom 13. Januar unter Hausarrest. Ermittelt wird gegen ihn wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung, Havarie und Verlassen das Schiffes während der Evakuierung. 25 Tote wurden geborgen, 7 Opfer werden noch vermisst.

In einem Brief soll die Reederei Schettino im Oktober 2010 gerügt haben: „Mit einer größeren Aufmerksamkeit und Kenntnis der Dokumente zur Navigation hätte der Vorfall vermieden werden können“, zitiert die Zeitung Angaben des Costa-Personaloffiziers Maurizio Campagnoli. Nach der Havarie der „Costa Concordia“ hatte der 52-jährige Schettino angegeben, nicht die richtigen Karten verfügbar gehabt zu haben. Die „Costa Concordia“ war auf einen Felsen gefahren. Die Reederei hatte geantwortet, es sei seine Sache, für die richtigen Karten zu sorgen.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Prozess gegen Costa-Kapitän Unverzeihlich und unsäglich

Leichtsinn, Fahrlässigkeit, Egoismus: Die Anklage lässt in ihrem Plädoyer gegen den Kapitän der Costa-Concordia keine Zweifel, wer ihrer Meinung nach die Verantwortung für das Unglück des Kreuzfahrtschiffes trägt – der menschliche Faktor. Mehr

22.01.2015, 16:06 Uhr | Gesellschaft
Hafenblockade Touristen müssen auf Kreuzfahrtschiff ausharren

Aus Protest gegen ein Fangverbot haben Fischer den Hafen von Santa Catarina im Süden Brasiliens besetzt. 1800 Touristen und 600 Besatzungsmitglieder sitzen auf einem Kreuzfahrtschiff fest. Mehr

07.01.2015, 10:45 Uhr | Gesellschaft
Unglück der Costa Concordia Anklage fordert 26 Jahre Haft für Schettino

Die Staatsanwaltschaft hat nie Zweifel daran gelassen, dass es für sie nur einen Schuldigen für die Havarie der Costa Concordia mit 32 Toten gibt: Kapitän Francesco Schettino. Zum Abschluss ihres Plädoyers fordert sie nun mehr als 26 Jahre Haft. Mehr

26.01.2015, 12:48 Uhr | Gesellschaft
Ebola-Fall auf Kreuzfahrtschiff Kreuzfahrt-Passagier in Ebola-Quarantäne

Auf der Carnival Magic sitzt eine möglicherweise Ebola-infizierte Passagierin in ihrer Kabine. Niemand will sie an Land lassen, das Schiff darf in Mexiko nicht mal anlegen. Die Urlauber an Bord lassen sich den Appetit dadurch nicht verderben.Die Reederei Carnival erklärte, sie sei vom US-Außenministerium darüber informiert worden, dass eine Person an Bord dem Virus ausgesetzt gewesen sein könnte. Mehr

18.10.2014, 12:04 Uhr | Gesellschaft
Gentleman Host Peter Nemela Kabinenbesuche bei Damen sind verboten

Lachen, tanzen, flirten. Das ist sein Job. Peter Nemela ist Gentleman Host auf einem Kreuzfahrtschiff, ständig unter Frauen und doch solo. Mehr

28.01.2015, 12:21 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.03.2012, 17:07 Uhr

Shakira und Piqué Zweiter Sohn geboren – und schon Barca-Mitglied

Das Baby von Shakira und Gerard Piqué hat bereits eine Fußball-Konfession, die kleine North West könnte ein Geschwisterchen namens South West bekommen, undden Körper von Judi Dench ziert vielleicht bald ein besonderes Symbol – der Smalltalk. Mehr 11

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden