Nachdem bei einer Massenpanik am Bahnhof von Allahabad mindestens 36 Menschen ums Leben kamen, beginnt in Indien die Suche nach Verantwortlichen. Am Sonntagabend hatten 150.000 Teilnehmer des größten hinduistischen Pilgerfests nach ihren Baderitualen in den Bahnhof gedrängt. Menschen wurden zu Tode getrampelt oder stürzten auf die Bahnsteige, als das Geländer einer Fußgängerbrücke zusammenbrach.
Sicherheitskräfte hatten den Pilgern erlaubt, das Bahnhofsgebäude von beiden Seiten zu betreten. Menschen stauten sich auf den Fluren. „Uns wurde über Lautsprecher gesagt, dass unser Zug auf Gleis 4 ankommen würde. Also sind wir losgegangen“, sagt Shushanto Kumar Sen, einer der Überlebenden. „Doch auf dem Übergang dorthin wurden wir angehalten. Von hinten kamen immer neue Menschen.“ In dem Bahnhof von Allahabad brach Panik aus. Menschen seien gestürzt, die nachkommenden Massen über diese hinweg getrampelt, erinnert sich Sen an den gestrigen Abend. „Vor allem Frauen und Kinder habe ich liegen sehen.“ Zwanzig der 26 Todesopfer sind offiziellen Angaben zufolge Frauen.
Laut Sen habe die Polizei mit Stöcken auf die Pilger eingeschlagen. Polizeioffizier Arun Kumar widerspricht. „Es waren schlicht zu viele Menschen im Bahnhof, die Menschen wollten zurück. Als das nicht ging, kam es zu einer Massenpanik.“ Aus seiner Sicht liegen die Versäumnisse vor allem bei der Bahn. Sie habe keine ausreichenden Vorkehrungen getroffen.
Auch am Tag nach dem Unglück war das Bahnhofsgelände in Allahabad völlig überfüllt. 40 Millionen Menschen sollen allein am Sonntag zum Pilgerfest „Kumbh Mela“ gekommen sein. Hunderte Polizisten patrouillieren vor und auf dem Gelände, sie versuchen, die Menschenmassen zu verteilen und für Ruhe zu sorgen. Zudem haben die Veranstalter der Kumbh Mela begonnen, die Menschen schon an der Badestelle außerhalb Allahabads, am Zusammenfluss von Ganges und Yamuna, über die Fahrtzeiten der Züge und vor allem über deren Verspätungen zu informieren. Sie sollen möglichst erst eine Stunde vor Abfahrt zu Fuß zum sechs Kilometer entfernten Bahnhof aufbrechen.
Indiens Eisenbahnminister Pawan Kumar Bansal sagte: „Selbst wenn wir wollten, könnte hier nicht jede zehn Minuten ein Zug fahren.“ Es geben Sicherheitsbestimmungen, die dies untersagen würden. „Züge können nicht wie Autos auf der Straße fahren.“ Er versprach den Familien der Opfer finanzielle Entschädigung für ihr Leid.
Unterdessen ist der Vorsitzende des Organisationskomitee der „Kumbh Mela“, Azam Khan, von seinem Amt zurückgetreten. Der Minister sagte: „Auch wenn sich das Unglück außerhalb meines Zuständigkeitsbereichs ereignete, fühle ich eine moralische Verpflichtung.“