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Viele Inseln verwüstet : Zehntausende auf der Flucht vor „Irma“

  • Aktualisiert am

Zerstörte Gebäude auf der Insel Culebra, Puerto Rico Bild: dpa

Hurrikan „Irma“ hat sich leicht abgeschwächt, bleibt aber „extrem gefährlich“ – und nimmt Kurs auf Florida. Das Auswärtige Amt rät Touristen dort dringend, sich in Sicherheit zu bringen. Unterdessen steigt die Zahl der Todesopfer.

          Hurrikan „Irma“ hat sich auf seinem Weg durch die Karibik von einem Sturm der höchsten Warnstufe fünf auf Stufe vier abgeschwächt. Der Sturm bleibe aber ein „extrem gefährlicher Stufe-vier-Hurrikan“, teilte das nationale Hurrikan-Warnzentrum in Miami am Freitag mit. „Irma“ zieht demnach derzeit über die südlichen Bahamas. Anschließend soll er über das Meer an der Nordküste Kubas entlangwandern und am Sonntagmorgen (Ortszeit) die Inselgruppe der Florida Keys und die Südküste des Bundesstaats erreichen.

          Wegen der vielerorts unklaren Lage und der katastrophalen Zerstörung ist noch nicht klar, wie viele Tote und Verletzte es insgesamt gibt. Laut der Deutschen Presse-Agentur sind in dem Sturm mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen, die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet von  14 Menschen, die britische Zeitung „Guardian“ von 13 Toten: Demnach starben vier Menschen in dem französischen Überseegebiet Saint-Martin, vier auf den Amerikanischen Jungferninseln, drei auf Puerto Rico (beides amerikanische Außengebiete) und je ein Mensch auf Anguilla (Großbritannien) und Barbuda.

          Für die britischen Überseegebiete rief Gouverneur Gus Jaspert den Notstand aus. „Ich bin tief getroffen", sagte Jaspert. Bewohner von Tortola, einer der Hauptinseln der Britischen Jungferninseln, berichten von einem Desaster. Alle Häuser in ihrer Umgebung seien beschädigt oder zerstört worden, sagten Emily und Michael Kilhoury der BBC. In ihrem eigentlich gut gesicherten Haus seien die Türen weggeflogen. „Der Lärm war unglaublich.“

          Tropensturm „Irma“: Zur Ansicht der Prognose starten Sie das Video unten links, oder klicken Sie unten auf die Zeitleiste. Per Klick auf die Karte sehen Sie die örtliche Windstärke.

          Auf den Turks- und Caicosinseln zerstörte „Irma“ in der Nacht zu Freitag viele Gebäude, fällte Bäume und deckte Dächer ab. Der Hurrikan, der die Größe Frankreichs hat, nimmt nun Kurs auf Florida. Zuvor wird „Irma“ die Bahamas und Kuba treffen. Auf den beiden karibischen Inseln wird mit meterhohen Sturmwellen gerechnet. Zehntausende Anwohner wie auch Touristen wurden vor dem stärksten jemals gemessenen Atlantik-Sturm in Sicherheit gebracht. Allein 51.000 Touristen mussten Kuba verlassen.

          Haiti und die Dominikanische Republik wurden gestreift

          Die Turks- und Caicosinseln wurden Behördenangaben zufolge das erste Mal von einen Sturm der höchsten Kategorie 5 heimgesucht. Zunächst war das ganze Ausmaß der Zerstörung unklar. Zuvor hatte „Irma“ die Inseln Barbuda, Saint Martin und die Jungferninseln getroffen sowie Haiti und die Dominikanische Republik gestreift. In Puerto Rico fiel die Stromversorgung bei rund zwei Dritteln der Bevölkerung aus.

          Bilderstrecke

          Unterdessen bereitet man sich an der amerikanischen Küste auf „Irma“ vor. Nach letzten Prognosen könnte die Millionenmetropole Miami voll von dem Sturm erfasst werden. Evakuierungen wurden angeordnet. „Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass ,Irma' als gefährlicher Hurrikan in Südflorida an Land trifft“, teilte das National Hurricane Center mit. Der Sturm sei lebensbedrohlich. Es kann aber auch sein, dass „Irma“ noch nördlich abdreht, Florida nicht voll trifft und die amerikanische Ostküste hinauf nach South Carolina oder Georgia zieht.

          Lange Autoschlangen : Florida auf der Flucht vor „Irma“

          Amerikanische Fluggesellschaften versuchen vor dem Eintreffen von „Irma“ in Florida so viele Kunden wie möglich aus dem Gefahrengebiet herauszufliegen. American Airlines bietet nach Angaben vom Donnerstag 16 zusätzliche Flüge von Miami an. Delta Air Lines stellt mehr und größere Flugzeuge bereit, um so die Zahl der verfügbaren Plätze um 2000 zu erhöhen. United Airlines nahm sechs zusätzliche Flüge in seinen Plan auf. Alle drei Airlines wollen bis Freitagabend ihren Flugbetrieb in Florida weitgehend einstellen.

          Touristen sollen laut Auswärtigem Amt die Gegend verlassen. Bewohner und Urlauber des Monroe County, in weiten Teilen des Miami-Dade-County und in Teilen des Broward- und Collier-County müssten sich in Sicherheit bringen, teilte das Auswärtige Amt am Freitagmorgen mit. Zu den Gebieten gehöre auch ganz Miami Beach. Für die Evakuierung stünden dort an 25 Punkten kostenfreie Shuttle-Busse bereit, die genutzt werden sollten. Der Flughafen Miami soll von Freitag an geschlossen werden, der in Orlando bleibe voraussichtlich bis Samstag geöffnet.

          Fast alle Gebäude auf Barbuda zerstört

          Mit Sorge blickten Hilfsorganisationen vor dem Eintreffen des Sturms auf Haiti. Dort leiden die Menschen noch immer unter den Auswirkungen des Erdbebens von 2010 und Hurrikan „Matthew“ im vergangenen Jahr. Viele Haitianer leben in provisorischen Unterkünften und sind schlecht auf einen neuerlichen Tropensturm vorbereitet. „Mit jeder Naturkatastrophe verschlechtert sich die Lage der Menschen“, sagte Catherine Stubbe von der Hilfsorganisation Handicap International. „Wenn sie sich gerade von einem Unglück erholt haben, kommt das nächste.“

          „Irma“ verwüstet Saint-Martin : Helikopterflug über zerstörte Insel

          Hilfsorganisationen und die Behörden brachten sich am Donnerstag im Norden von Haiti in Stellung. Techniker, Mediziner und Rettungskräfte stünden bereit, um zu helfen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Nichtregierungsorganisationen schafften Hilfsgüter in die besonders gefährdeten Regionen. Ersten Medienberichten hält sich die Verwüstung auf „Haiti“ diesmal aber vergleichsweise in Grenzen. Der „Guardian“ zitierte einen Augenzeugen, der berichtete, dass es zwar heftig geregnet und gestürmt habe, aber man zum Glück nicht voll von dem Sturm getroffen worden sei. „Es war nicht so schlimm, wie wir befürchtet hatten.“ Zwei Menschen wurden demnach in der Hafenstadt Cap-Haïtien verletzt, als ein Baum auf ihr Haus stürzte. Außerdem zerstörte der Sturm eine Brücke zum Nachbarland Dominikanische Republik.

          Rekord-Hurrikan : „Irma“ zerstört Karibik-Inseln– Florida verbarrikadiert sich

          Der Sturm „Jose“, der hinter „Irma“ im Atlantik seine Bahn zieht, wurde in der Nacht zum Freitag vom nationalen Hurrikanzentrum als Hurrikan der Stufe 3 eingruppiert. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 195 Kilometern pro Stunde 955 Kilometer östlich der Kleinen Antillen. In seinem Zug könnten auch die Inseln Antigua und Barbuda liegen. Vor allem auf Barbuda wurde die Bebauung von „Irma“ bereits fast vollständig zerstört.

          Quelle: sede./peer./dpa/Reuters

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